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Neue Struktur für Beratungsstellen

Greifswald Neue Struktur für Beratungsstellen

Wer Schulden hat, Sorgen in der Schwangerschaft oder Probleme in der Familie findet Hilfe bei Caritas, DRK, Volkssolidarität und Co / Wer was wo im Kreis macht, soll neu geregelt werden

Greifswald. Schulden, Ehekrise, Sorgen bei der Erziehung der Kinder – Die Beratungslandschaft im Kreis Vorpommern-Greifswald soll neu strukturiert werden. Das hat der Kreistag während seiner jüngsten Sitzung beschlossen. „Wir wollen im Kreis eine homogene Beratungsstruktur mit konstant hohem Niveau erreichen“, sagt der zuständige Sozialdezernent Dirk Scheer (parteilos).

Seit der Kreisgebietsrefom 2011 ist der Kreis dafür zuständig, eine Vielzahl an Angeboten zu finanzieren. „Die Qualität ist zum Teil sehr unterschiedlich. Gerade im südlichen Teil des Kreises muss nachgebessert werden“, sagt Scheer. Weiteres Problem: Derzeit wird nicht gesteuert, welcher Träger welches Angebot in welcher Stadt macht. „Mitunter bieten mehrere Träger die gleiche Beratung mit wenigen Stunden an“, sagt Scheer. Viel effizienter sei es, wenn sich ein Träger auf die Beratung spezialisiert. „Die fachliche Qualifikation ist besser, die Vertretung bei Urlaub und in Krankheitsfällen leichter“, erklärt Scheer.

Insgesamt investieren Land und Kreis derzeit knapp zwei Millionen Euro järhlich in die soziale Beratungslandschaft in Vorpommern-Greifswald. Klar ist, dass das zur Verfügung stehende Geld mittelfristig sinken wird. Allein bis 2020 könnten die Gelder um 200000 Euro reduziert werden. „Wir müssen die Mittel besser einsetzen“, sagt Scheer. Die Beratungsangebote sind ihm extrem wichtig. „Je besser unsere Präventivangebote sind, desto eher können wir teure Folgekosten vermeiden“, sagt Scheer. „Es geht darum, frühzeitig intelligente Lösungen zu finden, um beispielsweise eine Heimunterbringung zu vermeiden“, verdeutlicht der Sozialdezernent. Was aus seiner Sicht schlüssig und sinnvoll klingt, gilt bei den Wohlfahrtsverbänden als heikles Thema. Befürchtet wird offenbar, dass die neue Struktur mit einem Stellenabbau einhergehen könnte. „Eine gleichmäßige flächendeckende Beratungslandschaft ist grundsätzlich zu begrüßen“, sagt Burghardt Siperko, Regionalleiter der Caritas in Vorpommern. Ihm ist wichtig, dass die Träger in die Neustrukturierung einbezogen werden und aktuellen Beratungshäuser, bestehende Mietverträge oder gekaufte Objekte, bedacht werden.

Scheer schwebt vor, Beratungszentren in den Städten Greifswald, Wolgast, Anklam und Pasewalk anzusiedeln. „Es sind auch zwei oder drei Häuser denkbar. Für die Betroffenen ist es am besten, wenn es die Beratungsangebote konzentriert an einem Ort gibt“, sagt Scheer. Außerdem plant er mobile Sprechstunden in kleineren Orten. „Wir müssen den ausgedünnten Nahverkehr bedenken. Nicht jeder, der in Not ist, kann in eine der vier Städte fahren“, sagt Scheer.

Die Herausforderungen stellte Scheer den Mitgliedern des Kreistages bereits vor. CDU-Fraktionschef Kai Krohn zeigte sich verwundert, dass das Konzept für die neue Struktur nicht längst vorliegt. Um den Druck zu erhöhen, forderte seine Fraktion, dass der Beschluss mit einem Abgabedatum versehen wird. Das Anliegen fand bei der Mehrheit des Kreistages Zustimmung. Das zu erarbeitende Konzept soll demnach bis Januar 2017 vorliegen. Mit der Umsetzung soll ein Jahr später begonnen werden.

Katharina Degrassi

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