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Grimmen Kuscheltierexperten heilen Beinbrüche und Kopfweh
Vorpommern Grimmen Kuscheltierexperten heilen Beinbrüche und Kopfweh
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00:00 11.05.2016
Wie richtig Zähne geputzt werden, übt Neo (5) unter Anleitung von Nina Luise Nickol und Kai Jens Grimm. Quelle: Peter Binder

Doreen Elen ist ein Kata, also eine Primatenart, und „hat Krebs im Kopf“, klagt die fünfjährige Suvi mit traurigem Blick und drückt ihr Kuscheltier eng an sich. „Aber wir haben den Tumor schon entfernt“, berichtet die „Tante Doktor“ in der Teddybärklinik mit vielsagendem Blick. Und schon zieht ein Lächeln übers Gesicht des Mädchens. Denn die Worte von Melissa Muszelewski haben Gewicht. Schließlich hat sie einen weißen Kittel an, wie es sich für eine Ärztin gehört. Dass sie eigentlich im zweiten Semester Humanbiologie studiert, weiß Suvi nicht.

Zum zwölften Mal öffnet in dieser Woche das Greifswalder Teddybärkrankenhaus in der Fleischmannstraße seine Pforten. Kita-Gruppen und Tagesmuttis kümmerten sich rechtzeitig um Sprechstundentermine.

„Doch am Sonnabend haben wir wieder einen Tag der offenen Tür, zu dem die Kinder mit ihren Eltern auch ohne Anmeldung kommen können“, versichert Klinikchef Lukas Scherwietes. Der 25-Jährige, der im achten Semester Medizin studiert, hat mit einem 20-köpfigen Organisationsteam den einwöchigen Klinikbetrieb professionell vorbereitet. Etwa 120 Studenten der Human- und Zahnmedizin, der Pharmazie, Psychologie und Lehramtsstudenten sorgen sich seit Montag um die vielen Teddys, Puppen und anderen Lieblinge mit ihren Wehwehchen.

„Unser Ziel ist es, den Kindern die Ängste vor einem Arztbesuch zu nehmen und gleichzeitig Grundwissen über den Klinikalltag zu vermitteln“, sagt Scherwietes. Dazu durchlaufen die Mädchen und Jungen mit ihren Schützlingen alle Abteilungen — von der Anmeldung, über die Praxis- und Röntgenräume, Ultraschall und OP-Saal bis hin zur Apotheke. Sogar den Zahnarzt konsultieren sie zwischendurch.

In jedem Jahr, so Scherwietes, widme sich das Team dabei einem speziellen Thema. 2015 habe Karies im Mittelpunkt gestanden; die Kuscheltierexperten förderten quasi nebenbei das Verständnis für die Zahngesundheit. Für die zwölfte Auflage wählten die Organisatoren ein sportliches Motto: „Mein Teddy trainiert für Olympia“ nimmt Bezug auf das nahende Großereignis in Brasilien und soll den Kindern die Bedeutung von Bewegung und Aktivität vermitteln. Scherwietes rechnet in dieser Woche wieder mit etwa 800 jungen Besuchern. Darüber hinaus geht das Klinikteam auf Tour: Seit 2013 haben auch Kinder in und um Tutow im Herbst Gelegenheit, mit ihren kranken Schützlingen die mobile Teddybärklinik aufzusuchen. „Keinen Einsatz haben wir in diesem Jahr in Wolgast, wo uns sonst auch immer etwa 200 Kinder aufsuchten“, bedauert Scherwietes und begründet dies mit der Schließung der Kinderstation am Kreiskrankenhaus. Dafür habe das Team gern die Einladung der Ameos Kliniken nach Anklam angenommen.

Am 2. Juni öffnet dort erstmals das Teddybärkrankenhaus.

Professor Wolfgang Hoffmann vom Institut für Community Medicine und Schirmherr des Projekts ist des Lobes voll: „Diese studentische Initiative hat mir irre imponiert“, sagt er und würdigt zugleich die interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen. Außerdem sei es mittlerweile erwiesen, dass die Teddybärklinik Kindern tatsächlich Ängste nehme. Eine Doktorarbeit, die das belege, werde demnächst veröffentlicht.

Von Petra Hase

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