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Linden — eine Weide für die Bienen

Bremerhagen Linden — eine Weide für die Bienen

Heute ist der „Tag des Baumes“ / Günter Roock (77) erinnert sich an seine Zeiten als junger Imker

Bremerhagen. Es ist ungefähr 40 Jahre her, als Günther Roock an der Straße in Richtung Horst mehrere kleine Winterlinden ausgrub und im Bremerhagener Forst wieder einpflanzte. Dass die Winterlinde 2016 zum Baum des Jahres gewählt wurde, konnte er damals nicht wissen. „Ich habe die kleinen Wildlinge damals geholt, weil ich sie als Bienenweide haben wollte“, erzählt der heute 77-Jährige, der seine Immen lange Zeit in der dortigen Waldimkerei hatte.

 

OZ-Bild

Im Gespräch: Forstmann Wolfgang Behl (r.) und Imker Günter Roock zwischen Linden im Bremerhagener Forst.

Quelle: Claudia Noatnick
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Mehr als 100 Jahre alte Winterlinde in Stralsund.

Quelle: Archiv/stefan Sauer
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Im Gespräch: Forstmann Wolfgang Behl (r.) und Imker Günter Roock zwischen Linden im Bremerhagener Forst.

Quelle: Claudia Noatnick

Heute ist der „Tag des Baumes“ und Günter Roock erinnert sich an seine Zeiten als junger Imker. „Bis zu 80 Völker hatte ich damals, dazu etwa 30 Ersatzvölker, wenn einmal welche nicht über den Winter kamen“, erzählt er. Linden- und Lindenblütenhonig liebte er ganz besonders. „Von der Konsistenz her war er cremig, hatte eine helle Farbe und einen intensiven, aber milden Geschmack“, schwärmt Roock noch heute von dem aus dem Nektar gewonnenen Honig seiner gepflanzten Winterlinden.

An einen Stamm einer seiner Winterlinden gelehnt schaut Günter Roock nach oben. Noch ist der Stamm gräulich und glatt. Wenn der Baum älter ist, werde sein Stamm „Falten“ bekommen. Längliche Risse werden ihn dann durchziehen und auch die Farbe wird sich ins Bräunliche verändern. Der Prozess des Älterwerdens ist bei der Winterlinde durchaus mit der des Menschen vergleichbar. Die Krone, derzeit noch kahl, wird sich bald mit hellgrünen herzförmigen Blättern schmücken und zur Blütezeit der Bäume, im Juni und Juli, wird vor allem in den Abendstunden ein schwerer, süßer Duft im Wald rund um die Imkerei liegen und der Waldboden regelrecht vom Honigtau kleben.

„Rund 15 Hektar unseres Waldbestandes sind heute mit Winterlinden bepflanzt“, weiß Wolfgang Behl vom Forstamt Poggendorf. Linden seien für Forstleute mindestens ebenso attraktiv wie für Imker, da sie dienende Baumarten seien. „Linden können viel Schatten ab und wachsen demzufolge auch zwischen Bäumen, deren Kronen sich über sie breiten und viel vom Sonnenlicht abfangen“, erklärt Behl. Dadurch, dass sie auch im Schatten gedeihen und wachsen, verhinderten Linden, dass sich an den anderen Bäumen zu viele Äste bilden. „Und das ist es ja, was wir Forstleute wollen — lange astfreie Stämme.“

Die forstwirtschaftliche Seite der Winterlinde war für Günter Roock, obgleich selbst Waldarbeiter, damals wohl eher zweitrangig. Als er die Winterlinden pflanzte, habe er mehr an seine Bienen gedacht. Neben dem gewonnenen Honig habe er in der Waldimkerei auch ein wenig Waldpädagogik betrieben. „Ich hatte viele Schulklassen, die hierher nach Bremerhagen kamen und sich in der Imkerei über das Leben der Bienen informierten“, erzählt er. Die Schüler seien immer sehr begeistert gewesen, ließ Günter Roock sie doch auch in die Bienenkästen schauen, zeigte ihnen Königinnen, Drohnen und Bienen mit gelben Pollenbällchen an den Beinen. „Schade, dass die Imkerei heute nicht mehr betrieben wird und diese Art der Waldpädagogik nicht mehr stattfinden kann“, findet er.

Bienen aber hat er noch heute. „Nicht mehr so viele wie damals, nur noch drei Völker“, sagt er. Und es wird nicht mehr lange dauern, dann werden seine Immen von seinem Garten in Bremerhagen sicher wieder in den angrenzenden Wald fliegen, um den Nektar und Pollen der süß duftenden Winterlindenblüten einzusammeln.

Heiliger Baum für Slawen und Germanen

Die Winterlinde (Tilia cordata) ist der Baum des Jahres 2016.

Für die Slawen und Germanen war die Linde ein heiliger Baum und der für die Fruchtbarkeit und Liebe zuständigen Gottheit geweiht. Ebenso war sie als Dorf- und Gerichtslinde ein Mittelpunkt im örtlichen Rechtswesen.

Von der Linde wird gesagt, dass sie 300 Jahre komme, 300 Jahre stehe und 300 Jahre vergehe. Das durchschnittliche Lebensalter wird mit etwa 800 Jahren angegeben.

Linden können einen Stammdurchmesser von zwei Metern Dicke bilden.

Die in Doldentrauben hängenden Blüten duften nach Honig. Hauptbesucher: Bienen und Nachtfalter. Ein Baum trägt bis zu 60000 Blüten.

Der internationale Tag des Baumes geht auf Aktivitäten des amerikanischen Journalisten Julius Sterling Morton zurück.

1872 beantragte er bei der Regierung von Nebraska die Arbor Day-Resolution, die binnen 20 Jahren in allen Bundesstaaten der Vereinigten Staaten angenommen wurde. Ursprünglich am 10. April werden seither Bäume gepflanzt.

Der Tag des Baumes wurde am 27. November 1951 von den Vereinten Nationen beschlossen. Der deutsche „Tag des Baumes“ wurde erstmals am 25. April 1952 begangen.

In Deutschland wirbt der Naturschutzbund Deutschland am Tag des Waldes für seine Aktion „Wald-Pate“, um die Urwälder und urwaldnahen Relikte in Deutschland zu schützen.

Von Claudia Noatnick

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