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Nordvorpommern Fischer sehen kaum noch eine Zukunft
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00:05 16.06.2017
Jörg Perschke (Mitte) gehört mit seinen Kollegen Fred Krehl (r.) und Norbert Tiede noch zum Team der Stahlbroder Fischer. Fünf sind es noch von einst 28. Quelle: Foto: Reinhard Amler

Bernd Schütze, Chef der Stahlbroder Fischereigenossenschaft spricht von einer Sch..... Stimmung unter seinen Kollegen. „Wie würden sie reagieren, wenn man ihnen eine 40-prozentige Gehaltskürzung androht“, dreht er die ihm gestellte Frage einfach um. Denn die für die Fischer vor einigen Tagen angedrohte 40-prozentige Kürzung der Heringsquoten, bedeutet nichts anderes als einen solch großen Einkommensverlust, verdeutlicht der Fischereichef.

Der Hering ist unser Brotfisch. Davon leben wir nunmal. Bernd Schütze, Chef der Fischereigenossenschaft, Stahlbrode

„Der Hering ist unser Brotfisch“, bekräftigt Schütze. Und er fügt mit einigem Nachdruck hinzu: „Davon leben wir hier“. Wenn die Quote tatsächlich um 40 Prozent gekürzt wird, bedeutet es das Aus für die Fischerei, ist er überzeugt. Es sei denn, es gibt noch ein Einlenken seitens der Politik, betont Bernd Schütze. Damit meint er Ausgleichszahlungen, wie sie zum Beispiel in der Landwirtschaft gezahlt werden. Aber die müssten unbürokratisch erfolgen und nicht an komplizierte Auflagen geknüpft sein, ergänzt er.

Die jetzt von Wissenschaftlern des Rostocker Thünen-Instituts ins Spiel gebrachte Herabsenkung der Heringsquote folgt der bereits drastischen Senkung der Dorschquote. „Wir dürfen derzeit nur noch 400 Kilogramm Dorsch pro Kutter fischen“, erläutert Schütze die Situation. Es lohne sich nicht mehr, weil allein die Abnahme eines Kutters durch die Berufsgenossenschaft 300 Euro kostet. Bei derzeit gezahlten 1,30 Euro je Kilo haben wir fürs Rausfahren mehr Kosten als uns der verkauf einbringt, rechnet Schütze vor. Dorsch lohne sich deshalb nur noch als Beifang.

„Es sind keine leichten Zeiten für die Fischer in Mecklenburg-Vorpommern“, meint er. Denn neben den abgesenkten Quoten, gibt es noch weitere Probleme, mit denen sich die Fischer nicht nur in Stahlbrode herumplagen müssen.

„Die Heringssaison 2017 war schlecht“, sagt Schütze. „Wir haben 20 000 Tonnen weniger gefangen als sonst. “ Er führt das auf den Wind im Frühjahr und damit einhergehende Strömungen zurück. Außerdem machen den Fischern zunehmend Kegelrobben zu schaffen, die sich auch schon mal bis in den Stahlbroder Hafen vorwagen. Und dann sei da noch das Problem mit der Zertifizierung, meint Schütze. Seit nunmehr zwei Jahren läuft das teure Verfahren, welches allerdings der Fischereiverband bezahlt. Künftig soll Ostseefisch nur noch mit dem MSC-Siegel vermarktungsfähig sein. Sollte die Quotenregelung kommen, sagt er, würde das auch Einfluss auf die Erteilung des Siegels haben, meint Schütze und fügt hinzu. „Ohne Siegel sind wir ohnehin am Ende.“

Hat die Fischerei in Stahlbrode also noch eine Zukunft? Schütze winkt ab. Von einst 28 Männern zusammen mit Gristow sind im einstigen Fischerdorf noch fünf übrig geblieben. Alle seien über 50. Zum Teil weit drüber. Nachwuchs gibt es keinen. „Wie soll ich jungen Leuten den Beruf auch schmackhaft machen“, sagt der Genossenschaftsschef. Es klingt resignierend.

Warum soll die Heringsquote gesenkt werden?

Ursache sei zum einen die schlechte Nachwuchsproduktion des Bestandes, die seit 2004 auf niedrigem Niveau liege und sich in den vergangenen drei Jahren weiter reduziert habe, so Christopher Zimmermann, Direktor das Thünen-Institut für Ostseefischerei.

Weiterer Grund sei, dass die Ergebnisse der statistischen Modellberechnungen rückwirkend geändert wurden, weil auch die Zahlen der ein- und zweijährigen Heringe rückläufig waren.

Die Quoten für den Hering werden im Oktober vom EU-Ministerrat beschlossen.

Reinhard Amler

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