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Traurige Fans treffen sich ohne Oberindianer

Grimmen Traurige Fans treffen sich ohne Oberindianer

Grimmener mischen seit zehn Jahren beim Open-Air mit

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Gritt Knoblich zeigt die Unterschrift von Gojko Mitic auf ihrem Kleid.

Grimmen. Zutiefst traurig stand Gritt Knoblich Ende der vergangenen Woche im OZ-Servicecenter. Als großer Indianer-Fan wollte die Grimmenerin die Lesung und Talkrunde mit Gojko Mitic im Kulturhaus der Stadt besuchen, die fiel jedoch aus, die Karten mussten zurückgegeben werden. Tränen hatte die 49-Jährige in den Augen, denn „ich hatte ja extra unsere Indianer-Freunde eingeladen. Wir wollten ein Indianer-Wochenende feiern, haben unser Tipi im Garten aufgebaut und im Kulturhaus die erste „VIP-Reihe“ reserviert. Ich stand unter Schock“, erzählte Gritt Knoblich ein paar Tage später, natürlich im typischen selbst angefertigten Indianer-Outfit. Mittlerweile kann sie über die Fast-Katastrophe lachen.

 

OZ-Bild

Wer hat schon ein Tipi im Garten? Nur echte Indianer-Fans wie Gritt Knoblich und ihr Mann Axel in der Tribseeser Straße in Grimmen. FOTO (2): ALMUT JAEKEL

Denn die Freunde waren trotzdem da – auch ohne DDR-Oberindianer Gojko Mitic. Im Tipi wurde ein Feuer entfacht, alte Indianer-Geschichten und Fotos rausgekramt. Knoblichs, die seit zehn Jahren bei der Neu Damerower Open-Air-Indianer-Show dabei sind, leben ihr Hobby. Für Indianer begeistert sich Gritt Knoblich schon seit ihrer Kindheit. „Wenn damals „Flimmerstunde“ (Kinderfernsehen am Sonnabend, Anm. d. Red.) war, und Gojko-Mitic-Filme angekündigt waren, war der Spielplatz wie leergefegt.“ Fast alle Karl-May-Bücher konnte sie schon damals ergattern, nur eines ist erst nach der Wende gekauft worden. Alle Gojko-Filme sind auf DVD gebannt bei Knoblichs zu finden.

So richtig ernst wurde es mit Gritt und den Indianern im Grimmener Polizeischützenverein, in dem ihr Mann Axel die Sektion Bogenschützen leitete. „Wir hatten dadurch Freunde beim Westernschießen, und ich fand das toll. Und irgendwann sagte einer der Westernschützen zu ihr: „Wenn du keinen Hut aufhast, bist du ein Indianer.“ Und in dieser Rolle und als Bogenschützin fühlt sie sich sowieso wohler.

Damals haben Knoblichs zunächst industriell gefertigte Kostüme bestellt, schon bald aber habe ihr Mann diese selbst angefertigt, Perlen verwebt, Hirschleder zu Kleidern und Hosen genäht. Und auf der Innenseite ihres Rockes hat Gritt mittlerweile etwas ganz Besonderes: nämlich eine Original-Unterschrift von Gojko Mitic. Die habe sie aus Versehen schon mal ausgewaschen, in Bad Segeberg aber wieder bekommen.

Seit 2006 sind Knoblichs Hobby-Indianer. Und dann bekamen sie zum Geburtstag das Erlebnis Westernreiten in Neu Damerow bei Wolfgang Kring, dem „Chefindianer von MV“ geschenkt. Er sei der einzige professionelle Indianer in seiner Show, die während der Sommerferien an drei Wochenende jeweils zweimal läuft. „Wir haben damals gleich das Angebot bekommen mitzuwirken“, sprudelt die Begeisterung förmlich aus Gritt Knoblich, die übrigens den Indianer-Namen „Witioje Ota“ erhalten hat, was „Viele Worte“ bedeutet.

Seit dieser Zeit verbringen Knoblichs die erste Sommerferienwoche in Neu Damerow zum Proben. Da wird der Text eingesprochen, denn der kommt während der Vorstellungen vom Band und auf der Naturbühne wird geübt, geritten, geschossen und wieder geübt. Die Vorstellungen sehen jeweils bis zu 1200 Zuschauer. „Sogar bei schlechtem Wetter sind es mindestens 300“, sagt die Indianer-Fachfrau aus Grimmen.

Und dabei sind Stammgäste, die sich keine Aufführung entgehen lassen. „Ich habe Fans aus Magdeburg, von denen bekomme ich immer Szenenapplaus und Standing Ovations“.

Geld gibt es für die Mitwirkenden nicht. Aber Spaß, Freude und Freunde. Und die kommen dann eben auch nach Grimmen, wenn der DDR-Oberindianer ausfällt.

Almut Jaekel

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