Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Landwirte: Schluss mit dem Flächenfraß

Landwirte: Schluss mit dem Flächenfraß

An Förderpolitik und Ausgleichs- pflanzungen scheiden sich die Geister. Das wurde auch gestern beim Besuch der Bundes-Grünen- Chefin Simone Peter in Wendorf deutlich.

Voriger Artikel
Kampf der Tomaten hat begonnen
Nächster Artikel
Frau bei Unfall schwer verletzt

Die Landwirte Deert Rieve (l.) und Aurel Hagen gestern im Gespräch mit Grünen-Chefin Simone Peter.

Quelle: Fotos: Ines Sommer

Wendorf. Wenn die Grünen bei den Bauern auf dem Hof auftauchen, kann man davon ausgehen, dass die Fetzen fliegen. Gerade bei den Positionen zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln treffen da Welten aufeinander. Dass man sich aber ganz sachlich streiten kann, konnte man gestern in Wendorf erleben. Die Bundes-Chefin von Bündnis 90/Die Grünen, Simone Peter, hatte sich auf ihrer Sommertour in Vorpommern-Rügen angemeldet.

OZ-Bild

An Förderpolitik und Ausgleichs- pflanzungen scheiden sich die Geister. Das wurde auch gestern beim Besuch der Bundes-Grünen- Chefin Simone Peter in Wendorf deutlich.

Zur Bildergalerie

Zunächst stattete die Politikerin dem Öko-Betrieb von Claudia Resthöft in Elmenhorst einen Besuch ab – und war begeistert vom Hof, aber auch vom Hof-Café, das im Dorf für viele Begegnungen sorgt.

„Ein Kontrastprogramm zu dem Betrieb hier“, sagt Jürgen Suhr, Kreis-Chef der Grünen, beim Eintreffen in Wendorf. Zwar hatte der knallgrüne BMW mit Münchner Kennzeichen und dem Besuch aus Berlin an Bord ewig nicht den Weg in die kleine Gemeinde südlich von Stralsund gefunden, dann gab es aber doch angeregte Debatten – und überraschenderweise von beiden Seiten oft den Satz: „Da sind wir ganz bei Ihnen.“

„Seit Jahrzehnten werden durch die intensive Bebauung immer mehr Flächen versiegelt. Die Städte haben sich vergrößert, fressen Fläche. Aber es kann doch nun nicht sein, dass wir Landwirte dieses jahrelange Desaster jetzt heilen sollen“, schüttelt Deert Rieve den Kopf. Der Landwirt aus Muuks betont: „Wir brauchen unsere Flächen für die Produktion von Lebensmitteln. Und je weniger wir selbst herstellen, desto mehr müssen wir importieren. Welche Idiotie: Wir sollen bei uns nichts anbauen und holen uns das teuer aus dem Ausland?“

Das ist für den Gastgeber, Landwirt Aurel Hagen, ein gutes Stichwort: „Für jede Baumaßnahme muss ein Ausgleich erfolgen. Gut, aber warum muss das von unserer Fläche abgehen? Es gibt genug Bereiche, die man dafür nutzen kann. Ich denke nur an die Moore, die einst trockengelegt wurden. Das sind Flächen, mit denen wir nicht richtig was anfangen können. Mal trocken, mal nass, oft wächst da nix außer Unkraut. Da kann man doch wunderbar einen Ausgleich für Eingriffe in die Natur, die anderenorts stattgefunden haben, schaffen.“ Verwunderte Blicke in der Gäste-Runde: „Die Moor-Erhaltungsprogramme gibt es doch, die müssen nur genutzt werden. Sagen Sie das Ihrem Minister, Herrn Backhaus“, fordert Simone Peter. „Alles schon im Kopf“, kontert Aurel Hagen, der sich heute gemeinsam mit Landwirt Rieve und OB Badrow auf den Weg nach Schwerin macht...

Ob Glyphosat-Einsatz oder Nitratbelastung – die grüne Politik bezieht hier klar Stellung: „Wir müssen es schaffen, vom Glyphosat wegzukommen“, so Simone Peter. „Dann muss das aber auch EU-weit passieren, nicht, dass wieder nur wir deutschen Bauern angeschmiert sind“, sprudelte es aus Deert Rieve heraus. Und Kollege Aurel Hagen möchte erst mal Schwarz auf Weiß belegt haben, wer schuld ist an der erhöhten Nitratbelastung. „Wir arbeiten mit so moderner Technik, da wird wirklich sparsam gedüngt. Wir lassen die Streifen an Gewässern frei und so weiter.“ Für die beiden Landwirte sind andere die Hauptverursacher: die Tierveredler.

Um eine Agrarwende zu vollziehen, müsse man auch eine Preisdiskussion beim Verbraucher anschieben. „Ja, in vielen anderen Ländern zahlt man mehr für Lebensmittel als in Deutschland“, pflichtete die Grünen-Chefin den Bauern bei.

Hagen und Rieve wünschten sich zudem eine Förderpolitik, die Tiere und Flächen aneinander bindet und zudem die Produktion in den Vordergrund rückt. Es könne nicht sein, dass Leute für eine Fläche, auf der nichts produziert wird, x-mal Prämien aus verschiedenen Töpfen abkassieren. Genannt wurde ein Beispiel mit insgesamt 1200 Euro Finanzspritze pro Hektar. Das sei ein Schlag ins Gesicht all jener, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen.

Die Landwirte sehen sich immer wieder an den Pranger gestellt: „Ich möchte auch mal betonen, was wir alles für die Gemeinde tun, Winterdienst, Straßenreparatur und vieles mehr“, so Aurel Hagen.

Agrar-Wende – aber wie?

6 Milliarden Euro bekommt Deutschland an EU-Förderung für die Umsetzung der Agrarwende. Wie die vollzogen wird, ist strittig.

4000 Milchbauern haben deutschlandweit im vergangenen Jahr aufgegeben, teilte Grünen-Chefin Simone Peter bei ihrer Stippvisite in Wendorf mit.

3500 Hektar Ackerfläche bewirtschaftet Deert Rieve aus Muuks. 25 Mitarbeiter sind bei ihm ständig in Lohn und Brot, zur Ernte kommen natürlich Kräfte dazu.

8 Mitarbeiter (in der Ernte mehr) hat der landwirtschaftliche Betrieb von Aurel Hagen, der seinen Sitz in Wendorf hat. Insgesamt werden 2000 Hektar landwirtschaftlich genutzt.

Ines Sommer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Niepars/Lüssow
Die Ernte 2017 ist endlich durch, nun bereiten die Bauern das Pflügen vor.

Schädlinge und Frühjahrfröste – zum zweiten Mal nach 2016 brechen die Raps-Erträge in Vorpommern-Rügen ein. Die Landwirte kritisieren zudem die schlechte Wirksamkeit der noch zugelassenen Pflanzenschutzmittel.

mehr
Mehr aus Grimmen
Verlagshaus Grimmen

Bahnhofstraße 11
18507 Grimmen
Telefon: 03 83 26 / 46 07 84

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag
9.30 bis 16.30 Uhr

Leiterin Lokalredaktion: Almut Jaekel
E-Mail: lokalredaktion.grimmen@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.