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Fischzüchters Kampf gegen den Amtsschimmel

Rekentin Fischzüchters Kampf gegen den Amtsschimmel

Rene Wedell hätte für seine Aquakultur gerne Förderung erhalten, wurde aber nur mit Forderungen konfrontiert

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Welsfilets in der Kühltruhe – frisch geschlachtet, filetiert und eingefroren. Rene Wedell steht vor dem Ergebnis von vier Wochen harter Arbeit.

Rekentin. Gut 1,5 Tonnen Wels hat Rene Wedell in vier Wochen geschlachtet, Fische filetiert und eingefroren. Dann war der Urlaub des 50-Jährigen zu Ende. Der Planungsingenieur pendelt zwischen seinem Wohnort in Rekentin und seinem Broterwerb in einer Raffinerie in Schleswig-Holstein. Die Welse sollten für den gebürtigen Stralsunder das Sprungbrett werden, wieder da zu arbeiten, wo seine Familie lebt – in der Heimat.

OZ-Bild

Rene Wedell hätte für seine Aquakultur gerne Förderung erhalten, wurde aber nur mit Forderungen konfrontiert

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„Was macht man mit einem Gehöft und zwei Hektar Land?“ Für Wedell war klar, zwei Hektar am Dorfrand von Rekentin sind zu wenig, um von Landwirtschaft zu leben. Aber vielleicht ließe sich etwas mit Fischzucht in Aquakultur machen. Schließlich hatte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) bei verschiedenen Gelegenheiten öffentlich erklärt, dass Aquakulturen im Land ein großes Potenzial haben und Unternehmensgründungen in dieser Branche gezielt gefördert werden sollten.

Entsprechend optimistisch ging Rene Wedell ans Werk, seinen Traum von der Zucht afrikanischer Welse zu verwirklichen. Er ließ 2013 ein Projekt erstellen und beantragte Fördermittel. „Ich habe den Landwirtschaftsminister ernst genommen“, sagt er. Doch der Weg zu den Fördermitteln erwies sich als Sackgasse. „Nach 17 Monaten und vier ständig verbesserten Projekten kam die Absage“, blickt Wedell zurück.

Er hatte den Eindruck gewonnen, dass man ihn und sein Projekt nicht wollte. Während andere Betriebe bereits produzierender Aquakulturen offenbar problemlos Förderungen etwa für Solarspiegel oder Strohfeueranlagen bekamen, wurde Wedell mit Auflagen überhäuft. „Das fing mit Zweifeln an unserer geplanten Anlage an. Wir sollten Referenzobjekte nachweisen, reisten dafür quer durch Deutschland.

Für jede Projektverbesserung wurden immer wieder neue Forderungen aufgemacht“, so der Fischzuchtenthusiast.

Inzwischen hatte er schon zu viel eigenes Geld in seine Landwirtschaftliche Aquakultur Wedell (LAW) gesteckt, um noch aufgeben zu können. Als der Darlehensvertrag für den Bau der Produktionshalle bereitgestellt wurde, musste Rene Wedell anfangen, wollte er nicht permanent Bereitstellungszinsen bezahlen.

Ins letzte Projekt hatte er viele eigene Ideen einfließen lassen. Sein Wissen als Ingenieur half dem Tüftler dabei. „Mein Anspruch ist ein umweltneutrales Kreislaufsystem für die Fischzucht“, sagt er. Seit 2015 produziert er pro Besatz etwa drei Tonnen Wels ohne Umweltbelastung. Er hat seinen Betrieb erfolgreich zertifizieren lassen.

Laut Wedell hat sich die LAW einen festen Kundenstamm erarbeitet. „Ich produziere, verarbeite und verkaufe seit einem Jahr erfolgreich und dennoch ist der Betrieb nicht förderwürdig?“ Um von der Aquakultur Frau und Sohn ernähren zu können, müsste die LAW expandieren. Doch dafür bräuchte Wedell Fördermittel, etwa für ein Blockheizkraftwerk.

Aus dem Landwirtschaftsministerium schickt Sprecherin Eva Klaußner-Ziebarth auf OZ-Nachfrage eine lange Liste von Verfehlungen, die zeigen soll, dass das Vorhaben letztlich abschlägig beschieden werden musste. Darunter: Kostenrechnung nach DIN 276 für das Bauvorhaben fehlte, die Investitionssumme sei anhand der Angaben nicht nachvollziehbar gewesen, der Nachweis der Eigenmittel habe gefehlt, ebenso die Finanzierungsbestätigung...

Der Todesstoß war jedoch, dass durch den vorzeitigen ungenehmigten Vorhabenbeginn eine Förderung nicht mehr möglich gewesen sei. Grundlage: Nr. 1.3 der Verwaltungsvorschriften zu § 44 der Landeshaushaltsordnung MV.

Auf die Frage, wie man Rene Wedell durch den Paragraphendschungel hätte helfen können, kommen Formalien: „Ein Antrag auf die Förderung von Investitionen in die Aquakultur kann nach der im Amtsblatt MV Nr. 35, S. 893 veröffentlichten Richtlinie zur Förderung der Fischerei, Aquakultur und Fischwirtschaft (FischFöRL M-V) für den EMFF (Europäischen Meeres- und Fischereifonds) für die Förderperiode 2014-2022 beim LU gestellt werden.“

Vielleicht hätte Wedell Verwaltungsrecht studieren sollen.

Zeit für eine Chance ohne Bürokratie

Da stellt ein Ingenieur eine funktionierende Aquakultur auf die Beine und damit diese zukunftssicher ist, packt er innovative Ideen dazu. Er hätte zu deren Umsetzung finanzielle Unterstützung gebrauchen können. Doch was Politiker bei öffentlichen Auftritten gerne medienwirksam verkaufen, stellt sich im Alltag der Amtsstuben anders dar. Da zählen nicht Innovationen, sondern Formulare, Formulare, Formulare.

Klar ist, wer Fördermittel verteilen will, braucht Sicherheit, dass die Gelder am Ende Erfolg bringen. Doch müssen auf dem Weg dahin so viele Hürden aufgebaut werden? Wedell ist ein Einzelkämpfer, ohne Lobby im Rücken. Einer, der im Förderdschungel mehr Hilfe hätte gebrauchen können. Statt dessen wird auf ein Amtsblatt verwiesen. Er hat es alleine geschafft. Seit einem Jahr läuft seine Firma technisch so gut, dass sie sogar die Hürden der Zertifizierung genommen hat. Wedells Ideen erweisen sich als trag- und ausbaufähig. Er hat einen kleinen, treuen Kundenstamm. Für die Expansion bräuchte er weitere Hilfe. Vielleicht jetzt ein Anlass für das Landwirtschaftsministerium, sich Wedells Konzept doch etwas genauer, vor allem aber unbürokratischer anzusehen.

Jörg Mattern

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