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Nordvorpommern Camping im Stelzenhaus oder in der Wohntonne
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00:00 20.07.2016

Die Boddengemeinde hat ihre Hausaufgaben gemacht – der Bebauungsplan für Groß Kordshagen aus dem Jahr 1992 wurde so geändert, dass er auf die Bedürfnisse des neuen Campingplatz-Betreibers zugeschnitten ist. „Von uns aus kann es losgehen“, sagt Bürgermeister Jörg Zimmermann (parteilos).

Aus dem bisherigen Campingplatz, der nach dem Verkauf des alten an den neuen Eigentümer bislang geschlossen ist, wollen die neuen Betreiber einen vielseitigen Camping-Park gestalten. Da soll ein zweigeschossiges Gebäude mit Betreiberwohnung über Shop und Rezeption entstehen, Grünfläche mit Wellnessbereich und Naturteich, Restaurant, Sauna, Zeltwiese, Spielplatz und Hundeauslauf.

Traditionelle Stellplätze für Wohnwagen, aber auch neue Stellmöglichkeiten in geschwungenen Bahnen, Platz für Wohnmobile, großzügige Familienzelte, so genannte Wohntonnen und kleine Ferienhütten zum Mieten sollen das Angebot ergänzen. Unterstände für Radler oder Kranichnester auf Stelzen mit Glasfront zu den Feldern der Umgebung und bester Aussicht stehen ebenfalls im Plan. Selbst an ein öffentliches Schwimmbad haben die Investoren aus Südtirol gedacht. Dazu muss der bisherige Campingplatz mit einer Fläche von rund einem Hektar natürlich vergrößert wurden. 4,7 Hektar umfasst das Areal, das jetzt bebaut werden soll.

Eigentümerin des Grundstückes ist die Mutter des 25-jährigen Investors Raphael Palaoro. Er hat nach dem Abitur zwei Jahre Tourismus- und Hotelmanagement studiert, und seine Freundin Martina Thurner ist Servicefachkraft. Schon während der Ausbildung entwickelten die Südtiroler ihren Traum-Campingplatz, suchten geeignete Objekte in Europas schönsten Urlaubsregionen. Gelandet sind sie an der Boddenküste von Groß Kordshagen. Der Investor rechnet mit drei Bauabschnitten. Zunächst sollen die Rezeption und etwa 100 der insgesamt neu geplanten 220 Stellplätze entstehen. Zwei bis drei Millionen Euro sollen investiert werden.

Inzwischen ist das junge Paar nach Barth gezogen. Schon mehrfach nahmen Raphael Palaoro und Martina Thurner an den Gemeindevertretersitzungen in Groß Kordshagen teil, um die Abgeordneten von ihren Visionen zu begeistern. Das ist insofern gelungen, dass die Kommune die B-Plan-Änderung angeschoben und inzwischen abgehakt hat. „Wir haben in der Sitzung letzte Woche die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange geprüft. Große Einwände gab es da nicht“, so Bürgermeister Jörg Zimmermann gegenüber der OZ. Er rechnet aber nicht vor 2017 mit einem Baubeginn...

„Die Gemeinde Groß Kordshagen hat keinen Flächennutzungsplan. Also muss der Bebauungsplan von 1992 mit den jetzigen Änderungen vom Kreis genehmigt werden. Das kann bis zu einem Vierteljahr dauern.

Liegt das Okay vor, kann der Investor seine Bauanträge stellen. Außerdem will er auch Fördermittel beantragen“, erklärt Gabriele Eckardt vom zuständigen Bauamt in Niepars den Verfahrensweg.

Zwischenzeitlich hatte die Stromversorgung des Campingplatzes für Aufregung gesorgt. Im April stellte sich heraus: Das Gelände ist nicht – wie erwartet – voll erschlossen. Der übersichtliche Bedarf bisher sei einem Verlängerungskabel entnommen worden, Strom liege nur bis zum letzten festen Gebäude an, hieß es in der damaligen Sitzung.

„Wir sind für diese böse Überraschung nicht verantwortlich, denn Herr Palaoro hat das Grundstück nicht von der Gemeinde, sondern von einem privaten Vorbesitzer gekauft. Das ist eine Sache zwischen diesen beiden Vertragspartnern. Unsere Aufgabe ist es, für die Planung zu sorgen“, betont Jörg Zimmermann und geht davon aus, dass der neue Investor die vollständige Erschließung übernimmt. „Außerdem haben wir dem Vorhaben nur unter der Bedingung zugestimmt, dass der Gemeinde Groß Kordshagen keine Kosten entstehen.“

Campingplatz zurzeit geschlossen

1995 wurde der Campingplatz Groß Kordshagen eingeweiht. Betreiber war immer die Gemeinde. Besonders Manfred Zitzow, inzwischen 80 Jahre alt, engagierte sich dort als „Mädchen für alles“.

4,7 Hektar groß ist die Fläche, von der die Gemeinde immer nur rund einen Hektar genutzt hat.

Zurzeit ist der Campingplatz geschlossen, weil der neue Betreiber keine Übergangslösung möchte, sondern mit seinem Konzept einen Neustart wagen will. In den vergangenen Jahren hatten über 30 Interessenten im Amt angeklopft. Mit dem Südtiroler verhandelt man seit 2014.

220 Stellplätze sollen laut Konzept neu entstehen. Die Gemeinde stimmte der neuen Planung zu – allerdings dürfen der Kommune, die kein Geld hat, keine Kosten entstehen.

Traurig ist Bürgermeister Jörg Zimmermann darüber, dass die „schönen blühenden Hecken schon weggenommen wurden“. iso

Ines Sommer

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