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Nordvorpommern Gute Stube war einst Kälberstall
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00:00 29.03.2014

1955 kamen die jungen Eheleute Anneliese und Wilfried Stark nach Kreutzmannshagen und übernahmen für zwölf Jahre eine Pachtwirtschaft. „Das war mitten im Dorf. Da war immer was los. Die Gaststätte gleich gegenüber. Die Männer trafen sich oft auf ein Bier", erzählt Anneliese Stark. 1967 haben sie dann den Erbhof von der Mutter übernommen. Dort lebt das inzwischen älteste Ehepaar des Dorfes noch heute. „Ich hatte meine Arbeit auf dem Hof, meine fünf Kinder um mich rum. Wir hatten Kindergarten und Schule im Dorf. Ich hatte viel Arbeit, aber so einen Stress wie die jungen Leute heute hatten wir nicht", vergleicht die 83-Jährige.

Die Familie Stark lebt mit drei Generationen auf dem Grundstück. „Mein Sohn ist die ganze Woche unterwegs. Und unser Enkel Hannes muss jeden Tag nach Loitz. Wenn das mit der Busverbindung nicht passt, dann fährt er seine Frau noch erst zur Arbeit nach Neuenkirchen oder muss sie abholen." Damit sich das ändert, macht die junge Frau gerade ihren Führerschein. Mobil sein auf dem Dorf ist wichtig.

Dessen war sich auch Enkel Hannes bewusst. „Ich bin auf dem Dorf groß geworden. Ich kenne es nicht anders", erzählt der 23-Jährige, der in seiner Freizeit beim SV-Kandelin Fußball spielt. „Hannes ist unser Einkäufer", erzählt die Seniorin vom Zusammenleben zwischen Alt und Jung unter einem Dach. „Der Friseur kommt ins Haus, der Bäckerwagen hält vor der Tür. Alles andere, was wir brauchen, bringen uns Kinder und Enkel mit", beschreibt sie. „Unsere Wohnstube war früher Kälberstall. 21 Jahre habe ich im Kälberstall gearbeitet. Das war Knochenarbeit.“ Ihr Mann war Melker in Griebenow. Das Leben des 83-Jährigen läuft heute ruhig ab. Zeitung lesen und Fernsehprogramm bestimmen den Tagesablauf. Er nimmt Anteil am Familienleben, hat aber die Verantwortung abgegeben. Ein Pflegedienst unterstützt seine Frau, die von sich sagt: „Ich bin die Oma für alle. Zu uns kommen alle gerne. Ich koche auch jeden Tag. Mir macht das Freude, wenn sich alle wohl fühlen."

Im Eingangsbereich ist ein großer Raum mit Platz für viele Gäste. An den Wänden zeugen Trophäen vom einstigen Hobby des Familienoberhauptes. Die Leidenschaft hat er an den anderen im Haus lebenden Enkel Robert weiter gegeben. Aber der wird bald ausziehen, im Nachbardorf Griebenow hat der junge Mann ein Haus gekauft und baut es für seine Bedürfnisse um. „Früher waren wir im Dorf alle zusammen und man kannte sich. Heute kennen wir kaum noch Leute aus dem Dorf. Und die aus der Stadt zugezogen sind, regen sich auf, wenn der Hahn kräht", beschreibt die kleine Frau mit den weißen Haaren die Veränderungen im Ort: „Für uns Alten ist es arm geworden auf dem Dorf.“ Früher sang sie im Kirchenchor mit. Heute freut sich das Ehepaar darüber, das die Volkssolidarität sich um sie kümmert und ein wenig Abwechslung über die eigene Familie hinaus bringt.



Roswitha Pendzinsky

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