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Grimmen „Mit Vorurteilen müssen wir noch leben“
Vorpommern Grimmen „Mit Vorurteilen müssen wir noch leben“
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00:00 21.03.2013
Seit dem vorigen Freitag wird am Biosanica-Standort gearbeitet. Zurzeit wird das Fundament hergestellt. Quelle: Christine Drabsch

Grimmen — Seit dem vorigen Freitag wird am Firmengebäude der Biosanica Manufaktur GmbH im Pommerndreieck (dort sollen Bio-Trockenfrüchte produziert werden) gebaut. Der erste Spatenstich dafür erfolgte am 8. Februar. Nach der Berichterstattung über dieses Ereignis auf der Lokalseite äußerten sich einzelne Leser skeptisch, denn Biosanica war erst 2010 in Insolvenz gegangen. Martin Nätscher (42), der sich selbst als Mitarbeiter bezeichnet, äußert sich dazu im OZ-Interview.

OSTSEE-ZEITUNG: Was wird in dem neuen Betrieb am Pommerndreieck anders sein als bei seinem Vorgänger Biosanica Naturprodukte GmbH in Steinfeld? Dieser musste ja 2010 Insolvenz anmelden.

Martin Nätscher: Die alte Biosanica, die im Jahr 2002 gegründet wurde und bei der es bei meinem Einstieg im Jahr 2008 bereits erhebliche wirtschaftliche Probleme gab, hatte mehrere Geschäftsfelder, einige davon waren sehr verlustreich. Im Rahmen der Sanierung mussten wir uns auf die Kernkompetenz beschränken. Die sahen wir damals in der eigenen Produktion von Bio-Apfelchips und Bio-Apfelwürfeln für die Müsli-Industrie. Das hatte in der alten Firma einen Verlust an Arbeitsplätzen zur Folge. Mit dem Umsatz konnten wir die Löhne im bisherigen Umfang nicht mehr zahlen. Im Jahr 2009, nachdem der ehemalige Inhaber ausgeschieden war, sind immer mehr Altlasten hochgekommen. Diese und die erheblich vorhandenen Altverbindlichkeiten waren ein enormes Problem.

OZ: Das Sie nicht bewältigen konnten?

Nätscher: Leider nein. Außer einer Lösung für die Verschuldung bedurfte es weiteren Kapitals, um Investitionen für die Zukunft stemmen zu können. Wir wollten noch vor Ausbruch der Finanz- und Bankenkrise einen Teil der Finanzierung durch private Investoren, den Verkauf von Genussrechten, abdecken. Das war eine der Auflagen der Bank. Eine weitere Auflage war, dass wir selbst weiteres Kapital bringen und für die gesamte Zeit auf jegliches Gehalt verzichten. Das taten wir. Nach Ausbruch der Bankenkrise wurde es aber sehr schwer, überhaupt Kapital zu bekommen. Somit mussten wir im Juli 2010 Insolvenzantrag stellen. Die Insolvenz war die einzige Möglichkeit für einen Neustart.

OZ: Der ist dann gelungen?

Nätscher: Ja, die neue Biosanica ist im August 2010 gestartet und an den Standort in Himmelstadt umgezogen. Alle Arbeitsplätze wurden erhalten. Umsatz und Auslastung stiegen von Jahr zu Jahr.

Der Neustart war nicht einfach, denn von Banken war keine große Hilfe zu erwarten, und private Investoren hielten sich zunächst sehr zurück. Es war emotional sehr schwer, für Verbindlichkeiten Verantwortung zu übernehmen, die wir nicht verursacht hatten. Mit Vorurteilen müssen wir heute noch leben. Es freut uns um so mehr, dass Lieferanten die Treue gehalten haben.

OZ: Dann entschieden Sie sich für Mecklenburg-Vorpommern?

Nätscher: Im Oktober 2012 haben wir mit der Mymuesli GmbH und Norbert Braun unsere neuen Partner gefunden und so die Basis für den Bau am Pommerndreieck geschaffen. Die Biosanica Manufaktur GmbH verfügt nach Fertigstellung der Produktion am Pommerndreieck über eine deutlich höhere Produktionskapazität, bei optimiertem Energie- und Personaleinsatz. Modernste und effektivste Maschinen und das eigene Gebäude bilden eine solide Basis für die Zukunft. Gemeinsam mit unseren neuen Gesellschaftern blicken wir somit sehr positiv in die Zukunft und freuen uns auf den Produktionsstart im September 2013!

OZ: Werden auch wieder Genuss-Scheine angeboten?

Nätscher: Wir haben heute eine sehr konservative Finanzierung mit Eigenkapital durch alle Gesellschafter sowie einer anteiligen Bankenfinanzierung. Somit können wir uns auf unsere eigentlichen Aufgaben konzentrieren.

OZ: 15 Arbeitsplätze sollen mit Biosanica entstehen. Können Sie die langfristig sichern?

Nätscher: Wir werden einfach so weiter machen wie bisher und unser Wachstum am Standort Pommerndreieck beschleunigen, neue und zusätzliche Arbeitsplätze werden dann quasi von ganz alleine entstehen. Wir gehen auch davon aus, dass um uns herum neue Arbeitsplätze entstehen, da wir auch den Anbau von Bio-Äpfeln in der Region unterstützen wollen. Auch der eine oder andere Zulieferer oder Dienstleister wird sicher von unserer Entwicklung partizipieren.

Interview von Christine Drabsch

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21.03.2013

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