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Grimmen „Meine große Liebe bleiben die Freester Teppiche“
Vorpommern Grimmen „Meine große Liebe bleiben die Freester Teppiche“
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00:00 07.04.2016

Eigentlich ist Margot Marziniak (78) keine gelernte Knüpferin. Sie hat sich dem Phänomen „Freester Teppiche“ eher von deren geschichtlicher Seite aus genähert. Aber das auch so intensiv und hautnah, dass sie davon nicht lassen mag. Sie hilft, wo sie kann, wenn irgendwo etwas auszubessern oder zu ergänzen ist.

So hat sie nach dem Anruf einer Greifswalder Pastorenfamilie sofort zugesagt, einen Bilderteppich, der nachweislich aus dem Jahr 1930 stammt, mit neuen Fransen zu versehen. „Da der Teppich nicht an der Wand hing, sondern auf dem Fußboden lag, haben sich viele Fransen mit der Zeit abgetreten, müssen also jetzt durch neue ersetzt werde.“ Und das erledigt die aus Sachsen-Anhalt stammende Frau.

„So lange und so weit ich es eben kann, meine Hände und Finger mitspielen. Deshalb braucht es halt seine Zeit,“ erklärt sie dem Gast, dass mit bald 79 Lenzen auch das eine oder andere Wehwehchen einsetzt. Doch der bereits zu einem Teil erneuerte, 86 Jahre alte Teppich liegt immer in greifbarer Nähe, so dass Margot Marziniak weiter daran arbeiten kann, wenn es ihr gut geht. Ein Teil ist noch zu erledigen, aber dann kommt das „gute Stück“ saniert an die Greifswalder Besitzer zurück.

Der Name der betagten, aber unerschütterlich aktiven Frau, ist aufs engste mit Freest und Kröslin verbunden. Dort war sie bis zu ihrer Invalidisierung 1990 von 1958 an als Lehrerin für Geografie tätig und hat so manche Jahrgänge mit unerlässlichem Wissen über Elbe und Seine, Amur und Amazonas ausgestattet. Dann kam die politische Wende und für Margot Marziniak eine nahezu historische Aufgabe: Aus dem vorhandenen Fundus musste mit Hilfe von ABM-Kräften eine drei Zimmer umfassende Heimatstube gestaltet werden. 1992 wurde die Schau eröffnet, vor allem Freester Teppiche prägen das Ausstellungsgut im Zollhaus des alten Fischerdorfes. Sechs Jahre hat sie hier ihre Kraft, Energie und Kreativität in die Heimatstube gesteckt, war Ansprechpartnerin für historisch interessierte Gäste und Liebhaber dieser speziellen Knüpferei. Einst war sie in der gesamten Region weit verbreitet, wurde unter anderem in Lubmin und Spandowerhagen gepflegt; heute gibt es in der gesamten Gemeinde Kröslin gerade mal noch zwei Frauen, die das selten gewordene Kunsthandwerk beherrschen. Die Freester Teppiche sind besonders für ihre spezielle Ornamentik bekannt, obwohl auf ihnen zunächst auch häufig Bilder, darunter aus der biblischen Geschichte, dargestellt wurden. Wo andere gerahmte Malerei oder Fotos an der Wand zu hängen haben, schmücken bei Margot Marziniak Freester Teppiche in verschiedenen Farben, Größen und mit unterschiedlichen Abbildungen, etwa der Stranddistel, die Wohnzimmerwände. „Ich bin froh und stolz, dass ich die Freester Teppiche um mich habe, sie bleiben meine große Liebe“, sagt die Pensionärin.

Eine nahezu eben so große Zuneigung verbindet die Seniorin mit dem Ostseebad Zinnowitz, das ihr inzwischen seit 16 Jahren Heimat ist. Dabei liegen die ersten Kontakte zu Zinnowitz weit zurück.

Im Jahr 1954 war Margot Marziniak mit einer Studiengruppe in Altwarp. Und zum Programm gehörte auch eine Schifffahrt, die darin gipfelte, in Zinnowitz an den Strand der Ostsee zu pilgern. „Von da an hatte ich den Wunsch, irgendwann einmal hierher zurückzukehren“, beteuert sie.

Nun hat sie sich das Verlangen erfüllt, lebt sehr gern hier und hat viele Kontakte geknüpft. Manche sogar über die Teppiche.

Von Steffen Adler

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