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Sportstadt Stralsund bewegt sich — nach Prohn, um Willi zu helfen

Prohn Sportstadt Stralsund bewegt sich — nach Prohn, um Willi zu helfen

Sonntag ist 10 Uhr Treffpunkt am Hanse-Dom, dann geht‘s per Rad weiter / In Prohn startet bis 17 Uhr Typisierungsaktion für den Jungen aus Groß Mohrdorf, der Blutkrebs hat

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Der Stralsunder Stefan Hennebach — hier mit seinem Sohn — spendete seine Stammzellen und rettete einem Amerikaner das Leben.

Quelle: privat

Prohn. Nach der schlimmen Diagnose Leukämie ist die Welle der Hilfsbereitschaft für den kleinen Willi aus Groß Mohrdorf ergreifend. Viele wollen den Elfjährigen bei seinem Kampf gegen den Krebs unterstützen. Vereine, Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Privatpersonen haben sich gemeldet, und nun machen auch die Stralsunder Sportler mobil.

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Sonntag ist 10 Uhr Treffpunkt am Hanse-Dom, dann geht‘s per Rad weiter / In Prohn startet bis 17 Uhr Typisierungsaktion für den Jungen aus Groß Mohrdorf, der Blutkrebs hat

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Die sind eine Macht, da ist sich der Stralsunder Bert Linke ganz sicher. Der Mann vom FC Pommern, auch Betreiber des Bürgergartens am Knieperteich, hatte eine Idee: „Getreu dem Motto ,Die Sportstadt Stralsund bewegt sich‘ rufen wir alle Sportler, Vereine, Kindergärten und Schulen dazu auf, am Sonntag gemeinsam nach Prohn in die Sporthalle zu radeln. Der Hanse-Dom sperrt den Parkplatz, damit wir uns dort um 10 Uhr treffen können. Von dort machen sich dann alle zusammen auf den Weg.“

So können die Familien gleich einen Sonntagsausflug machen, findet Bert Linke und ergänzt: „Natürlich ist das Fahrrad kein Muss, man kann sich ja auch anders betätigen, um nach Prohn zu kommen. Wir wollten nur verhindern, dass dort zig Autos vorfahren und die Parkplätze knapp werden“, findet der 39-Jährige. Er hofft, dass sich vielleicht noch ein Prominenter findet, der den Tross von Stralsund nach Prohn anführt...

Ziel ist natürlich die Typisierungsaktion in der Sporthalle. „Für jeden, der sich testen lässt, geben wir als FC Pommern erst mal gleich zwei Freikarten für das nächste Heimspiel in der Verbandsliga aus. Das ist am 16. April. Und da starten wir dann in der Primus-Arena eine Tombola für die Spender“, erklärt Bert Linke, der natürlich mit seiner Familie am Sonntag auf dem Rad dabei sein will.

„Wir haben bei unserem Kinderfest gemerkt, dass die Spendenbereitschaft sehr groß ist. Die Leute legen gern das Geld auf den Tisch. Natürlich wird das auch gebraucht, denn eine Typisierung kostet 40 Euro. Aber wir brauchen auch diejenigen, die sich testen lassen, um das richtige Knochenmark zu finden“, so der engagierte Stralsunder.

Die Groß Mohrdorfer Feuerwehrleute hatten das Schicksal des elfjährigen Jungen öffentlich gemacht (die OZ berichtete am 1. April)). Sie waren es auch, die gemeinsam mit den Brandschützern der anderen vier Wehren im Amtsbereich Altenpleen, mit dem ASB und der Deutschen Knochenmarksspenderdatei (DKMS) eine Typisierungsaktion organisierten, die nun am Sonntag von 11 bis 17 Uhr in der Prohner Sporthalle stattfinden soll. Willis Eltern bitten herzlich um rege Teilnahme: „Wir möchten unseren Sohn nicht verlieren. Wir bitten Sie deshalb von Herzen: Kommen Sie nach Prohn und lassen sich typisieren.“ Vielleicht findet sich der richtige Spender für Willi — oder einen anderen Schwerkranken.

Auch die Mitglieder des DRK-Kreisverbandes Stralsund/Rügen sind Sonntag in Prohn dabei. Der Betreuungszug, der Sanitätszug und die Medical Task Force machen sich auf den Weg zur Typisierung, um dem kleinen Willi im Kampf gegen den Blutkrebs zu helfen. „Für die ehrenamtlichen Kameraden ist dies eine Frage der Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit. Selbst der ehrenamtliche Besuchshundedienst schließt sich dieser spontanen Aktion an“, sagt Burkhard Päschke, beim Deutschen Roten Kreuz verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit.

Wer sich gesund fühlt und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann sich gern beim DRK melden. Abfahrt ist in Bergen an der DRK-Geschäftsstelle um 9.15 Uhr und in Stralsund am Sicherheitstechnischen Zentrum an der Feuerwehr um 10 Uhr. Mitfahrgelegenheiten sind bitte unbedingt vorher per Telefon abzustimmen: in Stralsund unter ☎ 0179/9248174 und auf Rügen unter ☎

03838/802317.

Stralsunder rettete Amerikaner das Leben

Wie wichtig die Typisierung ist, zeigt auch ein Beispiel aus Stralsund: Der 34-jährige Stefan Hennebach aus der Hansestadt, Vater eines sechsjährigen Sohnes, rettete mit seinen Stammzellen einem schwer erkrankten Amerikaner das Leben. Jetzt engagiert er sich für den kleinen erkrankten Willi aus Groß Mohrdorf. Auch der elfjährige Junge kann nur überleben, wenn er einen passenden Spender findet.

Im Juni 2013 registrierte sich Stefan Hennebach bei der DKMS online als potentieller Stammzellspender, nicht ahnend, wie folgenreich dieser Schritt sein sollte. Denn zwei Jahre später erhielt er plötzlich einen Anruf, dass er tatsächlich als Spender für einen erkrankten Patienten in Frage käme. „Mir war schon ein wenig mulmig, weil ich nicht wusste, was auf mich zukommt. Gleichzeitig war aber klar: jetzt hängt ein Menschenleben von mir ab. Kneifen gibt‘s nicht“, erinnert sich der Stralsunder.

Nach ausführlichen Aufklärungsgesprächen und Voruntersuchungen in der Uni-Klinik Dresden wurde der 23. Dezember als Entnahmetag festgelegt. Einen Tag vor Weihnachten also reiste Stefan mit Frau und Kind abermals nach Dresden. „Die Entnahme an sich war vollkommen problemlos. Ich wurde liebevoll betreut und habe mir während der Entnahme einen Film angeschaut. Nach zwei Stunden, an denen ich an einer Zentrifuge angeschlossen war, die die Stammzellen aus meinem Blut filterten, war alles vorbei. Und ich hatte noch ausreichend Zeit, mir mit meiner Familie die Stadt anzuschauen.“

Während der gesamten Zeit wurde Stefan von seiner Familie und seinen Freunden unterstützt, selbst sein Chef stellte ihn für die Zeit der Entnahme frei: „Alle waren unglaublich stolz auf mich, dabei sollte die Bereitschaft, einem erkrankten Menschen zu helfen, doch eigentlich selbstverständlich sein.“

Oft dachte der Familienvater an seinen Patienten und hoffte, dass es ihm gut gehe und er mit seiner Hilfe den Blutkrebs besiegen konnte. Einige Monate später erhielt Stefan Hennebach unerwartet eine Postkarte von seinem Patienten. Erst jetzt erfuhr er, dass er einem Familienvater aus Kalifornien das Leben gerettet hatte. Er war überglücklich. Dank seiner Hilfe konnte ein Mensch weiterleben. Die Postkarte endet mit den Worten: „Du hast mir mein Leben zurückgegeben. Was für ein unglaubliches Geschenk.“

Der Austausch von Briefen wird zunächst immer anonym durchgeführt. Erst nach zwei Jahren dürfen Spender und Empfänger die Kontaktdaten austauschen und sich persönlich kennenlernen. „Ich freue mich, wenn die Frist abgelaufen ist und hoffe sehr, meinen Patienten dann einmal wirklich in die Arme nehmen zu dürfen“, wünscht sich Stefan Hennebach.

Jetzt engagiert sich der 35-jährige Krankenwagenfahrer aus Stralsund für den kleinen, schwer erkrankten Willi aus Groß Mohrdorf. Weil nur ein passender Spender sein Leben retten kann, ruft Stefan Hennebach die Bürger zur Teilnahme an der geplanten Aktion auf. „Ich bin selber Papa. Es könnte auch mein Kind treffen. Versetzt euch nur für 30 Sekunden in die Situation von Willis Eltern, die vor lauter Sorge kaum in den Schlaf kommen. Der Nachbar von nebenan könnte schon der passende Lebensretter sein. Also: zögert nicht und lasst euch typisieren. Leben retten, kann so einfach sein. Ich habe es selber erfahren. Jeder, der sich typisieren lässt, schenkt Willi und seinen Eltern Hoffnung auf ein zweites Leben.“

Stammzellen werden aus dem Blut gefiltert

In Prohn ist eine Versteigerung geplant, FC Hansa, Boxer, Fußballer oder Speedwayfahrer haben dafür gespendet. Der Erlös kommt Willi zu Gute. Die Typisierung findet Sonntag 11 bis 17 Uhr in der Sporthalle statt. Mitmachen kann jeder von 17 bis 55.

Die Typisierung erfolgt über einen Speicheltest. Wird man als Spender herausgefiltert, gibt es zwei Möglichkeiten: In 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen des Spenders gewonnen, indem das Blut — ähnlich wie bei der Dialyse — gefiltert wird. In wenigen Fällen wird Knochenmark aus dem Beckenknochen entnommen.

Geldspenden können überwiesen werden auf das DKMS-Spendenkonto, Ostsee-Sparkasse, Stichwort Willi: IBAN DE91 1305 0000 0200 0027 24.

Von Bettina Steinbauer Ines Sommer

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