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Nach Jahren des Wartens: Uni hat eine Kinderrheumatologin

Greifswald Nach Jahren des Wartens: Uni hat eine Kinderrheumatologin

Die Professorin kommt aus Hannover und hält wöchentlich Spezialsprechstunden ab / Kinder und Eltern müssen nicht mehr hunderte Kilometer fahren

Greifswald. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es endlich wieder eine Professur für Pädiatrische Rheumatologie und Immunologie. Almut Meyer-Bahlburg besetzt seit dem 1. Mai dieses wichtige medizinische Fachgebiet der Unimedizin und ist in Forschung, Lehre und Krankenversorgung eingebunden. Die gebürtige Hamburgerin war an der Medizinischen Hochschule Hannover als Kinderrheumatologin und Wissenschaftlerin tätig.

 

OZ-Bild

Almut Meyer-Bahlburg arbeitet seit Mai als Kinderrheumatologin in Greifswald.

Quelle: Peter Binder

Dutzende kleine Patienten und vor allem deren Eltern wird es freuen. Denn fünf Jahre war die Stelle unbesetzt. Die Kinder mussten bisher oft weite Wege in Kauf nehmen und wurden in Hamburg oder Berlin in Spezialsprechstunden behandelt. „Wir sind sehr froh darüber, dass dieser Bereich der Kinderheilkunde für das gesamte Bundesland MV von der Greifswalder Uni betrieben wird“, sagt der Geschäftsführende Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin, Prof. Holger Lode. Die Versorgungsqualität für die betroffenen Familien würde sich nach seinen Worten erheblich verbessern.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie erkrankt etwa eines von 1000 Kindern unter 16 Jahren jährlich an einer Gelenkentzündung. Das sind vor allem Gelenkentzündungen mit unklarer Ursache. Bei etwa 10 bis 20 Prozent dieser erkrankten Mädchen und Jungen verläuft die Gelenkentzündung dann chronisch. Dann spricht man von einem kindlichen Rheuma. Allerdings: Es unterscheidet sich ganz deutlich von dem Rheuma, das bei Erwachsenen auftritt.

Almut Meyer-Bahlburg hat während der wöchentlichen Spezialsprechstunde in Greifswald bereits die ersten Kinder behandelt. „Die Eltern sind unglaublich dankbar, dass sie nicht mehr drei Stunden und länger fahren müssen“, schildert die Ärztin. Denn Kinderrheuma ist sehr schmerzvoll. Die chronische Erkrankung hat laut ihrer Aussage viele Gesichter. Die Kinder haben meist einen langen Leidensweg vor sich, „denn es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der körpereigene Bestandteile vom Immunsystem als fremd erkannt werden. Damit lösen sie eine Entzündungsreaktion in den Gelenken aus“, erläutert sie. Oft seien die Ursachen und Auslöser dieser Entzündungen unbekannt, aber auch erbliche Veranlagungen können eine Rolle spielen. Da Kinder wachstumsbedingt des öfteren über Schmerzen in den Gelenke klagen, müsse zunächst sicher abgeklärt werden, ob es sich tatsächlich um Rheuma handele. „Dafür braucht es Spezialisten. Genau die fehlten bisher in der Region. Stehe die Diagnose fest, sei es wichtig, dass mit einer qualitativ hochwertigen Behandlung frühzeitig begonnen werde. „In Greifswald steht mir ein interdisziplinär arbeitendes Team zur Seite“, lobt die Medizinerin.

Sie hofft, dass sie auch bald mit ihrer Forschung weitermachen kann. „Ich untersuche beim kindlichen Rheuma die sogenannte B-Zelle, die für die Produktion von Antikörpern zuständig ist, aber eben nicht richtig funktioniert“, erklärt die 45-Jährige, deren Spezialgebiet die Erforschung von Autoimmunerkrankungen im Kindesalter ist. Gerade richtet sie das Labor ein. Dr. Ann-Kathrin Behrendt, die von Hannover mit an den Ryck gewechselt ist, hat bereits die ersten Geräte bestellt.

Almut Meyer-Bahlburg, die in Hamburg, Würzburg und London Humanmedizin studiert, in Würzburg und Halle gearbeitet sowie fünf Jahre in den USA in Seattle geforscht hat, ist vom Wechsel nach Vorpommern überzeugt: „In Greifswald kann ich mich beruflich weiterentwickeln“, sagt sie. Außerdem hätten sie auch die tolle Landschaft in Vorpommern sowie die freundlichen Greifswalder Kollegen von der Richtigkeit ihres Entschlusses überzeugt.

Cornelia Meerkatz

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