Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
Wenn der Pflanzspaten streikt, muss der Riesenbohrer ran

Negast Wenn der Pflanzspaten streikt, muss der Riesenbohrer ran

Das große Eschensterben — seit 2006 wurden 700 Hektar Wald zerstört — erfordert noch immer gewaltige Aufforstungsaktionen. Das Forstamt Schuenhagen will jetzt weitere 66 Hektar anlegen.

Voriger Artikel
Kreutzmannshagen schon 1345 ein Pfarr-Ort
Nächster Artikel
Bäckerei Kühl übernimmt Velgaster Filiale

Martin Halko — in der Slowakei ist er Förster — fräst mit dem Riesenbohrer ein Loch in den Boden, damit die kleine Eiche eingepflanzt werden kann. Ihm gefällt die deutsche Wald-Philosophie. Fotos (5): Ines Sommer

Negast. Was ist das für ein Krach im Wald zwischen Abtshagen und Elmenhorst, mag sich in den letzten Tagen mancher fragen, der einen Spaziergang durch unsere heimische Forst unternimmt. Es dröhnt, als werden Bäume abgesägt. Kommt man dichter heran, wird schnell klar: Hier quietscht keine Motorkettensäge, sondern der Riesenbohrer, wenn er sich in den Waldboden dreht. Hier wird en masse neu gepflanzt.

00013clw.jpg

Stippvisite bei der Pflanz-Truppe: Forstamtsleiter Andreas Baumgart nimmt die jungen Eichen unter die Lupe. Er ist zufrieden mit der Arbeit der Slowaken.

Zur Bildergalerie

Seit 2006 müssen sich alle Waldeigentümer — ob privat, genossenschaftlich oder in Landesobhut — mit dem großen Eschentriebsterben herumplagen (OZ berichtete). Die Katastrophe hat inzwischen solche Ausmaße erreicht, dass die Forstleute kaum mit dem Nachpflanzen hinterher kommen. 700 Hektar mit Esche waren nicht mehr zu retten. „Das Eschensterben wird eine ganze Förster-Generation beschäftigen“, ist sich Andreas Baumgart sicher.

Der Leiter des Forstamtes in Schuenhagen berichtet, dass man 2010/11 mit der Aufforstung angefangen habe. 200 Hektar sind bereits bepflanzt. Ein Ende ist dennoch nicht in Sicht. Besonders hart getroffen hat es die Forstämter Poggendorf und Schuenhagen, die deshalb auch Fördermittel von der EU erhalten. Und so werden jetzt gerade 66 Hektar mit Stieleichen, Buche und Flatterulme bepflanzt. „Wir wollen Mischwälder entstehen lassen. Das macht sich auf unseren reichen Lehmböden am besten“, so der Forstamtsleiter. In Karnin haben Eschensterben, aber auch Hochwasser solche Schäden angerichtet, dass jetzt 25 Hektar neuer Wald entstehen sollen — mit Eiche, Ulme und Erle. Im Penniner Wald folgen 1,5 Hektar. Zwischen Elmenhorst und Abtshagen, bei Radom, ist acht bis neun Hektar Wald neues Leben einzuhauchen.

„Wir haben nur noch zwei kleine Vierergruppen hauptamtlich im Holzeinschlag beschäftigt. Die schaffen so ungefähr zehn Hektar. Wenn Pflanzzeit ist, müssen wir für den Rest Dienstleister anheuern“, sagt Andreas Baumgart und führt uns zu einer slowakischen Pflanzbrigade. Die steht direkt bei der berühmten Baumschule Fürst Pückler aus Bad Liebenwerder in Lohn und Brot.

„Wir kümmern uns nicht nur um die Pflanzenaufzucht, sondern haben auch gute Leute im Schlepptau, die diese leicht verderblichen Pflanzen auch vernünftig in den Boden bringen“, erklärt Jochen Plötz.

Der 52-Jährige ist in besagtem Baumschul-Unternehmen Außendienstmitarbeiter und koordiniert den Einsatz in Radom — gemeinsam mit dem Revierförster Dieter Rettich.

Ein zeitiger Frühling, trockenes Wetter und ab und zu ein bisschen Regen — das Wetter bietet seit Anfang März beste Pflanzbedingungen. Und so herrscht auch in Radom Hochbetrieb. Während Martin Halko mit dem Ein-Mann-Bohrer ein riesiges Loch in den Boden fräst, setzt sein Kollege Radoslav Cebra vorsichtig die kleine Stieleiche rein, klopft die Erde ordentlich fest. Acht Kollegen arbeiten hier noch in guter alter Handarbeit.

„Es gibt Flächen mit Maschinenpflanzung, aber das geht bei den Lehmböden gar nicht. Auch mit dem Spaten braucht man hier nicht anzufangen, da klebt die Erde dran. Deshalb setzen wir den Bohrer ein und fassen jedes einzelne Bäumchen an“, erklärt Jochen Plötz den großen Aufwand.

Er ist ebenso wie die Förster sehr zufrieden mit der Arbeit der Slowaken, denn die kommen schließlich vom Fach. Martin Halko zum Beispiel ist in seiner Heimat selbst Förster und kommt nur zur Pflanzzeit nach Deutschland, um mal ordentlich Geld zu verdienen. Die Arbeit macht ihm Spaß, sagt der 40-Jährige in gebrochenem Deutsch, zumal es ihm gefällt, dass man in Deutschland auch an neuen Wald denke. In der Slowakei halte man noch nicht viel von Naturschutz und Nachhaltigkeit.

 



Ines Sommer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nordvorpommern
Verlagshaus Grimmen

Bahnhofstraße 11
18507 Grimmen
Telefon: 03 83 26 / 46 07 84

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag
9.30 bis 16.30 Uhr

Leiterin Lokalredaktion: Almut Jaekel
E-Mail: lokalredaktion.grimmen@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist