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Nordvorpommern Für Schüler bleibt oft nur der Stehplatz
Vorpommern Grimmen Nordvorpommern Für Schüler bleibt oft nur der Stehplatz
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00:01 24.02.2017
Auf einzelnen Strecken im Kreis sind die Busse morgens so extrem voll, dass vielen Schülern nur ein Stehplatz bleibt. Quelle: Foto: Claudia Haiplick
Grimmen

Die Integration des Schülerverkehrs in den normalen Linienbusverkehr des Landkreises Vorpommern-Rügen führt offenbar zu höheren Sicherheitsrisiken. Grund ist eine Regelung, derzufolge Kinder auf dem Weg zur Schule oder wieder zurück dann mit einem Stehplatz vorliebnehmen müssen, wenn der Bus nicht ausschließlich für den Schülerverkehr eingesetzt wird, sondern im normalen Liniendienst unterwegs ist. Andernfalls müsste für jeden Schüler ein Sitzplatz zur Verfügung stehen.

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7500 Schüler sind in Vorpommern-Rügen auf einen Bus zur Schule angewiesen. Sie bekommen für das Schuljahr eine Zeitkarte, die vom Landkreis bezahlt wird. Dafür gibt der Kreis jedes Jahr rund 5,5 Millionen Euro aus. Ein System mit extra eingerichteten Schulbussen, sodass die Schüler nicht mit dem Linienbus fahren müssten, wäre teurer.

Hubertus Wegener, der Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen (VVR), geht im Hinblick auf die Sicherheit dennoch nicht von einem allgemein höheren Risiko aus. „Ein Stehplatz ist nicht generell unsicherer als ein Sitzplatz“, betont Wegener. Den Fall, dass ein Schüler, der im Bus steht, sich nach einem starken Bremsmanöver vorne beim Fahrer wiederfindet, habe es bei der VVR bislang nicht gegeben. Lediglich beim scharfen Bremsen kurz nach dem Anfahren könne es zu gefährlichen Situationen kommen, wenn die Kinder, die stehen müssen, sich nicht richtig festhalten. Im vergangenen Jahr sei ein Schüler bei einer Starkbremsung am Kopf verletzt worden. Wegener spricht von „einer Gratwanderung“ zwischen der Sicherheit und dem finanziellen Aufwand.

Das Gesetz erlaubt ausdrücklich die Abwicklung des Schülerverkehrs über den normalen Linienbusbetrieb. Insbesondere seit der Einführung der freien Schulwahl, die dafür sorgt, dass Kinder aus immer unterschiedlicheren Richtungen ihre Schule aufsuchen, habe sich die Nutzung von Linienbussen nach Ansicht der Kreisverwaltung auch aus wirtschaftlichen Gründen bewährt. In Vorpommern-Rügen fahren alle Schüler, wenn sie auf den Bus angewiesen sind, mit einem Linienbus zur Schule. Einen reinen Schulbusverkehr gibt es nicht.

Auf zwei Strecken im Landkreis wird es morgens auf dem Weg zur Schule besonders eng im Bus: Auf der Route von Prohn zur Schule nach Altenpleen sowie der Linie von Parow nach Altenpleen. In beiden Fällen bleibt in den Bussen, die über 50 Sitzplätze verfügen, rund 20 Kindern nur ein Stehplatz. Im Fall der Strecke von Parow nach Altenpleen für immerhin 18 Minuten – oft mit Ranzen, Turnbeutel und im Winter in dicker Kleidung. Von Prohn nach Altenpleen dauert die Fahrt zur Schule elf Minuten. Haben nicht alle Kinder einen Sitzplatz, darf der Busfahrer nicht schneller als mit 60 Kilometern pro Stunde unterwegs sein.

Mehrere Kreispolitiker kritisieren die Praxis, dass für Schüler in Linienbussen einfachere Sicherheitsstandards gelten. „Wir haben eine Fürsorgepflicht und müssen jedem Kind einen Sitzplatz anbieten“, sagt Norbert Benedict (SPD). Thomas Reichbach (CDU) regt an, das Verfahren zu überdenken: „Wenn wir die Sicherheit verstärken wollen, müssen wir zu einem richtigen Schülerverkehr übergehen.“

De facto sind viele Linienbusse morgens als reine Schulbusse unterwegs. Angesichts von Beispielen, die zeigen, dass auf einigen Strecken selbst ein Teil der Schüler nur einen Stehplatz bekommt, wäre für weitere Fahrgäste ohnehin kaum noch Platz vorhanden. Kai Danter (Grüne): „Wenn 80 Prozent der Fahrgäste Schüler sind, ist das in der Sache ein Schülerverkehr.“

Aus Sicht der Verkehrsgesellschaft VVR würden alle gesetzlichen Bestimmungen eingehalten. „Zu meiner Fürsorgepflicht gehört nicht, dass jeder Schüler einen Sitzplatz hat“, hält VVR-Chef Wegener entgegen. Aber er mache „alles, was bezahlt wird“. Im Jahr 2016 hat der Landkreis die Schülerbeförderung in den Linienbussen mit 5,5 Millionen Euro unterstützt.

Benjamin Fischer

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