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Familienanschluss für Omi und Opi

Tribsees Familienanschluss für Omi und Opi

Hilfebedürftige ältere Personen sollen neues Heim in Privathaushalten finden.

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Rund 30 Vertreter von Pflegediensten, Diakonie, DRK und Arbeiterwohlfahrt trafen sich in Tribsees, um über das neue Projekt zu beraten.

Tribsees. „Dies ist kein Gegenkonzept zu Pflegeheimen“, betonte Horst Weipert von der Sozialakademie Potsdam ausdrücklich, als er jetzt ein Modellprojekt zur Pflege älterer, hilfebedürftiger Menschen vor zahlreichen Vertretern von Pflegediensten, der Diakonie, dem DRK und der Arbeiterwohlfahrt vorstellte. Letztere hatte dazu ins Tribseeser Rathaus eingeladen.

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Rund 30 Vertreter von Pflegediensten, Diakonie, DRK und Arbeiterwohlfahrt trafen sich in Tribsees, um über das neue Projekt zu beraten.

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Im Grunde geht es bei „Leben mit Familienanschluss“ — so der Projekttitel — darum, Familien zu ermutigen, pflegebedürftige Personen bei sich aufzunehmen. Nicht für Wochen oder Monate, sondern für immer. Wie das funktionieren soll, welche rechtlichen Dinge dabei zu beachten sind und auch welche Vergütungen es dafür gibt, über all das informierte Weipert und stellte sich anschließend den zahlreichen Fragen.

Eine Gastfamilie, klärte der Referent auf, müsse mindestens aus zwei Personen bestehen, sollte eine Wohnung oder ein Haus besitzen, in dem der aufzunehmenden Person ein separater Raum, einschließlich Sanitärzelle, zur Verfügung steht. Der neue Mitbewohner muss mindestens die Pflegestufe 1 haben. Erwartet wird von der Gastfamilie, dass sie die Person in ihr Familienleben bestmöglich integriert.

Ebenfalls muss sie sie versorgen. Als Vergütung sollen dafür rund 1000 Euro im Monat gezahlt werden.

Weipert meinte, dass dieses Geld steuerrechtlich nicht als Einkommen gilt, weil man die Kosten für die Unterkunft, Verpflegung und Betreuung gegenrechnen kann. Er betonte ebenfalls, dass die grundpflegerische Versorgung weiterhin über den Pflegedienst erfolgen muss.

Das Pilotprojekt, das es an sechs ostdeutschen Standorten gibt , wurde von der Sozialakademie der Arbeiterwohlfahrt initiiert und vom Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen GKV mit einer halben Million Euro gefördert. Ausprobiert wurde eine solche Form der Pflege bereits in Frankreich. Dort seien gute Erfahrungen gemacht worden, erzählte Weipert.

Christiane Geisler, Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt Soziale Dienste in Stralsund ist sich nicht sicher, ob das Projekt auch bei uns so gut funktionieren wird. Spannend findet sie es aber allemal und wichtig ohnehin, zumal gerade im ländlichen Raum viele allein lebende, pflegebedürftige Menschen wohnen. Regelrecht begeistert zeigte sich Carmen Schröter, Beigeordnete für Soziales im Landkreis Vorpommern-Rügen.

Es sei ein Weg, der endlich wieder fürs Miteinander steht, betonte sie in Tribsees. Zunehmend trete schon heute Entfremdung und Vereinsamung im Alter auf. Dem wirke das Projekt entgegen, so die Kommunalpolitikerin. Sie unterstützt es aus aus vollem Herzen.

Diese Euphorie war noch nicht bei allen Teilnehmern der Beratung in Tribsees zu spüren, zumal derzeit nicht alle juristischen Einzelheiten vollständig geklärt zu sein scheinen. So gibt es beispielsweise noch keine eindeutige Antwort auf die Frage, ob auch Hartz-IV—Familien Pflegebedürftige aufnehmen können. Tribsees Bürgermeister Thomas Molkentin (CDU) warnte, dass Gastfamilien Ersatz für die qualitative Pflege werden könnten. Ansätze des Gastfamilienwesens gebe es bereits in vielfältiger Weise bei der Nachbarschaftspflege, sagte er. Der monetare Aspekt könnte aber eine wichtige Rolle spielen, meinte er.

Weitere Auskünfte: Awo Soziale Dienste Vorpommern, Kütertor 4, Stralsund, ☎ 03831/30 97 0

 

Reinhard Amler

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