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Grimmen „Ohne Auto ist man aufgeschmissen“
Vorpommern Grimmen „Ohne Auto ist man aufgeschmissen“
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00:00 27.01.2018
Dömitzow

. Ziemlich trist scheint Dömitzow im Januargrau. Doch Anne Heldt und ihre Hündin Fiby bringen schon nach wenigen Minuten Orientierung im kleinen Dorf etwas abseits der Bundesstraße 105 Leben in meine Geschichte. Beide kommen gerade aus der Schule und heißen mich in Dömitzow herzlich willkommen.

Anne Heldt ist Lehrerin im „Produktiven Lernen“ in Stralsund und Fiby begleitet sie als Schulhund. Entsprechend kaputt ist die Hündin, die aus dem Tierheim stammt und bei Heldts ein gutes Zuhause gefunden hat, nach ihrem Arbeitstag und macht es sich in der Küche zum Mittagsschläfchen bequem. Für den Besuch gibt’s erst mal einen Kaffee. Das ist auf dem Dorf eben so – und dann wird geplauscht.

Seit zehn Jahren wohnen Heldts in Dömitzow. „Weil ich damals die Schule wechselte und nicht von Greifswald die ganze Strecke nach Stralsund fahren wollte“, erklärt die Pädagogin.

Schön ruhig sei es im Dorf, aber man müsse Natur lieben, ergänzt ihr Mann Uli, den der Kaffeeduft ebenfalls anlockte. Er stamme übrigens ursprünglich aus Grimmen, sein Vater sei Bäcker gewesen, erzählt er. Im letzten Jahrzehnt habe sich einiges verändert in Dömitzow. Inzwischen sind viele Ältere weggezogen, einige auch gestorben, berichten die beiden. Das sei schade. Es fehle an Infrastruktur. Vor zehn Jahren, da habe es noch das Fleischer-, Bäcker und ein Konsumauto gegeben, die regelmäßig ins Dorf kamen. „Aber wir haben es ja nicht so genutzt, nur die Älteren waren darauf angewiesen“, kann Anne Heldt verstehen, warum das eingestellt wurde. Schulkinder gebe es im Moment auch nicht im Dorf, aber im Sommer werden Till und Nora eingeschult. „Wir kennen uns alle hier“, erzählt Anne Heldt weiter, die eigentlich aus dem Brandenburgischen stammt und der man das trotz ihrer vielen Jahre in Vorpommern immer noch anhört. „Wenn ich in Rente gehe, will ich auch wieder dorthin zurück, nach Hause“, sagt sie. Im Moment fühle sie sich in Dömitzow aber sehr wohl. „Wir klönen gemeinsam am Lagerfeuer, sind füreinander da“, erklärt sie.

Im Winter sei allerdings Saure-Gurken-Zeit, da treffe man nur die Hundebesitzer auf der Straße beim Spazierengehen, ergänzt sie und zählt gemeinsam mit ihrem Mann die Dorfbewohner durch. Etwa 35 Einwohner habe Dömitzow, ist ihr Ergebnis, davon fünf Kinder.

Das Haus nebenan soll verkauft werden, berichten sie weiter. Und im allein übriggebliebenen Wohnblock schräg gegenüber wohnen nur noch zwei Männer. Anne Heldt: „Das ist ein bisschen traurig.“ Aber ohne Auto sei man aufgeschmissen, und deshalb würden eben die betagten Dömitzower das Dorf verlassen.

„Doch nun warten wir auf den Frühling, dann ist es richtig schön hier“, sind Anne und Uli Heldt überzeugt. Aber man müsse fit sein, ergänzt Uli Heldt, der selbst nicht so gut auf den Beinen ist.

Einige aus ferneren Bundesländern hätten sich in Dömitzow sogar ihren Sommersitz eingerichtet. Die Nähe zum Wasser und den Hansestädten sei ja auch ideal.

Almut Jaekel

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