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„Panic-Room“ des schwedischen Grafen im Bauamtskeller entdeckt

Stralsund „Panic-Room“ des schwedischen Grafen im Bauamtskeller entdeckt

Zurzeit wird das Meyerfeldtsche Palais für 4,7 Millionen Euro saniert und soll ab Herbst wieder den 60 Mitarbeitern der Verwaltung als Dienstgebäude zur Verfügung stehen

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Sensationeller Fund im Keller des Bauamtes: Einen Bomben-Bunker gegen Kanonenbeschuss, aber auch gegen Seuchen entdeckte die Archäologin Stefanie Brüggemann in den Katakomben der Badenstraße 17. Der schwedische Generalgouverneur Graf Johann August Meyerfeldt (linker Kupferstich) ließ sich von dem Festungsarchitekten Cornelius Loos (rechte Abbildung) eine Art Schutzraum errichten. Fotos (4): Christian Rödel

Stralsund. Als „Jonny Controlletti“ hätte Alt-Rocker Udo Lindenberg sicherlich den schwedischen Generalgouverneur Graf Johann August Meyerfeldt tituliert, wären ihm die Marotten des blaublütigen Schweden zu Ohren gekommen. Der steinreiche, offenbar aber unter Kontrollwahn leidende schwedische Graf ließ sich in der Zeit von 1726 bis 1730 sein Meyerfeldtsches Palais in der Badenstraße 17, dem heutigen Bauamt, errichten.

OZ-Bild

Zurzeit wird das Meyerfeldtsche Palais für 4,7 Millionen Euro saniert und soll ab Herbst wieder den 60 Mitarbeitern der Verwaltung als Dienstgebäude zur Verfügung stehen

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Nicht nur, dass Meyerfeldt alle Ausgaben peinlich genau notierte und jeden noch so versteckten Winkel seines riesigen Palais in Plänen akribisch beschrieb: Der hochrangige Militärmann muss auch eine enorme Angst vor den Kanonenangriffen seiner Feinde gehabt haben, und gleichzeitig war er ein Hypochonder wie er im Buche steht. Über die spannende bauhistorische Geschichte des Palais und die filmreife Biografie des einstigen Besitzers erfuhren die interessierten Gäste am Tag der Städtebauförderung am Sonnabend sehr viele aufschlussreiche Details.

In den Katakomben des Bauamtsgebäudes entdeckte die Stralsunder Archäologin Stefanie Brüggemann erstaunliche Dinge: Vor genau einem Jahr stieß sie bei ihren bodendenkmalpflegerischen Untersuchungen auf einen ominösen Geheimgang und auf ungewöhnlich dicke „Mörderfundamente“. Am Wochenende verblüffte Brüggemann mit weiteren Erkenntnissen, die sie in den vergangenen zwölf Monaten wissenschaftlich, auch unter Zuhilfenahme von Archivalien, herausgearbeitet hat. Der schwedische Generalgouverneur beauftragte den seinerzeit renommierten Festungsarchitekten Cornelius Loos mit dem Bau seines wehrhaften Palais und hatte ihm viele Sonderwünsche aufgetragen. „Aus Angst vor Kanonenschuss und auch vor den damals grassierenden Seuchen ließ Meyerfeldt einen Bunker errichten“, so Archäologin Brüggemann und fügte hinzu, „dass das Gewölbe über dem Bunker doppelt gemauert wurde, um eventuellen Detonationen stand zu halten.“ Während der Ausführungen der Bodendenkmalpflegerin schossen den Cineasten unter den Besuchern sicherlich Filmszenen des Blockbusters „Panic Room“ mit Jodie Foster durch den Kopf. In diesem amerikanischen Streifen hatte sich nämlich ein Milliardär auch einen Schutzraum (Panic-Room) mit enormer Sicherheitstechnik unter seinem Haus installieren lassen. In dem Meyerfeldtschen Schutzraum befindet sich heute übrigens die Heizungsanlagentechnik.

In dem Kellergewölbe, in dem vor der Sanierung die Stadtmodellbauer arbeiteten, soll ein Magazin für die sichere Verwahrung der Bauakten eingerichtet werden. Auf dem Areal befanden sich eine Bäckerei, eine Sauna, eine Bierbrauerei und ebenso eine Metzgerei, die darauf schließen lassen, dass der schwedische Generalgouverneur mit seinem Gesindel wie in einer Trutzburg mit Selbstversorgersystem gelebt haben muss. Ironie des Schicksals: Der Generalgouverneur wurde nicht alt und verstarb im besten Mannesalter.

Zurzeit wird das Meyerfeldtsche Palais für 4,7 Millionen Euro saniert und soll ab Herbst wieder den 60 Mitarbeitern des Bauamtes als Dienstgebäude zur Verfügung stehen.

Jakobi-Kirchenführung und offene Bautür in neuer Schule

Es war ein straffes Programm, das den Neugierigen Sonnabend auferlegt wurde. Den Auftakt des Tages der Städtebauförderung bildete die feierliche Eröffnung der landesweiten Veranstaltung in der Jakobi-Kirche, wo sich Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) zur weiteren finanziellen Unterstützung geplanter städtebaulicher Vorhaben bekannte.

Mit Blick auf die Finanzierung des weiteren Ausbaus des Meeresmuseums sagte Glawe: „Wenn der Bund seine Zusagen einhält, sind wir mit dabei.“ Die beiden Restauratoren Simon Gebler und Reinhard Labs führten die Besucher durch das Gotteshaus. Dabei kamen immer wieder Fragen nach der Mehmel-Orgel. „Sie wird wieder erklingen“, versprach Reinhard Labs, aber der Zeitpunkt dafür steht noch in den Sternen. Das Bürgerkomitee „Rettet die Altstadt“ hat kürzlich genau 70 000 Euro für die Erstellung einer so genannten Musterachse für die Orgel gestiftet. Neben dem maritimen Zentrum in der Frankenvorstadt öffnete auch die zukünftige IGS Grünthal die Bautür ihres Hauses II, das ein zukunftsweisender Schulneubau werden dürfte. Das im umweltfreundlichen Passivhaus-Standard errichtete Schulgebäude ist auch optisch eine Augenweide. Im Inneren des Gebäudes soll Hightech für angenehmes Lernen und Lehren sorgen. So sollen unter anderem Kohlendioxid-Warner zum Einsatz kommen, damit eine konstante Frischluftzufuhr abgesichert werden kann. crö

Christian Rödel

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