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Grimmen Jubiläum für Maurer-Mädchen aus Stralsund
Vorpommern Grimmen Jubiläum für Maurer-Mädchen aus Stralsund
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08:57 07.11.2018
Diese Mädchen begannen im September 1968 ihrer Maurer-Lehre in Stralsund. Quelle: KARIN MUSILINSKI
Stralsund

„Wie bitte, Maurer lernst du?“ Diese ungläubige Frage musste sicher jede von ihnen mehrfach hören. 15 Mädchen hatten sich entschlossen, im September 1968 diesen selbst zu DDR-Zeiten für sie untypischen Beruf zu ergreifen. Offiziell nannte sich das Ausbildungsziel Baufacharbeiter mit Abitur. Damit beschritt das damalige Industriebaukombinat Stralsund (IBK) Neuland.

Keine reine Mädchenklasse

„Wir waren keine reine Mädchenklasse, aber in der Überzahl. Gemeinsam mit uns begannen zehn Jungen die Lehre“, erinnert sich Gerda Crohn (geborene Dotzlaff) aus Damgarten. Die jungen Leute kamen nach dem Absolvieren der zehnten Klasse aus dem gesamten damaligen Bezirk Rostock - vom Klützer Winkel bis Usedom. Nach einem Klassentreffen 2001 in Wismar mit Rekordteilnehmerzahl hat es ein „harter Kern“ von sechs Frauen zu einer guten Tradition werden lassen, sich seit fünf Jahren stets im November in Rostock zu treffen. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Lehrbeginns fand das Treffen dieses Jahr allerdings in Stralsund statt – dort, wo alles begann.

Als Überraschungsgast begrüßten sie ihren ersten Lehrmeister, Diplomingenieur und Ingenieurpädagoge Karl-Heinz Hoppe aus Negast, in der Brasserie am Neuen Markt. „Ich kann mich noch gut an die Mädchen von damals erinnern. Diese Klasse war schon etwas Besonderes“, sagte der 82-jährige spätere ehemalige Kreisbaudirektor. „Er hat uns das Einmaleins unseres Brufes beigebracht, wie man Verbände mauert, wie Mischungsverhältnis und Konsistenz des Mörtels sein müssen“, sagt Rosita Schwarck (geborene Schilling) aus Süderholz bei Grimmen. Erstmals versuchten sie sich an einem Mehrfamilienhaus am Carl-Heydemann-Ring nahe des einstigen IBK-Sitzes. „Und unser Werkzeug musste tipptopp in Ordnung sein. Die Maurerkellen haben wir mit Sandpapier zum Glänzen gebracht“, sagt die Usedomerin Vera Leesch (geborene Volkwardt), die heute in Rostock wohnt.

Bei Kälte oben auf dem Gerüst

Auch in der Volkswerft Stralsund haben die Maurer-Lehrlinge mit dem Flechten von Stahlbewehrungskörben für eine Betonfläche ihre Handschrift hinterlassen, ebenso beim Bau des Blechverpackungswerkes in Stralsund und des Faserplattenwerks Ribnitz-Damgarten. Da haben sie sich bei Kälte hoch oben auf dem Gerüst den Wind um die Nase wehen lassen. Abends tat oft das Kreuz weh, und die rauen Fingerkuppen mussten reichlich gesalbt werden. Einen ganzen Tag mit einer Hand die Steine zu packen, zu vermauern, sie aufs Gerüst zu werfen oder zu fangen, war nicht leicht. Da sind sich die Mädels einig. Und dennoch: Die drei Lehrjahre in Stralsund waren mit die schönsten und interessantesten.

Angeworben worden waren die künftigen Baufachleute vor 50 Jahren mit einem besonderen Ziel. Es ging um dem Aufbau des Kernkraftwerks Nord in Lubmin. Dafür wurden Bauingenieure gebraucht. „Die meisten aus unserer Klasse haben nach dem Abi an der Fachschule Neustrelitz oder an der Hochschule Wismar studiert“, so Bärbel Lück (geborene Matthies), die wie auch Rosita damals aus dem Klützer Winkel die umständlichste Anreise nach Stralsund hatte. Im KKW hat letztlich niemand aus der Klasse die berufliche Laufbahn eingeschlagen. In dem dreigeschossigen Internat an der Ecke Carl-Heydemann-Ring/Barther Straße, wo auf dem Gelände des heutigen Netto auch die Berufsschule und die Großküche mit Speisesaal und Bühne für Singeklub und Diskos standen, bahnten sich jedoch langfristige Verbindungen anderer Art an. Bärbel Lück lernte ihren Mann Winfried aus der Vorgängerklasse kennen. Sie heirateten und betrieben ihr gemeinsames Ingenieurbüro in Teterow.

Vorwärts-Fußballer als Nachbarn

Jedes Wochenende nach Hause zu fahren, wäre für viele zu kostspielig und zu aufwendig gewesen. Zwecks gemeinsamer Freizeitgestaltung bot sich das Haus gegenüber in der Barther Straße an. Dort waren die Fußballer von Vorwärts Stralsund, die damals erfolgreich in der Oberliga und DDR-Liga spielten, untergebracht. Aus der für beide Seiten attraktiven Nachbarschaft gingen etliche Rendezvous und sogar drei Ehen hervor. In alten Erinnerungen zu schwelgen und ihre jährlichen Treffen beizubehalten, haben sich die Maurer-Mädchen geschworen. Dafür nehmen sich die Rentnerinnen gerne Zeit.

Karin Musilinski

Lutz Mohri unterrichtet seit acht Jahren an der Kreismusikschule in Grimmen, gibt Gitarren- und Kontrabassunterricht. Einst absolvierte er eine Ausbildung zum Koch.

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