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Nordvorpommern Kampf um Platz an Privatschule
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00:00 13.07.2013
Stralsund

„Lea Lena, du hast in diesem Schuljahr riesige Lernfortschritte gemacht. Bleibe weiterhin so offen und neugierig auf die Welt! Es gibt noch so viel zu entdecken. Für das neue Schuljahr wünsche ich dir weiterhin viel Freude und Spaß am Lernen.“ Außerdem ist der Vermerk zu lesen: „Du bist im Schuljahr 2013/2014 Schülerin der Klasse 4b.“

So hat es die Klassenlehrerin der Elfjährigen in ihr Zeugnis geschrieben. Darauf ist ihre Mutter sehr stolz. Und das kann sie auch. Denn Lea Lena ist geistig behindert. Die Grundschülerin leidet am Down-Syndrom. An der privaten Jona-Schule in Stralsund wird sie mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ unterrichtet. Bisher.

Denn am 29. April erhielt die Mutter der Drittklässlerin die schriftliche Nachricht, dass der Schulvertrag für Lea Lena nicht über den 31. Juli 2013 hinaus verlängert wird.

Das kam für die 42-Jährige „völlig aus heiterem Himmel“. Seitdem wehrt sie sich mit allen Mitteln gegen die Entscheidung des Schulbeirates und hat bereits im Mai einen Anwalt eingeschaltet und der Kündigung widersprochen.

In der Begründung durch die Schule ist von Zahlungsschwierigkeiten die Rede. Die alleinerziehende Mutter, die zurzeit nicht arbeitet, wurde bislang durch eine Förderung über den Jona-Sozialfonds unterstützt und muss einen Mindestbetrag von 25 Euro im Monat leisten.

Die Zahlungsrückstände seien vom Tisch, sagt die gelernte Krankenschwester, die auch mit dem Arbeitsamt im Clinch liegt. Ihr Antrag auf Hartz IV sei abgelehnt worden. Ebenso sei ihr Antrag auf Erwerbsunfähigkeit bisher nicht genehmigt worden.

Als weitere Begründung wird im Kündigungsschreiben, unterzeichnet vom Sprecher des Schulbeirates, angeführt, dass es für Lea Lena in der Jona-Schule „keine hinreichende Möglichkeit“ gebe, sie auch in die Orientierungsstufe aufzunehmen.

„Wir sehen uns nicht in der Lage, hier eine adäquate Förderung von Lea Lena zu ermöglichen“, heißt es. Und genau das kann die alleinerziehende Mutter von drei Kindern im Alter von zehn, elf und 23

Jahren nicht verstehen. Denn bisher habe alles bestens geklappt.

Lea Lena hatte eine Integrationshilfe, und die Klassenlehrerin hätte sich rührend um das Mädchen bemüht. Auch mit den Mitschülern hätte sich das Kind gut verstanden. Die Eltern der Klasse hätten vor den Ferien sogar noch eine Unterschriftensammlung organisiert, damit Lea Lena in der Klasse bleiben kann. Die Frau beklagt, dass trotz mehrfacher Bemühungen ihrerseits kein klärendes Gespräch mit der Schulleitung zustande gekommen sei.

Auf Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG sagte Schulleiterin Dr. Dörthe Buchhester, man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. „Nach Abwägung aller Kriterien hat sich herausgestellt, dass die Voraussetzungen für die Fortführung des Schulvertrags nicht gegeben sind“, so Dörthe Buchhester.

Das sei der Mutter fristgerecht mitgeteilt worden. Beide Seiten — sowohl die Schule als auch die Eltern — hätten das Recht, Schulverträge jederzeit zu kündigen. Und das geschehe auch immer wieder aus unterschiedlichen Gründen mehrfach im Schuljahr, betont die Jona-Chefin. Die Mutter habe seit Ende April darüber Bescheid gewusst, dass sie sich um eine neue Beschulung kümmern müsse.

Eine andere Schule steht für die Frau, die mit ihren Kindern im Landkreis wohnt, aber nicht zur Debatte. Die Stralsunder Astrid-Lindgren-Schule für Geistig- und mehrfach Schwerstbehinderte oder eine andere öffentliche Schule komme für sie nicht in Frage, wie sie deutlich machte. Das sei für die Entwicklung ihres Kindes nicht gut. Vor allem befürchte sie Mobbing.

Deshalb wandte sich die Mutter inzwischen auch an das Kultusministerium. In der Antwort aus Schwerin heißt es, dass ihre Tochter „einen Aufnahmeanspruch an der örtlich zuständigen öffentlichen Grundschule“ hat. Die gesetzliche Schulpflicht könne somit immer erfüllt werden. Die Mutter will nicht aufgeben.

Auch auf Rügen legten Eltern Beschwerde gegen die Stralsunder Jona-Schule ein (die OZ berichtete). Der Zehnjährige aus Garz soll angeblich abgelehnt worden sein, da sich bisher zu wenig Mädchen anmeldeten.

Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht.“Dörthe Buchhester, Leiterin der Jona-Schule

Marlies Walther

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