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Mit dem Brunnen kam Streitkultur auf

Grimmen Mit dem Brunnen kam Streitkultur auf

Seit 2001 hat sich Grimmen zu einer interessanten Kunststadt entwickelt

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Zur 725-Jahrfeier 2012 wurde der Erdölkumpel eingeweiht. Er erinnert an einen wichtigen Abschnitt der Stadtgeschichte.

Grimmen. Immer mehr Touristen nutzen die Gelegenheit, bei einem Kunstspaziergang eine ganz spezielle Seite der Trebelstadt zu erkunden. Die hat sich zu einer Kunststadt gemausert. Die OZ sprach mit Bürgermeister Benno Rüster über die künstlerische Entwicklung, strittige Kunstwerke und Zukunftspläne.

OZ-Bild

Seit 2001 hat sich Grimmen zu einer interessanten Kunststadt entwickelt

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Bei Ihrem Amtsantritt im Jahre 2001 spielte die Kunst in Grimmen keine Rolle. Warum war es Ihnen wichtig, dies zu ändern?

Benno Rüster: Als ich Bürgermeister wurde, ging in Grimmen nicht mehr ein einziger Springbrunnen. Damals an Kunst zu denken, wäre vermessen gewesen. Erst einmal mussten wir die Stadt zu einer sauberen machen. Wenn in einer Stadt nichts Kulturelles funktioniert, fehlt den Einwohnern die Identifikation mit ihrer Stadt. Wir mussten alle zusammen ein Konzept erarbeiten, das Grimmen als Kleinstadt interessant macht und Leute von der Ostsee dazu bewegt, zu uns zu kommen. Zudem haben wir unsere Einwohner wachgerüttelt. Mit dem Rückertbrunnen kehrte endlich wieder eine positive Streitkultur in die Stadt ein.

Würden Sie mir recht geben, wenn ich behaupte, dass Kunst für Sie nichts für die Ewigkeit ist? Viele Kunstwerke der vergangenen Jahre sind aus Pappelholz – eine absehbare Haltbarkeit ist sicher.

Wollen Sie dadurch erreichen, dass sich die Stadt nach einer gewissen Zeit immer wieder auch künstlerisch neu entdeckt?

Wir haben eine wunderschöne Backsteingotik im Zentrum. Uns geht es darum, die Leute von einem historischen Bauwerk zum anderen zu leiten. So wollten wir zum einen Stadtgeschichte erlebbar machen. Die Tafeln zur Bürgermeisterentführung am Stadtmuseum sollen die Zeiten überdauern, weil sie von entscheidenden Kapiteln der Stadtgeschichte berichten. Deshalb sind sie auch aus Bronze.

Unsere Holzskulpturen werden irgendwann mal wieder aus dem Stadtbild verschwinden. Dann haben neue Leute die Möglichkeit, sich zu verwirklichen. Nur durch das Pflegen von Traditionen und ständige Veränderungen wird eine Stadt immer wieder aufs Neue belebt.

Sie sind bewusst mit Kunstwerken aus dem Zentrum in die einzelnen Stadtgebiete gegangen. Welche Idee steckt dahinter?

Ich wollte alle Bürger und vor allem die Kinder mitnehmen. Kunstwerke, wie der Drache oder der Spielplatz in der Straße der Befreiung, machen Kunst für jung und alt erlebbar. Wenn Kinder mit Kunst aufwachsen, wissen sie diese später auch ganz anders zu schätzen und bauen so eine Bindung zu ihrer Stadt auf.

Welche Reaktionen konnten Sie bis dato wahrnehmen?

Es kommen inzwischen Reisebusse nach Grimmen, die mit unserer Stadtführerin auf einen geschichtlichen Rundgang gehen. Unsere Museumsleiterin Dr. Sabine Fukarek ergänzt unsere Kunst zudem wunderbar mit regelmäßigen Ausstellungen, die einen weiterführenden Einblick in die Stadtgeschichte ermöglichen.

Sind weitere Projekte in der Planung?

Das hoffe ich. Ganz klar, Kunst ist nicht das Wichtigste. An erster Stelle stehen unsere Kinder. Sie sind die Zukunft. Darum werden Investitionen in Schulen und der Ausbau unserer Industrie immer Vorrang haben. Wenn wir in diesen Bereichen unsere Hausaufgaben gut machen, dann können wir uns auch um die Kunst kümmern. Und dies kommt nicht immer nur von der Stadt. Wir haben viele Unternehmer und Ärzte, die zu der positiven Entwicklung in Sachen Kunst einen großen Beitrag leisten.

Drei prägende Künstler der Stadt Grimmen

Thomas Reich gestaltete den Stadtbrunnen. Er studierte an der Fachschule für Angewandte Kunst in Schneeberg und lebt und wirkt heute in Müggenwalde. Wichtige Erfahrungen sammelte er während seiner Studienreisen nach Sibirien, Kaukasien, Tuvenien, Italien, USA und Lateinamerika.

Raik Vicent gestaltete zahlreiche Holzskulpturen, unter anderem den Drachen „Wassmut“. Der Stralsunder ist Autodidakt seit 2002, Freiberufler als Holzgestalter seit 2006. Die Kunsthalle Dänholm ist sein Arbeitsort. Seine Holzskulpturen entstehen entweder dort oder an dem jeweiligen Ausstellungsort.

Gisela Krüger ist eine Hobbykeramikerin aus Grimmen. Zur 725-Jahrfeier der Stadt Grimmen schuf die Trebelstädterin beispielsweise auf einem Findling vor dem Kulturhaus eine Bronzeskulptur – den „Erdölkumpel“. In Greifswald lernte sie Gebrauchswerberin und gestaltete am Theater Bühnenbilder.

Raik Mielke

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