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Nordvorpommern Schüler schenken ein Stück Hoffnung
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07:34 29.11.2017
Brandshagen

Ein riesiger Berg bunter Päckchen türmt sich in dem kleinen Flur der Brandshagener Grundschule auf. Liebevoll eingewickelt in hübsches Weihnachtspapier, versehen mit roten und goldenen Schleifen. Manches Päckchen schmückt zudem noch ein frischer grüner Tannenzweig.

Auch wenn das Weihnachtsfest noch über einen Monat hin ist, waren in Brandshagen bereits viele kleine Wichtel am Werk und verpackten jede Menge Weihnachtsfreude. 87 Pakete, gefüllt mit Spielzeug, warmen Sachen, Schreib- und Malutensilien, Kuscheltieren und natürlich jeder Menge Naschwerk, kamen so zusammen und warteten auf ihren Transport zu Kindern in Rumänien. „Die Päckchen kamen dank der Aktion ‘Kinder helfen Kindern‘ zusammen“, erklärt Thomas Szczepanski. Der 46-Jährige war mit einem Transporter aus Mölln gekommen, um die Weihnachtsfreude abzuholen. Angekurbelt von der Organisation „Round Table“ in Torgelow unterstützt er die Weihnachtsaktion als Fahrer. „Ich bin kein Mitglied bei Round Table, eher ein Freund“, sagt er, während er mit den Brandshagener Grundschülern die bunten Pakete in große Pappkartons stapelt.

Bereits zum vierten Mal beteiligten sich die Brandhagener an der Aktion. Als Lehrerin Susann Hiersche vor vier Jahren die Idee in ihre Schule trug, war es für für die Kinder schwer vorstellbar, dass auf der Welt Gegenden gibt, in denen es Kindern selbst an dem Nötigsten mangelt. Die frieren, weil sie keine warmen Sachen besitzen, die hungern, weil Essen knapp ist, die kein Spielzeug besitzen. Dass es Kinder gibt, die noch nie in ihrem Leben eine Zahnbürste besessen haben. Keine Frage, dass die Brandshagener Grundschüler da helfen wollten.

„Aber freuen sich die Kinder in Osteuropa auch wirklich über unsere Päckchen“, wollte Susann Hiersche wissen. „Ich habe erlebt, wie sich Kinder sofort anfingen, die Zähne zu putzen, wenn sie eine Zahnbürste in ihrem Päckchen fanden“, erzählt Szczepanski und schaut in ungläubige Kindergesichter. Auch die Geschichte von Marie erzählt er. Sie hatte ein Päckchen bekommen, ein Puppe war darin.

Thomas Szczepanski beobachtete, wie die kleine Marie, ein Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen in Rumänien, nach dem Öffnen ihres Päckchen einfach davonlief. „Wir hatten ein schlechtes Gewissen“, erzählt er. „In dem Paket war nur diese Puppe gewesen, nichts weiter.“ Marie fanden die Helfer ein wenig später im Schlafsaal des Kinderheimes auf ihrem Bett sitzend. „Sie hatte ihre Püppi zu Bett gebracht, sie gut zugedeckt, damit sie nicht friert und bewachte nun ihren Schlaf“, so Thomas Szczepanski. Was die Helfer als Enttäuschung interpretiert hatten, war unbändige Freude über ein Geschenk gewesen. Marie hatte noch nie ein Puppe besessen.

Es sind diese Szenen, die den gebürtigen Torgelower immer wieder im November veranlassen, eine Woche seines Jahresurlaubes zu opfern, um die von Kindern gepackten Päckchen einzusammeln, sie anschließend mit einem 40-Tonner nach Rumänien zu fahren und dort an bedürftige Kinder zu verteilen. Was für viele Jungen und Mädchen hier selbstverständlich sei, ist für manche Kinder nur ein Wunschtraum. Ihnen diesen zu erfüllen, die Freude in ihren Augen zu sehen, dass sei ihm die eine Woche geopferte Urlaubs- und Freizeit mehr als wert.

Noch ist die Grundschule Brandshagen die einzige Einrichtung aus der Region, die sich an der Aktion „Kinder helfen Kindern“ beteiligt. Kontakt wurde jetzt auch mit der Schule in Horst aufgenommen.

Sie wollen eventuell im kommenden Jahr dabei sein.

Claudia Noatnick

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