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Grimmen Leichen für Lehre und Forschung
Vorpommern Grimmen Leichen für Lehre und Forschung
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00:00 09.07.2016

Bücher oder Computeranimationen können vieles vermitteln – aber als angehender Arzt direkt an einer menschlichen Leiche zu arbeiten, „das geht weit darüber hinaus“, sagt der Greifswalder Medizinstudent Florian Junge. Nur am menschlichen Körper könne man die komplexe Anatomie wirklich begreifen. Den Menschen, die ihren Körper nach dem Tod der Universität zu Lehre und Forschung überließen, sei die Gesellschaft daher „zu großem Dank verpflichtet.“

Florian Junge gehört zu den Medizinstudenten im vierten Semester, die die gestrige Gedenkfeier für Körperspender im Greifswalder Dom organisierten. Rund 40 Leichen braucht die Uni jedes Jahr für die Ausbildung in Anatomie, aber auch für Ärzte-Weiterbildungen. Die Leichname werden konserviert, rund ein Jahr eingelagert und im Präparationskurs eingesetzt.

Die Bereitschaft, den eigenen Leichnam dafür herzugeben, übersteigt inzwischen den Bedarf. „Früher haben wir Spender aus ganz Vorpommern angenommen“, sagt Professor Karlhans Endlich, Direktor des Instituts für Anatomie und Zellbiologie. Nun müssten sie in einem Radius von 20 Kilometern um Greifswald wohnen und dürften nicht jünger als 50 Jahre alt sein. Auch bundesweit gibt es schon seit geraumer Zeit mehr Spendewillige als benötigt werden.

Professor Endlich sieht dafür unterschiedliche Gründe. Neben dem Wunsch, einen „Dienst für die Wissenschaft“ zu leisten, möchten viele Menschen „alles geregelt haben“, glaubt er. Dahinter stehe die Absicht, den Angehörigen weder finanziell noch zeitlich zur Last fallen. Die Universitäten übernehmen bei Körperspendern die Grabpflege und anteilig auch die Bestattungskosten. In Greifswald und Rostock bleiben für die Angehörigen 800 Euro Kosten, in München 1150 und in Hamburg 1200 Euro – deutlich geringere Summen als bei einer normalen Bestattung.

Doch für die gestiegene Spendenbereitschaft sei noch etwas anderes wichtiger, meint Professor Endlich. „Sterben und bestattet werden ist weniger ritualisiert als früher.“ Eine zunehmend individualisierte Gesellschaft, in der auch der Einfluss von Religion und Kirche abnehme, erlaube mehr selbstbestimmte Entscheidungen, auch über den Tod hinaus.

Für viele Studenten ist der Anatomiekurs die erste Begegnung mit einer Leiche. Anfangs habe man da schon ein mulmiges Gefühl, sagt der Greifswalder Florian Junge. Doch dann stelle sich schnell ein konzentriertes Arbeiten ein. Die Gedenkfeier gebe ihm und seinen Kommilitonen die Gelegenheit, sich nochmal ganz anders mit dem Thema Leben und Tod auseinanderzusetzen. „Da wird Dir noch mal bewusst, Dein Präparat hatte ja auch mal ein Leben“, sagt er.

Auch für die Angehörigen sei die Feier wichtig, meint Dompfarrer Matthias Gürtler. Für sie sei es die Trauerfeier, die sie bis dahin nicht hatten. „Sie können dann abschließen.“ Die Namen der Vermächtnisgeber werden am Ende der Feier verlesen, anschließend begleiten die Studierenden die Angehörigen zur Urnenstelle der Anatomie auf dem Alten Friedhof. Gürtler hat keine Bedenken gegen solche Spenden. „Unser christlicher Glaube an die Auferstehung gilt nicht nur für unversehrte Körper“, erklärt er. „Wir machen unseren Glauben selbst klein, wenn wir so denken“.

Nicole Kiesewetter

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