Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grimmen Minister Brodkorb ist kein Fan eines Unischauhauses
Vorpommern Grimmen Minister Brodkorb ist kein Fan eines Unischauhauses
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 03.09.2016

Greifswald Seit zehn Jahren steht das frühere Physikalische Institut im Zentrum des Historischen Campus leer. Die Sanierung des stark mit Quecksilber kontaminierten Hauses würde rund zehn Millionen Euro kosten. Bis 2023 sind aber alle vom Land zur Verfügung gestellten Mittel verplant. Aktuell setzt die Uni Mittel ein, um die Quecksilberbelastung zu reduzieren, informierte Unikanzler Wolfgang Flieger.

Universitätsarchivar Dirk Alvermann entwickelte ferner ein vom Rektorat in diesem Jahr gebilligtes Nutzungskonzept. Abenteuer, Leben und Visionen sind die drei Bereiche, die das Haus künftig präsentieren soll. Forschungsschwerpunkte, Werbung für Stadt und Studium, der Einzug des Uniladens in das Haus, interaktive Angebote und die Präsentation von Highlights der umfangreichen und international bedeutsamen Sammlungen gehören dazu – ein modernes Schauhaus einer traditionsreichen Hochschule. Der CDU- Landtagsabgeordnete sicherte beim Besuch einer Arbeitsgruppe der Landtagsfraktion seiner Partei im Juli zu, dass er sich im Fall einer Regierungsbeteiligung für eine Aufnahme des Projekts in eine Koalitionsvereinbarung einsetzen wolle. Linkenpolitiker Peter Multhauf sah seine Stunde gekommen. Er fordert seit langem ein Stadtmuseum, das nun auch in der Alten Physik Platz finden könnte. Uni und Greifswald könnten das Haus gemeinsam betreiben, schlägt er vor. Der Vorsitzende des Bildungsausschusses der Bürgerschaft, Erik von Malottki (SPD), findet die Idee gut. Auf dem OZ-Forum zur Landtagswahl fand die Idee eines Unischauhauses parteiübergreifend großen Anklang. OZ sprach darüber mit Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD).

Sollte das Land seiner Hochschule helfen?

Mathias Brodkorb: Herr Minister Pegel hat mich gleich nach dem OZ-Wahlforum kontaktiert, um mit mir eine Lösung zu besprechen. Klar ist: Die Alte Physik ist ein Schmuckstück in optimaler Lage und darf nicht ewig leer stehen. Ich bin optimistisch, dass mit etwas gutem Willen und mit Hilfe des Landes eine Lösung möglich ist.

Was halten Sie von der Idee eines Schauhauses inklusive anderen Angeboten wie Studienberatung?

Brodkorb: Da bin ich eher skeptisch. Die Universität macht stets geltend, dass sie ihre Finanzausstattung für knapp hält. Da ist es nicht der beste Schritt, die laufenden Kosten weiter zu erhöhen. Hier halte ich eher eine intensivere Kooperation mit dem Pommerschen Landesmuseum für den richtigen Weg. Das würde auch diesem wirklich tollen Museum helfen, seine Attraktivität weiter zu steigern. Die Experten für Museen und Ausstellungen sitzen dort. Dieses Potenzial sollte zum Vorteil aller genutzt werden.

Das Studentenwerk hat ebenfalls Interesse an gemeldet, würden Sie diese Idee unterstützen?

Brodkorb: Das ist zum Beispiel eine gute Idee, auch wenn das Studierendenwerk sicher nicht allein alle Flächen nutzen kann.

Wie könnte der Fahrplan für Sanierung und neue Nutzung aussehen?

Brodkorb: Wir brauchen zunächst ein überzeugendes Nutzungskonzept. Die Universität könnte andere Gebäude aufgeben, die ohnehin saniert werden müssten, und die entsprechenden Einrichtungen in die Alte Physik umziehen.

Das Studierendenwerk sollte hinzu kommen. Die leergezogenen Gebäude beziehungsweise Grundstücke könnten zum Beispiel für den Wohnungsbau, auch für Studentinnen und Studenten, genutzt werden. Wenn wir ein solches attraktives Konzept für die Stadtentwicklung auf die Beine stellen, das Effizienzreserven hebt, werden wir bestimmt die nötigen Mittel zur Sanierung der Alten Physik auftreiben.

Allerdings müssen alle auch zu Kompromissen bereit sein.

Eckhard Oberdörfer

Mehr zum Thema

Der Deutschlandtourismus läuft, aber nicht in allen Ecken der Republik. Touristiker sagen, manche Regionen müssten sich besser vermarkten - und weg vom „Kirchturmdenken“.

16.09.2016

Susanne Krone ist Direktkandidatin für die Linke / Die 50-Jährige setzt sich für Menschen mit Handicap ein und möchte die kommunale Selbstverwaltung stärken

01.09.2016

Nach einer Vorlage von Peter Handke zeigt Wim Wenders seinen neuen Film in Venedig. Ein Interview zur Premiere am Donnerstagabend.

02.09.2016

Jörg Biehle lebte seit 1980 im Dorf und sieht die Entwicklung sehr positiv

03.09.2016

Karsten Bleeck lobt den äußerst zentralen Standort

03.09.2016

Da sind sich Tochter und Mutter einig: „Wir freuen uns auf die neue Schule.“ Amalia ist froh, wenn sie nicht mehr mit dem Bus zur Schule fahren muss und Claudia ...

03.09.2016
Anzeige