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Notfall: Künftig hilft der Telenotarzt

Greifswald Notfall: Künftig hilft der Telenotarzt

Landkreis Vorpommern-Greifswald startet Pilotprojekt / Krankenkassen stellen Millionen Euro zur Förderung bereit

Greifswald. Die Organisation des Rettungsdienstes des Landkreises Vorpommern-Greifswald soll in den kommenden drei Jahren dank mehrerer Neuerungen zum Modell für ganz Deutschland werden. „Land|Rettung“ nennen der Eigenbetrieb Rettungsdienst und die Klinik für Anästhesiologie der Unimedizin Greifswald ihr gemeinsames Projekt. „Wir wollen die Notfallmedizin unter den Anforderungen des dünn besiedelten ländlichen Raumes spürbar verbessern“, sagt der Leiter des Eigenbetriebes Rettungsdienst Dr. Lutz Fischer. Aus dem Innovationsfonds der Krankenkassen wird die Umstellung mit 5,4 Millionen Euro gefördert.

In den zurückliegenden Jahren ist die Zahl der Notarzteinsätze enorm gestiegen. Allein 2016 gab es 53000 Alarmierungen. Das hänge auch mit der wachsenden Zahl an Urlaubern zusammen. „Die Insel Usedom hat 31500 Einwohner, im Sommer werden dort 150000 Gäste gezählt. Auch sie wollen im Notfall schnell medizinisch versorgt werden“, erklärt Landrätin Barbara Syrbe (Linke). Durch die große Fläche des Landkreises werde es laut Fischer bei Notfällen immer schwieriger, die durchschnittliche Hilfsfrist von zehn Minuten ab Alarmierung einzuhalten. Manchmal gelinge es nicht.

Das neue Konzept zur Verbesserung der Notfallmedizin besteht aus vier Säulen und basiert vor allem auf dem Einsatz des Telenotarztes und der flächendeckenden Schulung von medizinischen Laien als Ersthelfer. Laut Prof. Klaus Hahnenkamp, Direktor der Klinik für Anästhesiologie der Unimedizin, überbrücke ein Telenotarzt in Gebieten mit langer Anfahrt über Funk die Zeit, bis der tatsächliche Notarzt am Einsatzort eintreffe. Dafür würden die Rettungswagen technisch umgerüstet und mit sieben deutschen Handynetzen zusammengeschaltet, um an jedem Standort Empfang zu haben. „Unter Aufsicht des Telenotarztes können Rettungsassistenten und Notfallsanitäter schon mit der medikamentösen Therapie beginnen, während der Notarzt noch in der Anfahrt ist“, erklärt Hahnenkamp und spricht von wesentlichem Zeitgewinn für ländliche Regionen.

Für Patienten mit Herz-Kreislaufstillstand sollen geschulte Laien und ausgebildete Ersthelfer die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken. MVs Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) begrüßt das Modellprojekt. Das Land stellt für die Laienreanimation 35000 Euro zur Verfügung. Ziel ist es, flächendeckend die Wiederbelebungskompetenz und Motivation der Bevölkerung zur Hilfeleistung zu aktivieren. „Bei einem Herzinfarkt – immer noch häufigste Todesursache – wird das Gehirn nach drei bis vier Minuten ohne Sauerstoffzufuhr irreparabel geschädigt.

Beherrschen Ersthelfer die Herzdruckmassage, rettet das in den allermeisten Fällen das Leben des Patienten“, so Hahnenkamp. Mobile ehrenamtliche Ersthelfer, die über medizinische Vorkenntnisse verfügen, sollen zudem übers Smartphone zum Einsatz gerufen werden. „Wir denken an Ärzte oder Pflegekräfte, die nicht im Dienst sind und die wir für unser Projekt begeistern wollen“, erläutert Fischer.

Als vierte Projektsäule wird die Zusammenarbeit des Kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes, des Rettungsdienstes und der Notaufnahmen neu geordnet. So soll ein Patient durch den Notarzt zu Ende behandelt werden können und nicht zum Kassenarzt wechseln müssen. Begleitet wird „Land|Rettung“, durch die Steinbeis-Hochschule Berlin und den Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement der Uni Greifswald.

Sie führen betriebs- und arbeitswissenschaftliche Untersuchungen etwa zur Rentabilität der Standorte durch. „Ich sehe das Projekt als Innovationslabor für ganz Deutschland“, sagt Lehrstuhlinhaber Prof. Steffen Fleßa. Kreissozialdezernent Dirk Scheer (parteilos) ist überzeugt, dass die geplanten Neuerungen „zur Blaupause für ein ganzes Land werden können, denn unser Projekt geht weit über die Regelversorgung hinaus“.

Cornelia Meerkatz

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