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Für ein würdevolles Sterben

Richtenberg/Franzburg Für ein würdevolles Sterben

Ambulanter Hospizdienst Richtenberg-Franzburg betreut ehrenamtlich Schwerstkranke, Angehörige und Trauernde

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Anna-Maria Schauseil, Doreen Terner, Sven und Ines Reimer, Monika Tauchert, Hellmut Schauseil, Annett Scharlock und Axel Prüfer (v. l.) stehen für den Erfolg des Hospizdienstes.

Quelle: Ines Sommer

Richtenberg/Franzburg. Wenn der Mensch stirbt, ist er noch am Leben — und auch dieser Abschnitt soll würdevoll sein. Dafür setzt sich der ambulante Hospizdienst in Franzburg und Richtenberg ein und kann mittlerweile auf ein gutes Netzwerk blicken, um dem Sterbenden, aber auch der Familie helfen zu können.

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Ambulanter Hospizdienst Richtenberg-Franzburg betreut ehrenamtlich Schwerstkranke, Angehörige und Trauernde

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Gegründet wurde die Gruppe vor zwei Jahren auf Initiative von Dr. Monika Tauchert. Die 63-jährige Allgemein- und Kinderärztin hatte vor drei Jahren für Verblüffung gesorgt, als sie mitteilte, dass sie nach ihrem „60.“ nicht mehr praktizieren werde, sondern sich um andere wichtige Dinge kümmern möchte. Dazu zählten einerseits die Enkel, aber auch die Betreuung von Schwerstkranken und ihren Angehörigen lag ihr am Herzen. „Als Landärztin hatte ich immer das Gefühl, den Bedürfnissen von Sterbenden und ihren Familien nicht gerecht werden zu können. Die seelsorgerliche Betreuung, die Klärung von juristischen Fragen, den Angehörigen Sicherheit zu geben — all das konnte ich im Mediziner-Alltag nicht so leisten, wie es nötig gewesen wäre“, sagt die Richtenbergerin und betont, dass sie diesen Schritt nie bereut habe.

Drei Gewinner hatten das Kuratorium 2014 beim ersten Wettbewerb der Johannes-Bugenhagen-Stiftung mit ihren herausragenden Projektideen zum Thema Seelsorge überzeugt. Einer davon war die Kirchengemeinde Richtenberg, die 500 Euro Preisgeld und dazu noch 3000 Euro Förderung bekam.

„Das haben wir als Anschubfinanzierung verstanden. Mittlerweile funktioniert der Hospizdienst mit ganz viel ehrenamtlichem Engagement. Aber wir würden uns über Spenden sehr freuen“, sagt Pastor Axel Prüfer, der das Projekt in der Kirchengemeinde Richtenberg unter seine Fittiche nahm.

Mittlerweile gab es bereits sieben Themenabende: Von der Patientenverfügung über Testament, letzter Wille, Wünsche für eine Beerdigung und die Möglichkeiten einer Schmerztherapie bei Schwerstkranken bis hin zum Trost in den Psalmen reichten die Aufklärungsangebote, die von den Einwohnern rund um Richtenberg und Franzburg gern genutzt wurden.

„Und doch fällt uns immer wieder auf, dass das Sterben und der Tod Tabuthemen sind, obwohl wir alle früher oder später betroffen sind. Mit unserem Hospizdienst wollen wir das ändern, wir rücken das Thema mehr in den Blickpunkt“, sagt Monika Tauchert und erklärt den Gästen der Veranstaltung zum zweijährigen Jubiläum: „Das Sterben ist ein körperlicher Prozess, der kann schnell oder langsam, qualvoll oder leicht sein. Aber auch in dieser Phase möchte der Betroffene seine Würde behalten, das ist ein Menschenrecht.“

Die Zahlen sprechen für sich: 80 Prozent sterben im Krankenhaus, obwohl die meisten lieber zu Hause im Kreise ihrer Lieben die Augen schließen möchten. „Sprechen Sie uns an, wir geben gern Hilfe — ob es Stunden, Tage oder Monate dauert. Wir begleiten den Schwerstkranken, Sterbenden, sind aber auch für die Angehörigen da. Niemand muss diese schwere Zeit allein durchstehen. Und auch nach dem Tod stehen wird den Zurückgebliebenen zur Seite“, sagt Monika Tauchert. Sie berichtet von neun Begleitungen in den vergangenen zwei Jahren — viele davon bei den Menschen zu Hause in Negast, Richtenberg, Franzburg oder Tribsees.

Nicht nur Ärztin und Pastor begleiten die Familien. Der Hospizdienst in Richtenberg hat auch schon zwei Ehrenamtliche beim Kreisdiakonischen Werk in Greifswald ausbilden lassen. „Das sind 120 Stunden in Theorie und Praxis — von der Einführung in die Palliativmedizin bis hin zum helfenden Gespräch oder zum Umgang mit Nähe und Distanz“, so Ines Reimer. Die 46-jährige dreifache Mutter arbeitet im Pflegedienst und übernimmt ehrenamtlich die Begleitung betroffener Familien. „Es ist einfach wichtig, dass wir da sind. Viele haben Angst, und diese Angst können wir nehmen“, sagt die 46-Jährige.

Auch ihr Mann Sven engagiert sich in der Gruppe, übernimmt organisatorische Aufgaben. „Nicht jeder kann mit den Sterbenden umgehen, aber man kann sich trotzdem einbringen“, begründet der 47-Jährige sein Engagement und sieht sich mit Schriftführerin Martina Menk und Trauer-Café-Betreuerin Doreen Terner in guter Gesellschaft.

Ehrenamtliche Sterbebegleitung

Hospiz kommt aus dem Lateinischen und heißt: Herberge geben. Es ist auch eine Einrichtung der Sterbebegleitung.

Die Phasen des Sterbens: 1. Man muss die Diagnose/schlechte Nachricht verarbeiten; 2. Neid und Aggression treten auf; 3. Der Sterbende verhandelt, setzt Ziele („Ich will meinen Enkel noch mal sehen...“); 4. Das Verlustgefühl verstärkt sich, kann zu Depressionen und Trauer führen. Der Betroffene merkt, dass das Ende kommt, überlegt, ob er noch etwas regeln muss; 5. Das Sterben — mit Atemnot, Angstattacken oder Krampfanfällen. „Da rufen viele den Notarzt, dann stirbt derjenige doch ungewollt im Krankenhaus. Auch in dieser Phase können wir helfen“, so Monika Tauchert.

Wer Hilfe in Anspruch nehmen möchte, kann jeden ersten Donnerstag im Monat um 15 Uhr im Hospizcafé vorbeischauen, ab 15. Mai im Pfarrhaus Franzburg, weil das Richtenberger Gebäude saniert wird.

Infos: ☎ 01523 7756880 oder per Mail an ambulantehospiz@gmail.com.

Von Ines Sommer

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