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2300 Väter zahlen keinen Cent Unterhalt

Stralsund 2300 Väter zahlen keinen Cent Unterhalt

Der Kreis Vorpommern-Rügen muss einspringen und bleibt jährlich auf fast 300000 Euro sitzen

Stralsund. . Das summiert sich gewaltig: Jedes Jahr bleibt der Landkreis Vorpommern-Rügen auf fast 300000 Euro Unterhaltsvorschuss sitzen, weil die Väter – und manchmal auch die Mütter – keinen Cent für ihre Kinder zahlen. In Vorpommern-Rügen sind in diesem Jahr 2308 Mädchen und Jungen davon betroffen. Für 2017 rechnet die Kreisverwaltung mit knapp 2200 betroffenen Kindern, so steht es im Haushaltsplan, der am Montagabend den Kreis-Jugendhilfeausschuss passierte.

14000 Kinder im Kreis besuchen eine Kita

„Das Problem ist, dass viele Väter irgendwo untergetaucht sind.“Olaf Manzke, Sprecher Landkreis

Für diese Kinder springt der Landkreis mit einer Vorauszahlung ein – und versucht dann, das Geld wieder einzutreiben. Allerdings mit wenig Erfolg, obwohl die Väter per Gesetz verpflichtet sind, den Vorschuss zurückzuzahlen. Gibt man etwa pro Jahr in unserem Landkreis 350000 Euro aus, fließen nur rund 70000 wieder zurück in die Kreiskasse. Der Rest – im Haushalt als Zuschuss abgebucht – treibt die Ausgaben des Kreises in die Höhe. Mit dem Problem steht Vorpommern-Rügen natürlich nicht alleine da. Bundesweit zahlen hunderttausende Väter keinen Unterhalt. Die Hälfte der Alleinerziehenden sehen keinen Cent, nur ein kleiner Teil bekommt mal sporadisch ein paar Euro. Damit die Situation nicht eskaliert, gibt es seit fast 40 Jahren den Unterhaltsvorschuss. 840

Millionen Euro kommen da in Deutschland jährlich zusammen – das ist die wichtige und richtige Unterstützung für rund 500000 Töchter und Söhne. Für Kinder bis zum sechsten Lebensjahr sind es 145 Euro pro Monat. 194 Euro steht dem Nachwuchs bis 12 zu. Bitter: Nur ein Fünftel der verauslagten Summe können sich die Jugendämter zurückholen. Da findet man Vorpommern-Rügen genau im Bundestrend.

Natürlich liegt den Kreisen diese Summe schwer im Magen. „Wir versuchen schon, uns das Geld von den Vätern zu holen, stehen deshalb mit Arbeitgebern und Jobcentern in Kontakt. Manchmal ändert sich ja auch die finanzielle Situation eines Vaters, weil er Arbeit kriegt und dann auch seiner Verpflichtung nachkommen möchte“, sagt Olaf Manzke. Der Pressesprecher des Landkreiser verschweigt nicht den zweiten Teil der bitteren Wahrheit: Es gibt Väter, die sind einfach wie vom Erdboden verschluckt, irgendwo in Europa untergetaucht. Da wird es schwer, erfolgreich Unterhalt einzufordern.“

Das Jugendamt Aurich (Ostfriesland) geht da einen neuen Weg: Wie der „Stern“ jetzt berichtete, hat man dort so gennante Detektive angestellt, die die Väter suchen – und immer öfter auch finden. Mit fast schon kriminalistischem Geschick spüren sie die Säumigen auf. Neun Mitarbeiter kümmern sich darum – und können immerhin 41 Prozent, also doppelt so viele Rückzahlungen reinholen wie bundesweit üblich. Wäre es für Vorpommern-Rügen eine Option, sich mit so einem Modell zu beschäftigen?

„Wir haben darüber noch nicht nachgedacht. Ist aber ein interessanter Gedanke“, sagte Manzke gestern auf OZ-Anfrage und ergänzt: „Im Landesdurchschnitt stehen wir aber ganz gut da mit der Rückholquote. Denn wir legen die Fälle nicht zu den Akten, sondern bleiben da immer dran.“

13685 Mädchen und Jungen im Landkreis besuchen eine Kita, 680 werden in der Tagespflege betreut.

164 Kitas gibt es in Vorpommern-Rügen. Außerdem betreuen 161 Tagesmütter und -väter die Kleinen im Alter von 0 bis drei Jahren.

Auffallend: Die Zahl der Kitas steigt, die der Tagespflegestellen sinkt. Kümmerten sich 2014/15 noch 212 Tageseltern um die Knirpse, waren es zu Beginn des Jahres noch 195. Nun sind es 161. Folgerichtig sank auch die Zahl der dort betreuten Lütten von 723 auf 680.

2127 Kleinkinder besuchen die Krippe, das sind 77 mehr als 2015. Im Kindergarten stieg die Zahl von 6363 Mädchen und Jungen auf 6533 an.

Enorme Steigerungen gibt es im Hortbereich. Wurden hier 2014 noch 4551 Mädchen und Jungen betreut, waren es ein Jahr später 4812 Kinder. In diesem Jahr besuchen 5025 Schulkinder so eine Einrichtung.

Ines Sommer

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