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Neue Chefin für historische Apotheke

Grimmen Neue Chefin für historische Apotheke

Nach 55 Jahren verabschiedet sich Ingeborg Scherlach am Freitag in den Ruhestand

Grimmen. Es ist wirklich kein Aprilscherz! Am Freitag geht Ingeborg Scherlach nach 55 Jahren in der Grimmener Rats-Apotheke und im Alter von 73 Jahren in den Ruhestand.

Mit Tränen in den Augen verrät die Apothekerin, dass ihr der Schritt sehr schwer falle, aber sie zugleich froh sei, nach Jahren der Suche endlich die passende Nachfolgerin gefunden zu haben. „Ich wollte hierbei nicht nur eine gute Entscheidung für mich, sondern für mein Team finden”, betont sie. Die „Neue” ist Christine Ruppert, die sich in den vergangenen Wochen intensiv auf die neue Herausforderung vorbereitet hat. „Ich wollte unbedingt, dass meine Apotheke von einer kompetenten Frau weitergeführt wird, die zudem in Grimmen ihre Wurzeln hat”, sagt Ingeborg Scherlach.

Mit der 35-jährigen Christine Ruppert, die in der Trebelstadt lebt, verheiratet ist und einen sieben Jahre alten Sohn und eine vierjährige Tochter hat, glaubt Ingeborg Scherlach, die Idealbesetzung gefunden zu haben. „Schon in den ersten Gesprächen hatte ich das Gefühl, dass sie neben ihrer hervorragenden fachlichen Qualifizierung, insbesondere ein gutes Gespür für die Tradition der Apotheke hat. Jede Menge Erfahrung bringt die 35-Jährige gewiss mit. „Ich habe bereits während meines Studiums an der Universität in Greifswald von 1999 bis 2004 ein vierwöchiges Praktikum in der Grimmener Rats-Apotheke absolviert”, erinnert sich die neue Leiterin zurück. Nach dem abgeschlossenen Studium wurde sie sofort in der damals neu eröffneten Apotheke am Mühlentor angestellt und sammelte dort bis heute jede Menge Erfahrung als Apothekerin.

Durch die bevorstehende leitende Funktion in der Rats-Apotheke warten auf die junge Grimmenerin natürlich auch neue Anforderungen, denen sie sich aber mit jeder Menge Elan stellen will. „Eine Dozentin hatte mir zum Thema gute Beratung mal gesagt, man solle jeden Kunden so beraten, als ob es der beste Freund oder ein Familienangehöriger sei”, beschreibt sie und erklärt, sich jenen Rat als Leitfaden für ihre berufliche Tätigkeit genommen zu haben.

Dementsprechend klar ist für Christine Ruppert auch, wie es mit ihr als Leiterin in der Rats-Apotheke weitergehen soll. „Mit meinem elfköpfigen Team, dass neben Apothekern aus Pharmazieingenieuren und pharmazeutischen Assistentinnen besteht, soll besonders großen Wert auf die Kundenbetreuung gelegt werden”, betont sie. Und mit diesem Ziel tritt Christine Ruppert in große Fußstapfen. Seit mehr als 250 Jahren gibt es im Herzen von Grimmen nämlich die Rats-Apotheke. Seit nunmehr 55 Jahren ist Ingeborg Scherlach mit der Apotheke verbunden. „Nach der Ausbildung und dem Studium habe ich am 1. April 1970 fest in der Apotheke begonnen”, erklärt sie. Am 1. Oktober 1990, also genau genommen noch zu DDR-Zeiten, übernahm sie die Leitung der Apotheke.

„Ein kluger Mann hat mal gesagt, man soll 25 Jahren lernen, 25 Jahren arbeiten und sich 25 Jahre ausruhen. Mit der Übernahme der Apotheke 1990 hat für mich eigentlich der Arbeitsabschnitt nochmals begonnen”, beschreibt sie. Besonders in Erinnerung bleiben wird sicher das von Ingeborg Scherlach in den 1990er-Jahren angeschobene schwierige Bauvorhaben.

„Ich bin damals voller Mut die Sanierung und den Neubau der Apotheke angegangen. Jeder, der sich ein bisschen mit solchen Vorhaben innerhalb eines historischen Stadtkerns auskennt, weiß, wie schwierig so etwas ist”, sagt sie aus heutiger Sicht lächelnd. Aber auch den schwierigen Schritt des Abbaus von Angestellten galt es zu meistern.

„Ich habe die Apotheke mit 36 Angestellten übernommen”, erinnert sie sich zurück und betont: „Wenn man so viel an Lebenskraft in etwas gesteckt hat, ist es einem umso wichtiger, dass dieses Werk auch gut weitergeführt wird. Und dessen bin ich mir bei Christine Ruppert sehr sicher”, sagt Ingeborg Scherlach.

Von Raik Mielke

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