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Nord-Stream-Streit: Backhaus geht auf Bauern zu

Putbus Nord-Stream-Streit: Backhaus geht auf Bauern zu

Hochwertige Äcker sollen nicht als Ausgleich für Gas-Pipeline renaturiert werden

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Kämpfen auf Rügen darum, dass hochwertige Äcker als Umweltausgleich für die zweite Ostsee-Pipeline nicht renaturiert werden: Anne Herrmann, Philipp und Varlerie Riedesel, Johann Tophoff-Kaupp, Jürgen Paasch, Evelin Schittko und Ulrich Prehl (v.l.).

Quelle: Foto: Uwe Driest

Putbus. Freundlich im Ton, hart in der Sache: Agrarminister Till Backhaus (SPD) hat die Pipelinebauer Nord Stream 2 aufgefordert, Alternativen zum umstrittenen Umweltausgleich auf der Insel Rügen zu prüfen. Bei einem Krisentreffen mit Rügener Landwirten und Vertretern der Gazprom-Tochter schlug Backhaus am Dienstagabend eine Bresche für die Bauern.

„Landwirtschaftliche Nutzflächen mit Bodenwertzahlen über 50 werden nicht aus der Produktion genommen.“

Backhaus brachte die Renaturierung des Polders Bargischow (Vorpommern-Greifswald) ins Spiel wie auch die Erweiterung der Klärwerke in Bergen und Göhren um eine vierte Klärstufe. Zudem solle Nord Stream 2 die Liste von Landrat Ralf Drescher (CDU) mit Alternativvorschlägen prüfen (siehe Beitrag rechts). Zuvor hatten sich der Kreistag von Vorpommern-Rügen wie auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU), zu deren Wahlkreis die Insel Rügen gehört, für die Landwirte stark gemacht. Dennoch einigten sich Nord Stream 2 und die Rügener Landwirte, die die Umwandlung von mehreren hundert Hektar Ackerland in extensives Grünland befürchten, endlich Gespräche über mögliche Renaturierungen zu führen. Bislang herrschte zwischen den Streitparteien Funkstille.

„Wir suchen weiter nach Lösungen“, sagte Nord Stream 2-Umweltmanager Jan Kube. Eine Möglichkeit, den Konflikt beizulegen, wäre ein Flächentausch. Auch gebe es Ackerflächen mit geringeren Bodenwertzahlen. Speziell dort solle nun in Kooperation mit den Bauern nach Lösungen gesucht werden. Nord Stream 2-Sprecher Steffen Ebert entschuldigte sich bei dem Treffen für die schleppende Information der Bauern. „Es tut uns sehr leid, dass das Dialogverfahren so spät gestartet ist.“

Ob die Gespräche mit den Bauern Erfolg bringen, ist fraglich. „Unsere Position ist unverändert, dass wir kein wertvolles Ackerland auf der Insel Rügen aus der Produktion nehmen wollen“, sagte Landwirt Maik Zielian aus Poseritz. Noch bis 31. Mai können die Bauern und andere Stellungnahmen beim Bergamt oder dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie abgegeben werden.Die Auslegung der Nord Stream 2-Unterlagen endete gestern. Die von Backhaus angeregten Alternativen spielen in dieser Phase des Genehmigungsverfahrens keine Rolle, sie können frühestens im Rahmen der Erörterung diskutiert werden. Nach Angaben des Bergamtes Stralsund ist im Juli mit den öffentlichen Anhörungen zu rechnen.

Nord Stream 2 hatte bislang andere Kompensationsmaßnahmen ausgeschlossen, will aber nun alternative Vorhaben prüfen. Befürchtungen, dass sich das Genehmigungsverfahren und der geplante Baubeginn für die Pipeline verzögern könnten, hat das Unternehmen aber offenbar nicht. „Die Prüfung von Alternativen ist nicht ungewöhnlich, sondern Tagesgeschäft“, so Kube.

Nord Stream 2 erhielt auf Rügen für seine Renaturierungspläne auch Zuspruch. Anwohner der betroffenen Regionen im Südosten der Insel befürworten das umstrittene Projekt. „Die Nord Stream-Maßnahme ist eine riesige Chance für das Biosphärenreservat und würde das Gebiet touristisch aufwerten“, sagte Michael Hübner, Mitglied des Gemeindekirchenrates Kasnevitz. In einer Stellungnahme an das Bergamt fordern die Befürworter, die Maßnahme auf den 77 Hektar großen Wreecher See auszuweiten. Auch Nord Stream 2 berichtet von Erfolgen. Von den 400 angeschriebenen Grundstückseigentümern auf Rügen hätte die Hälfte auf die Pläne reagiert, ein Viertel positiv.

Vorschlag: Stralsunder Teiche statt Rügener Äcker

In der Debatte um die umstrittenen Umweltpläne der Gazprom-Tochter Nord Stream 2 für die Verlegung einer zweiten Ostsee-Pipeline plädieren Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow und der Landrat von Vorpommern-Rügen, Ralf Drescher (beide CDU), anstelle der Umwidmung großer Ackerflächen auf Rügen für ökologische Ersatzmaßnahmen in der Region.

Laut Badrow sei in Stralsund vor allem die Sanierung der Stadtteiche sinnvoll, um den Eingriff, den Nord Stream mit der Verlegung der Pipeline durch den Greifswalder Bodden plant, ökologisch auszugleichen. Badrow: „Wird im Wasser gebaut, sollte der Umweltausgleich auch im Wasser erfolgen. Die Teiche sind ein wichtiger Naturraum mitten im Zentrum – mit Zufluss in den Strelasund und damit in die Ostsee.“ Bei der Auswahl der Möglichkeiten, die als Kompensation für den Umwelteingriff durch den Pipeline-Bau infrage kommen, geben Umweltschützer, Nord Stream und Behörden Varianten den Vorzug, von denen der Greifswalder Bodden direkt profitiert. Dafür bekommt Nord Stream die meisten Ökopunkte, zudem sinkt dabei das Risiko, dass Umweltverbände erfolgreich gegen Ersatzmaßnahmen, die die ökologische Situation des Boddens nach dem Pipeline-Bau nicht verbessern, klagen könnten.

Bislang favorisiert Nord Stream den Plan, Äcker auf Rügen auf eine extensive Landwirtschaft umzustellen und so den Eintrag von Stickstoff und Pestiziden in den Bodden zu verringern. Dagegen wehren sich viele Bauern, weil sie dafür Felder in Größenordnungen an das deutsch-russische Pipeline-Konsortium abtreten sollen (die OZ berichtete). Landrat Drescher hat eine Liste mit sieben möglichen Maßnahmen für den Umweltausgleich im Kreis Vorpommern-Rügen vorgelegt. Demnach könnten die Fischlandwiesen, das Schwinkelsmoor nördlich von Wiek, das Flusstalmoor der Blinden Trebel zwischen Franzburg und Tribsees, Flächen an der Barthe zwischen dem Borgwallsee und der B 105, mehrere Polder im Gebiet der Darß-Zingster Boddenkette, auf Westrügen sowie in der Nähe von Bad Sülze renaturiert werden. Drescher: "Wir haben Kompensationsflächen und Maßnahmen für die Gegenwart und die Zukunft, ohne Ackerflächen zu verbrauchen.“ Nord Stream habe aber an den Vorschlägen für Alternativen bislang kein Interesse gezeigt.

Baubeginn im nächsten Jahr

Für den Bau der zweiten Ostsee-Pipeline plant Nord Stream 2 fünf große Umweltmaßnahmen, davon vier auf der Insel Rügen. In einem Suchraum von 3000 Hektar sollen etwa 1000 Hektar Land, darunter auch wertvolles Ackerland, in Grünland umgewandelt, renaturiert oder teilvernässt werden. Mit der Maßnahme soll der Nährstoff- und Pestizideintrag in den Greifswalder Bodden deutlich gesenkt werden. 2018 soll der Bau der Pipeline beginnen. Ende 2019 sollen jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas nach Deutschland transportiert werden.

Benjamin Fischer Martina Rathke

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