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00:10 22.04.2016

Adeen zückt sein Handy. Wenn er bei Google den Namen seiner syrischen Heimatstadt Homs eintippt, kommen als erstes Bilder von der Zerstörung: Ruinen, Geröll, Schutt...„Alles kaputt“, sagt der 28-Jährige. Aber die Deutschen seien so gut zu den Flüchtlingen. „Immer freundlich, wie Sie, wie Sie“, ruft er und deutet auf zwei Frauen, die gerade neben ihm im St. Spiritus stehen. „Naja“, entgegnet die eine halb geschmeichelt, halb entschuldigend. „Es gibt leider auch andere....“

Wie viele Flüchtlinge verträgt unsere Stadt, wo können wir sie unterbringen, werden sie uns verändern? Monatelang hat dieses Thema viele Stadtgespräche durchzogen, „besorgte Bürger“ und Flüchtlingsfreunde zu Demos auf die Straßen getrieben. Doch an diesem Mittwochnachmittag im St. Spiritus ist von Sorgen nichts zu sehen.

Das Interkulturelle Café, das Studenten im Rahmen des Projekts „Weltfreunde“ vergangenen Herbst im Jugendzentrum Klex gestartet hatten, wird seit Kurzem jeden ersten, dritten und fünften Mittwoch des Monats auch im St. Spiritus eröffnet. „Das ist so toll“, findet Studentin Johanna Krone von den „Weltfreunden“, „weil wir damit nochmal ganz neue Zielgruppen erreichen, nicht nur Studenten.“

Junge und ältere Flüchtlinge aus Syrien und anderen Ländern sind heute gekommen, Studenten, Rentner, Kinder, Eltern, alles in allem knapp 50 Personen. Die einen trinken Kaffee und essen Kuchen, die anderen spielen Federball auf den sonnigen Innenhöfen des Hauses, manche sitzen gedankenverloren da, viele sind ins Gespräch vertieft. „Die Atmosphäre ist herrlich“, schwärmt Landschaftsökologiestudentin Brook Anderson auf Englisch, „man lernt hier so leicht Leute kennen.“ Die 23-Jährige kommt aus Australien, hatte im September in Greifswald ihre Auslandssemester begonnen — und überrascht festgestellt, wie unterschiedlich die deutsche und die australische Mentalität seien. „Ich habe hier mal eine Kassiererin im Supermarkt gefragt: Wie geht es Ihnen?“ So wie das in Australien üblich sei, immer bereit, Freunde zu finden. „Sie hat mich angesehen, als wäre ich verrückt“, sagt Brook Anderson lachend. Aber hier im Café seien alle so herrlich gesprächsbereit. „Kennen Sie jemanden, der ehrenamtlich Klavier- oder Gitarrenunterricht geben könnte?“ Im Innenhof nebenan versucht die pensionierte Ärztin Anne Wilke gerade, für den Syrer Nur Adeen und seinen Bruder Kontakte herzustellen. Vor zwei Wochen ist die „Neurentnerin“, wie sie sich nennt, das erste Mal ins Interkulturelle Café gekommen. „Das war so spannend“, sagt sie. Nur Adeen und seine Freunde sprächen nach sechs Monaten in Greifswald schon so gut Deutsch, hätten so viel zu erzählen. „Und ganz konkret erfährt man, was sie brauchen, wie man vielleicht helfen könnte.“ Für Anne Wilke steht darum fest: Sie wird wiederkommen. Multi-Kulti, das macht Spaß.

Von Sybille Marx

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