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Opfermasche mit unerwarteter Wendung

Stralsund Opfermasche mit unerwarteter Wendung

Mit ihrem Job sorgen sie für Sicherheit und Ordnung in der Hansestadt. Hier geben Stralsunder Polizisten Einblick in ihre Arbeit.

Stralsund. Alles weg — Handy, Bargeld, EC-Karte. Zwei Männer hätten sie nachts gegen ein Uhr auf dem Teichhof in Knieper West überfallen und ausgeraubt, berichtete eine 21-Jährige der Polizeistreife, die zum Tatort geeilt war. Einer habe ihr die Arme auf dem Rücken fixiert und der andere derweil die Jackentaschen durchsucht. Dann seien beide mit ihrer Beute in Richtung Heinrich-Heine-Ring geflüchtet.

„Den Kollegen, die die Anzeige aufnahmen, war sofort aufgefallen, wie gefasst die junge Frau über das soeben Geschehene berichtete“, sagt Jana Henning. Die Kriminaloberkommissarin weiß auch, das dieser Fall eine ungeahnte Wendung nahm.

„Eine andere Streife des Hauptreviers, die zeitgleich am Heinrich-Heine-Ring bei Verkehrskontrollen im Einsatz war, hatte von dem Raubüberfall erfahren“, erzählt die Ermittlerin. Allerdings hatten diese Beamten keine Männer aus der angegebenen Richtung über den Heine-Ring flüchten sehen. Dafür aber die angeblich Überfallene mit einem Mann vor einer nahen Spielothek. Als die Frau damit konfrontiert wurde, knickte sie ein. Sie habe sich den Überfall ausgedacht, damit ihr Freund nichts davon erfahren sollte, dass sie ihr Geld in der Spielothek eingebüßt hatte, erklärte sie den Polizisten.

„Nun lautete die Anzeige allerdings etwas anders — auf Vortäuschung einer Straftat“, sagt Jana Hennig.

Sie hatte ihre Ermittlungen dazu beinahe abgeschlossen, da kam die nächste Anzeige gegen die 21-Jährige. „Diesmal war es der Freund der jungen Frau, der sie wegen mehrfachen Betruges in Verdacht hatte“, so die Kommissarin. Danach sollte die Delinquentin mit seiner EC-Karte Bargeld abgehoben und eingekauft haben, ohne, dass er es wusste. Dass seine Geldkarte zwischendurch benutzt wurde, war ihm erst aufgefallen, als Mahnungen von seinem Vermieter kamen, weil Mieten zurückgebucht worden waren.

Da hatte offenbar jemand die Daueraufträge seines Kontos manipuliert, Kreditraten storniert oder den Unterhalt für das gemeinsame Kind erhöht.

Spätestens mit dieser Erkenntnis dämmerte es dem Betrogenen, dass da seine Freundin ihre Hände mit im Spiel gehabt haben müsse. Er hatte sie zudem im Verdacht, das Geld für ihre Spielsucht ausgegeben zu haben. Insgesamt vermisste er auf seinem Konto um die 1500 Euro.

Die Einladungen zu den Vernehmungen über diesen Fall, ließ die Beschuldigte allerdings bislang verstreichen“, sagt Jana Henning.

Dafür kam inzwischen die nächste Anzeige gegen die Frau. Diesmal von einem Bekleidungshaus wegen Betruges. Die Kriminalistin kann daher die Ermittlungsakten in dieser Sache noch nicht schließen.

Von Jörg Mattern

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