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Grimmen Mit fast 80 Jahren noch nie umgezogen
Vorpommern Grimmen Mit fast 80 Jahren noch nie umgezogen
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00:45 02.05.2018
Gerdeswalde

Schwuppdiwupp ist man in Gerdeswalde: Das Ortsausgangsschild von Horst ist gleichzeitig das Ortsschild des Nachbardorfes. Und beide Orte sind auch ganz eng miteinander verbunden – gehörte doch Gerdeswalde bis zur Fusion zur Großgemeinde Sundhagen zur kleinen Kommune Horst.

Johanna und Dieter Gruel in ihrem Garten in Gerdeswalde. Quelle: Foto: Almut Jaekel

Gleich hinter dem Ortsschild auf der linken Seite im Haus Nummer 1 wohnen Johanna und Dieter Gruel. Und zwar schon ewig. Dieter Gruel – heute 79 Jahre alt, ist zwar in Greifswald in der Klinik geboren, in Gerdeswalde Nummer 1 aber aufgewachsen. „Mein Vater kam 1908 aus Stettin mit seinen Eltern nach Gerdeswalde“, erzählt er. Damals sei das Gruelsche Haus noch das Inspektorhaus des Gutes gewesen. „Ich bin noch nie in meinem Leben umgezogen“, sagt Dieter Gruel.

Als einziger Sohn sollte Dieter die kleine Landwirtschaft mit 17 Hektar inklusive Pachtland übernehmen. „So richtig Lust hatte ich dazu nicht“, sagt er heute. Landmaschinen- und Traktorenschlosser wurde er schließlich, brachte seinen Hof aber schnell in die LPG Typ III ein. Als er 1965 nach zwei Jahren Armeedienst in Halberstadt wieder nach Gerdeswalde zurückkam, merkte er, dass er für die reine Landwirtschaft nicht mehr gemacht war. „Ich war starker Allergiker geworden.“ Besonders Roggen, Mais und Haselnuss lösten heftige Reaktionen aus. Dieter Gruel arbeitete später auf dem Horster Technikstützpunkt und war schließlich in der Miltzower Kartoffelhalle für die Technik zuständig, zu der zehn Gabelstapler und etliche Förderbänder gehörten, die ständig tiptop laufen sollten.

Nicht aus Gerdeswalde, aber sozusagen von nebenan, aus Segenbadenhau, stammt seine Frau Johanna. „Wir fühlen uns sehr wohl hier und sind glücklich, dass wir nicht in der Stadt wohnen“, sagt sie, bevor sie erzählt, dass auch sie einst in der LPG arbeitete. „Ich war die erste Besamungstechnikerin der DDR“, erzählt sie. Und sie sei immer mit dem Moped und Rucksack unterwegs gewesen. Da habe der Begriff Rucksackbulle eine ganz besondere Bedeutung gehabt, scherzt ihr Mann. „Schon zur Schulung zur Besamungstechnikerin sei sie mit dem Moped nach Stralsund gefahren. „Dabei hatten die mich damals ausgetrickst und gesagt, es wäre noch eine weitere Frau dabei, was jedoch schließlich nicht stimmte“, erinnert sich Johanna Gruel. Über Modder- und Huckelwege habe sie später regelmäßig das tiefgefrorene Rindersperma von der Bahnstation in Jeeser abgeholt.

Johanna Gruel war nicht nur berufstätig, sondern auch Mutter von vier Töchtern. „Aber es hat alles geklappt“, sagt sie leichthin. Heute haben Johanna und Dieter Gruel sechs Enkel und fünf Urenkel.

Vier der Urenkel sind gleich ein Grundstück weiter zu Hause. Auch drei der Töchter leben mit den Familien in der Nähe, nur die Jüngste in Bielefeld und damit ziemlich weit entfernt, bedauern sie.

Doch nicht nur Enkel und Urenkel bringen Abwechslung in das Leben der Gruels. Auf ihrem Hof bieten sie Pilgern, die auf der Via Baltica des Jakobsweges unterwegs sind, eine Bleibe für die Nacht.

„Gleich nach der Wende waren so viele Menschen neugierig auf uns im Osten, dass wir Urlaubern Unterkunft boten. Und dann kam das Pilgern auf und gemeinsam mit unserem Pastor in Horst haben wir die Pilgerherberge ab 2. Mai 2010 bei uns auf halber Stecke zwischen Greifswald und Grimmen organisiert“, erzählt Dieter Gruel. Dabei habe er anfangs fast gar nichts über das Pilgern gewusst.

„Es macht Spaß, dabei lernt man die unterschiedlichsten Menschen kennen, sind sich die beiden Senioren einig. Ältere und Jüngere, viele allein, aber auch ganze Gruppen – sie alle haben in den vergangenen Jahren in Gerdeswalde eine Herberge gefunden. Mit Frühstück und Abendbrot, wenn sie mochten. 59 Pilger in einem Jahr war die höchste Besucherzahl, sagt Dieter Gruel. 2017 zählte er 41 Pilger. Oft würden sie dann abends mit den Pilgern zusammensitzen und sich unterhalten. Und die meisten schicken von ihrer weiteren Wanderschaft Karten und Grüße als Dankeschön. „Einmal war ein Spanier bei uns, der beim Start in Swinemünde noch gar kein Deutsch konnte. Hier konnte er sich schon etwas verständigen und als er schließlich bis Köln gewandert war, schrieb er meiner Tochter auf Deutsch – so viel hatte er bis dorthin gelernt“, erzählt Gruel. Weitere Pilger, die den beiden gut in Erinnerung geblieben sind, war ein Paar, das mit einem Esel unterwegs war. Sie fragten nach Wasser und Dieter Gruel staunte nicht schlecht als sie gleich 20 Liter verlangten – für den Esel, den er vorher nicht gesehen hatte.

Almut Jaekel

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