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Marianne Löhr bietet Hilfe zur Erziehung

Uns Dörp: Die OZ unterwegs in Bassendorf Marianne Löhr bietet Hilfe zur Erziehung

Kalt pfeift der Wind um die Mauern des Bassendorfer Gutshauses, das von vielen Dorfbewohnern noch immer Schloss genannt wird. Der Schornstein speit Rauch. „Wir heizen hier noch mit Holz, alles andere ist zu teuer“, sagt Marianne Löhr. Die heute 58-Jährige, die aus Hamburg stammt, hat sich im Jahr 2001 für Mecklenburg-Vorpommern entschieden.

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Marianne Löhr (58) vor dem Bassendorfer Gutshaus, das sie im Jahr 2001 von der Gemeinde gekauft hat.

Quelle: Peter Franke

Bassendorf. In jenem Jahr kaufte sie das Gutshaus von der Gemeinde. „Es musste viel renoviert werden, ich hab hier ‘ne ganze Menge Geld reingesteckt“, sagt die Wahl-Bassendorferin, die schon in Niedersachsen im Bereich der Jugendhilfe arbeitete. Seinerzeit als Angestellte, jetzt — in Bassendorf — als Selbstständige. „Ich habe viele Gutshäuser gesehen, bevor ich das hier gekauft habe.“ Zielgerichtet habe sie damals nach einem großen Haus mit viel Platz und in schöner, aber abgelegener Gegend gesucht. „Aus pädagogischen Gründen“, sagt die ausgebildete Diplomsozialpädagogin. Bis zu vier Jugendliche, ausschließlich Jungen und im Alter zwischen 13 und 18 Jahren, werden von Marianne Löhr und ihren Mitarbeitern betreut. „Es handelt sich um Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen in ihren Elternhäusern nicht mehr leben können oder wollen“, erklärt die Sozialpädagogin. „Wir geben Hilfe zu Erziehung.“

Die Dorfbewohner hätten dem Projekt gegenüber, das im Jahr 2003 startete, am Anfang sehr „distanziert“ gegenüber gestanden, erinnert sich Marianne Löhr. „Man fürchtete wohl, die Jugendlichen laufen durchs Dorf und werfen Fensterscheiben ein. Aber das war nicht so.“ Mittlerweile, sagt Marianne Löhr, „werden wir hier akzeptiert.“ Die Verweildauer der jungen Leute, die aus allen Bundesländern kommen, betrage jeweils zwischen wenigen Wochen und drei oder auch vier Jahren. Die Jugendlichen werden von den Jugendämtern zugewiesen oder vom Träger — der Outlaw gGmbh (Outlaw: dt. Gesetzloser) — die bundesweit mehr als 150 Teams und Einrichtungen unterhält. Dort erfahren etwa 3500 Kinder und Jugendliche mit ihren Familien Unterstützung und Beratung. Insgesamt zählt die Trägereinrichtung mit Sitz in Greven etwa 1000 Mitarbeiter.

Wer schulpflichtig sei, könne die Schule besuchen oder bekomme Unterricht von einem Sonderpädagogen im Haus, erklärt Marianne Löhr. Zudem könnten berufsvorbereitende Maßnahmen von den Jugendlichen genutzt werden. Alle halbe Jahre werde ein sogenanntes Hilfsplangespräch geführt, gemeinsam mit Eltern, Jugendamt und den Jugendlichen selbst.

Im Grunde, weiß die Pädagogin, kehren die meisten ihrer Schützlinge nicht mehr ins Elternhaus zurück. Im Bassendorfer Gutshaus werden sie auf die Selbstständigkeit vorbereitet, manchmal aber auch in andere Betreuungseinrichtungen weitervermittelt.

Marianne Löhr ist längst angekommen in Vorpommern. „Ich fühle mich sehr wohl, sonst wäre ich auch nicht mehr hier“, bringt es die Bassendorferin auf dem Punkt.

Frühere Heimstatt der Grafen von Wachtmeister
Der Kern des Bassendorfer Gutshauses stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Das Haus wirkt für eine so mächtige Familie wie die der in Bassendorf seit 1637 ansässigen Grafen Wachtmeister eher bescheiden.

Eindrucksvoll ist der Mittelteil des Putzbaus mit dem von Pilastern gerahmten Portal. So sind auch die drei darüber liegenden Fenster verziert, ein geschweifter Giebel krönt den Eingang.

An den Gutspark erinnern eine bogenförmig geführte Lindenallee und einige weitere Bäume.

Optisch eindrucksvoll ist auch der in unmittelbarer Nähe befindliche Fachwerkbau aus dem Jahr 1875.

Bis zur politischen Wende in der ehemaligen DDR im Jahr 1989 befanden sich im Gutshaus Wohnungen und eine Konsumverkaufsstelle. Der Parterre-Bereich des Gebäudes wurde von der Gemeinde als Festsaal genutzt.

Quelle u.a.: Eckhard Oberdörfer, „Nordvorpommern“

Peter Franke

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