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Laubenpieper‘s Notdurft als Streitthema

Die Kleingärtner haben die Wahl: Komposttoilette oder Abwassertank Laubenpieper‘s Notdurft als Streitthema

Seit drei Jahren ist es bekannt — jetzt müssen in den Parzellen die neuen Regelungen umgesetzt werden.

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Ohne Chemie dürfen die Fäkalien auf einen separaten Kompost, der zwei Jahre nicht ins Erdreich gebracht wird. Fotos (7): Raik Mielke

Grimmen. Für die Laubenpieper der Stadt wird es in Sachen Abwasserregelung nun ernst. Auch, wenn seit drei Jahren die strengeren Forderungen bekannt sind, gibt es bei den Gärtnern der Stadt immer noch viel Gesprächsbedarf.

„Über das Thema wurde in den vergangenen drei Jahren viel gesprochen. Wir haben unsere Gärtner gut informiert. Für die Umsetzung ist jedoch nicht der Vorstand, sondern jeder Einzelne verantwortlich“, betont Wolfgang Bahls, Vorsitzender des Kleingartenvereins „Am Wasserwerk“.

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Wir haben in unserem Verein eine Gemein- schaftstoilette. Hätte ich selber so einen Aufwand betreiben sollen, hätte ich meinen Garten abgegeben.“Eva-Maria Döring (66)

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Auch wenn bereits 1992 die Kleingärtner verpflichtet wurden, ihre Abwasserentsorgung anzupassen, durfte das Schmutzwasser bis dato unkontrolliert abfließen. Der lange Übergangszeitraum ist seit 1.

Januar zu Ende. Groben Schätzungen der Unteren Wasserbehörde zufolge ist der überwiegende Teil der hiesigen Kleingärten mit nicht zulässigen Sammelgruben ausgestattet. Trockentoiletten und Kleinkläranlagen seien im Jahre 2013 immer noch die Ausnahme gewesen. In diesen Tagen wird in den Anlagen der Stadt das Wasser wieder angestellt. Folglich verursachen die Laubenpieper bis in den Oktober hinein Abwasser. Wohin nun aber mit Fäkalien und Dreckwasser?

„In den Kleingärten der Stadt agieren überwiegend Rentner“, weiß Wolfgang Bahls. Und die haben eine klare Auffassung: „So eine große Investition in meinen Garten kommt nicht in Frage. Dann gebe ich die Parzelle lieber ab“, bringt es Eva-Maria Döhring auf den Punkt. Die 66-Jährige bewirtschaftet einen Seniorengarten und findet: „Manchmal habe ich das Gefühl, einem werden bewusst immer neuere und größere Steine in den Weg gelegt.“ In der Anlage der Kleingärtnerin am Wasserwerk hat sich der Vorstand in Absprache mit den Pächtern dazu entschlossen, eine Gemeinschaftstoilette zu errichten.

„Diese gibt es schon seit einiger Zeit in unserem Gemeinschaftsgarten. Wir haben einen 3000-Liter-Tank in die Erde gebracht. Der ist von dem Fahrzeug des Zweckverbandes gut zu erreichen und kann regelmäßig geleert werden“, erklärt Wolfgang Bahls.

Was viele Gärtner in ihrem Eifer sicher nicht bedacht haben: Die oftmals engen Gartenwege sind für die großen Fahrzeuge des Entsorgers nicht befahrbar. Heißt also: Selbst ein zugelassener Abwassertank könnte zum Problem werden. „Es gibt Vereine, die sind auf uns zugekommen und haben sich erkundigt, wo man die Tanks am besten installiert und ob diese auch den Anforderungen entsprechen“, erklärt Eckhart Zobel, Geschäftsführer des Zweckverbandes (ZWAG): „Und dies ist auch der richtige Weg. In großen Anlagen mit engen Wegen bedarf es Gesprächen, ob das Abpumpen rein technisch überhaupt realisiert werden kann.“

Haben die Gartenfreunde denn alle einen Tank eingebuddelt oder welche Alternativen nutzen sie? „Allein ein Tank kostet 300 bis 400 Euro. So eine Investition überlegt man sich ganz genau“, sagt Gärtner Frank Günther. Der 46-Jährige würde sich lieber eine Trockentoilette hinstellen, ist aber froh, dass der Verein eine Gemeinschaftstoilette errichtet hat. „Für mich ist die ganze Problematik total unverständlich“, ist Reinhard Padlowski erbost. „Wie viele Landwirte bringen tonnenweise Gülle auf ihre Felder?“, fragt er. „Hier wurde wieder ein Gesetz aus dem Bauch heraus beschlossen. Wie begründet man solch ein Vorgehen denn? Es wurden nicht einmal Bodenproben in den Anlagen genommen, ob der Boden in den zurückliegenden Jahrzehnten überhaupt belastet wurde“, sagt der Rentner. „Mir kommt es so vor, als wollte hier jemand das Plumpsklo neu erfinden“, kann Klaus Kranzosch über die Forderungen nur schmunzeln. „Die dreimal im Jahr, wenn ich in meine Notdurft im Garten verrichten muss, werde ich dann die Komposttoilette nutzen“, sagt der 80-Jährige.

„Ich werde mir einen separaten Komposthaufen anlegen und ein Klobecken raufstellen. Meine Nachbarn werden sicher erfreut sein“, sagt Jürgen Schultz (71) kopfschüttelnd und ist sich sicher, dass es in den Gärten künftig noch häufiger um die Wurst gehen wird.

Abwasser in den Kleingärten der Stadt: Was ist erlaubt, was nicht?
In das Erdreich eingegrabene Sickergruben sind verboten.

Fäkalien sind nach dem Stand der Technik unter Berücksichtigung der Belange des Umweltschutzes vom Gärtner ordnungsgemäß zu entsorgen. Das heißt deponieren oder kompostieren.

Erlaubt sind Kompost- und
Trockentoiletten sowie zulässige
Abwassertanks, die von einem Spezialunternehmen abgepumpt werden können.

Beim Abwaschen gilt: Das Geschirr mit heißem, klaren Wasser abspülen. Bei fettigen Pfannen oder dergleichen sollten dann biologisch abbaubare Reinigungsmitteln verwendet werden, die ebenso ihren Zweck erfüllen.

Das Aufstellen von Chemietoiletten ist im Kleingarten untersagt.

Spülmaschinen und Waschmaschinen dürfen sowieso weiterhin nicht in den Kleingärten der Stadt installiert werden.

 



Raik Mielke

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Grimmen
Ohne Chemikalien dürfen die Fäkalien auf einen separaten Kompost, der zwei Jahre nicht ins Erdreich gebracht wird.

Seit drei Jahren sind die Abwasserregelungen bekannt. Nun müssen sie umgesetzt werde, denn im Januar endete der Übergangszeitraum in den Kleingärten im vorpommerschen Grimmen.

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