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Grimmen Niebuhrs sammeln Dorower Geschichte
Vorpommern Grimmen Niebuhrs sammeln Dorower Geschichte
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00:01 10.02.2018
Wir heben alles auf: Siegmund und Sabine Niebuhr sammeln Zeitungsausschnitte, Fotos und Kopien von Dokumenten über Dorow, Nehringen und Keffenbrink in Ordnern und Alben. Quelle: Foto: Peter Franke
Dorow

„Ich hatte eine schöne Kindheit hier“, sagt Siegmund Niebuhr. Sein ganzes Leben lang wohnt der 59-Jährige schon in Dorow, ist also sozusagen Ureinwohner. Seine Frau kam vor 34 Jahren in den Ort. „Wir haben uns über eine Annonce kennengelernt, die am 6. Dezember 1983 in der OSTSEE-ZEITUNG erschien“, verrät Sabine Niebuhr. Die heute 56-Jährige hat in ihrem Leben drei Facharbeiter-Ausbildungen absolviert: in der Elastverarbeitung, als Köchin und für die Landwirtschaft – zuletzt war sie in der Grammendorfer Genossenschaft (LPG) in Nehringen tätig: „Beim Arbeitsamt sagte man mir nach der Wende: ’Sie sind überqualifiziert. Wir können Sie nicht brauchen’.“ Siegmund Niebuhr lernte Landmaschinenschlosser in Appelshof, arbeitete dann auch in der Grammendorfer LPG. „Ich habe Mähdrescher vom Typ E 512 instand gesetzt – die waren ganz passabel“, berichtet Niebuhr. Später habe er sich auch um Traktoren gekümmert. Ab 2001 arbeitete Siegmund Niebuhr als selbstständiger Landwirt – war später aber wieder angestellt, im Unternehmen von Heinz-Wilhelm Rohlfing.

Seit ein paar Jahren sind die Niebuhrs im Ruhestand. Aus Gesundheitsgründen, ist zu erfahren. Langeweile ist für die beiden Dorower ein Fremdwort. Im Sommer gibt es genügend im Garten zu tun. „Wir haben viel Obst und Gemüse“, erzählt Sabine Niebuhr. Was fehlt, hat meistens Nachbar Olaf Schnelle: „Wir tauschen uns bei ihm gern mal Rote Bete oder Fenchel ein“, berichtet die Frau des Hauses.

Niebuhrs beteiligen sich seit 2012 alljährlich an der Aktion „Offene Gärten in MV“. Sohn Jens, Meister für Garten- und Landschaftsbau, bringt dafür sein ganzes Können in den elterlichen Garten ein.

Auf dem Niebuhr-Hof gibt es natürlich auch Tiere. „Enten, Hühner, Kaninchen und unser Hund Charly“, zählt Siegmund Niebuhr auf. Außerhalb der Gartensaison ergreift das Ehepaar die Gelegenheit, mit dem Auto Neues in der Gegend zu erkunden. „Dann haben wir die Zeit, uns was anzugucken“, sagt Niebuhr.

Sabine Niebuhr nutzt die Wintermonate für ihr Handarbeits-Geschick, denn die Nachfrage ist groß. „Zu Weihnachten habe ich 26 Paar Socken gestrickt“, erzählt sie lächelnd. Beide sind zudem ehrenamtlich in der Gemeinde tätig, für die Bürgerinitiative Pro Grammendof. Bei Aktionen und Veranstaltungen bringen sie sich ein. Siegmund Niebuhr engagiert sich außerdem in der Feuerwehr.

Eine große Leidenschaft haben beide gemeinsam: Sie sammeln Material, das in irgendeiner Form die Geschichte von Dorow, Nehringen oder Keffenbrink dokumentiert. „Wir heben alles auf“, sagt Siegmund Niebuhr. Zeitungsausschnitte, Fotos, Kopien von Dokumenten... „Ich habe damals auch an der Chronik der Gemeinde Grammendorf mitgearbeitet, die Angelika Schulz dann vollendet hat“, berichtet Sabine Niebuhr. Ein bisschen stolz sind beide auf ein kleines Büchlein, das sich seit Jahrzehnten im Besitz der Familie befindet. Dort sind handschriftlich die Namen aller Dorower verzeichnet, die im Jahr 1952 im Dorf lebten, inklusive Geburtsdaten. Auch Wilhelm Niebuhr, Siegmunds Großvater, geboren am 31. Juli 1892, ist dort schriftlich verewigt.

Im Dorf sei es „nach der Wende“ ruhiger geworden, ist zu erfahren. „Früher gab es hier einen Konsum. Und die alte Baracke, die es nicht mehr gibt, war Eier-Annahmestelle, in der auch Tanzveranstaltungen stattfanden“, denkt Sabine Niebuhr zurück: „An der Bushaltestelle standen damals manchmal zehn Kinder, heute gibt es nur noch fünf Kinder im Dorf.“ Auch wenn man sich heute gern gegenseitig helfe: Früher, erinnern sich die Niebuhrs, habe es doch mehr Zusammenhalt gegeben im ganzen Ort.

Peter Franke

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