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Umweg kostet bis zu 45 Minuten

Grimmen Umweg kostet bis zu 45 Minuten

Für Unternehmen in Grimmen ist die A-20-Sperrung eine große Herausforderung. Das Handwerk fordert eine rasche Lösung.

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Auf dem Weg zur Umleitung: Brummis und Pkw auf der A 20 bei Leyerhof.

Quelle: Foto: Raik Mielke

Grimmen. „Wir müssen viel früher losfahren und kommen deshalb viel später zurück“, bringt Enrico Witt, Fuhrparkleiter beim Grimmener Fliegel-Textilservice, die Folgen der Sperrung der Autobahn 20 in Richtung Rostock für das Unternehmen auf den Punkt. „ Damit bekommen wir auch zunehmend Probleme mit unseren Fahrzeiten“, fügt er hinzu.

OZ-Bild

Für Unternehmen in Grimmen ist die A-20-Sperrung eine große Herausforderung. Das Handwerk fordert eine rasche Lösung.

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Die Umleitungen Richtung Rostock über Tribsees und Sanitz sowie bei Travemünde kostet die Lasterfahrer aus Grimmen bis zu eine Dreiviertelstunde mehr Zeit. Das summiert sich ganz schön, wenn man bedenkt, dass der Grimmener Textilservice pro Woche viermal Hamburg anfährt und sogar sechs Mal nach Grömitz in Schleswig-Holstein muss, um dorthin frisch gewaschene Hotelwäsche zu bringen bzw.

schmutzige abzuholen. Die aus sämtlichen Spitzenhotels an der Ostseeküste, darunter auch des Hotels „Neptun“ in Warnemünde, werden im Grimmener Unternehmen gewaschen (die OZ berichtete).

Neben der längeren Fahrzeit müssen sich die Fliegel-Laster natürlich auch um die Kreisel in Tribsees und Sanitz zwängen, „wobei der Sanitzer wirklich ziemlich eng ist“, meint Enrico Witt. Sollte irgendwann auch noch die andere Fahrtrichtung auf der A 20 voll gesperrt werden, wäre dies der Super-Gau. Er hofft natürlich, dass es nicht dazu kommt.

Felix Kühl, Schichtleiter in der Stadtbäckerei Grimmen, spricht ebenfalls von einer großen Herausforderung, die auch die Lkw-Fahrer des Familien-Unternehmens zu bestehen haben.

„Schließlich befinden sich rund die Hälfte unserer 70 Filialen westlich von Grimmen“, sagt Kühl. Trotz der Umleitung müssen sie aber jeden Tag beliefert werden. Und zwar pünktlich. „ Deshalb bleibt uns nichts anderes übrig, als die Arbeitszeiten zu optimieren“, erklärt der 29-Jährige. Das heißt, die Fahrzeuge, die in Richtung Rostock fahren, müssen vor allen anderen vom Hof rollen.

„Fehler können immer passieren“, erklärt Christian Blömer, einer der Geschäftsführer des Unternehmens Blömer Fleisch in Vorland, mit Blick auf die abgesackte Autobahn. Es müsse nur schnell eine Lösung gefunden werden. Die Ware solle pünktlich bei den Kunden ankommen. „Da sind wir gefordert – und wir haben gute Leute dafür“, weiß Christian Blömer.

Die Umleitung über Tribsees und Sanitz sei eine Herausforderung, „mit der müssen wir umgehen“, so Blömer. „Wir haben längere Fahrzeiten, zwischen 20 Minuten und einer halben Stunde.“ Das bedeute „erhebliche Kosten“ wegen des Mehrverbrauchs an Kraftstoff. „Kosten, die wir selbst tragen müssen und nicht weitergeben können“, rechnet er vor. Schließlich interessiere die Kunden wenig, ob die Autobahn gesperrt ist, fügt der Geschäftsführer des inhabergeführten Schlacht- und Zerlegebetrieb in Vorland hinzu.

Auch Jens-Uwe Hopf, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommerns, plädiert im Namen aller betroffenen Handwerksbetriebe in Vorpommern für eine schnelle Lösung des Problems. Die notwendigen Baumaßnahmen müssten zügig angegangen werden, fordert er. Behelfslösungen seien nicht zu akzeptieren. Viele Unternehmen aus Vorpommern seien auf die verkehrliche Infrastruktur angewiesen, weil sie viele Kunden vor allem rings um Rostock haben. Alle hätten mit wirtschaftlichen Einbußen zu tun, die sie nicht verursacht haben.

Schwer zu kämpfen haben auch die Fahrer der dicken Brummer des Grimmener Krandienstes Lange. Das betreffe hauptsächlich die Schwerlasttransporte, die bis zu 107 Tonnen wiegen und bis zu 25 Meter lang sind, erklärt Betriebsleiter Heiko Marsch. „Wir hatten vorgeschriebene Strecken, doch das ist jetzt alles hinfällig“, sagt Marsch.

„Wir kommen in Sanitz im Kreisverkehr nicht rum“, nennt Heiko Marsch ein Beispiel. Umwege von bis zu 80 Kilometern müssten daher in Kauf genommen, viele Routen neu geplant werden, je nach Ziel der Fahrt. Die neuen Fahrwege müssten amtlich beantragt und dann auch genehmigt werden. Das bedeutet unterm Strich längere Wartezeiten für die Kunden. Großkrane mit bis zu 96 Tonnen Gewicht können auf der Autobahn mit Begleitfahrzeugen unterwegs sein. Werden andere Trassen genutzt, muss zusätzlich die Polizei die Fahrzeuge begleiten. „Und das kostet uns zusätzlich Geld“, sagt der Betriebsleiter.

Autobahn versinkt

Auf einer Länge von etwa 100 Metern ist die Fahrbahn der Autobahn 20 bei Tribsees bereits abgesackt.

Messungen werden derzeit von Experten regelmäßig vorgenommen, um auf der anderen Fahrbahnseite – in Richtung Stettin – ein mögliches ähnliches Desaster rechtzeitig voraussehen zu können.

Einige der 80 unterirdischen Betonpfeiler der Autobahntrasse könnten abgeknickt sein, vermuten die Fachleute des zuständigen Landesamtes für Straßenbau und Verkehr in Güstrow.

Die A 20 bei Tribsees ist erst 2005 in Betrieb gegangen.

Peter Franke und Reinhard Amler

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