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Pflegeheim-Check: Heime im Kreis landesweit auf Platz 2

Stralsund Pflegeheim-Check: Heime im Kreis landesweit auf Platz 2

Analyse zeigt ein differenziertes Bild zwischen den Einrichtungen / Unterschiede fallen bei den Kosten auf / Wohlfahrtseinrichtungen setzen auf Bürokratieabbau für mehr Pflege

Stralsund. Wenn die Entscheidung für einen Platz im Pflegeheim ansteht, haben Interessenten aus Stralsund und Umgebung gute Chancen, etwas Passendes zu finden. Die Heime im Landkreis Vorpommern-Rügen schneiden bei einer Analyse des Recherche-Teams Correctiv mit Platz zwei im Land gut ab. Die Gruppe hat dafür Prüfberichte des medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) für Pflegeheime ausgewertet.

Zu den Spitzenreitern in der Hansestadt Stralsund gehört danach das Caritas-Seniorenzentrum „St. Josef“, das in allen untersuchten Bereichen überzeugte. Zentrumsleiter Marcus Beyer freut sich über das Abschneiden. „Wir geben uns natürlich viel Mühe, das zu erreichen“, sagt er und sieht eine wichtige Motivation dafür auch im christlichen Auftrag zur Nächstenliebe. Etwas differenzierter fällt die Auswertung für die Heime der Wohlfahrtseinrichtungen (WFE) aus. Während das Seniorenhaus „Brunnenaue“ ebenfalls in allen Bereichen die volle Punktzahl erhielt, ist das im Alten- und Pflegeheim „Rosa Luxemburg“ anders. Hier konnten die Prüfer in vier Kategorien nicht alle Punkte vergeben, so etwa bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsversorgung oder dem Umgang mit Medikamenten und ärztlichen Anordnungen. Andere Einrichtungen der WFE fielen durch ihre Kosten auf.

So liegen die Pflegeheime „Am Mühlgraben“ mit 19 Prozent und „Am Grünhain“ mit 21 Prozent über den durchschnittlichen Heimkosten in MV und damit in der Spitzengruppe der Hansestadt. So kostet im „Grünhain“ ein Platz in der Pflegstufe 1 monatlich 1276 Euro und im „Mühlgraben“ sind es 1256 Euro. Deutlich preiswerter ist hier das WFE-Heim „Am Stadtwald“ mit 959 Euro.

Sabine Schwanz, Geschäftsführerin der gemeinnützigen Wohlfahrtseinrichtungen kann die Unterschiede erklären.

„Das Haus ’Am Stadtwald’ ist zu 90 Prozent mit Fördermitteln gebaut worden, während wir für den Bau der Häuser ’Am Mühlgraben’ und ’Am Grünhain’ Kredite aufnehmen mussten“, sagt die WFE-Chefin.

Das bringt nicht nur Unterschiede bei den Kosten für einen Heimplatz mit sich, sondern auch im Standard.

So gibt es im Haus „Am Stadtwald“ noch Zweibettzimmer. „Für die hohe Förderung mussten wir auch nach den Vorgaben des Landes bauen und die sahen das so vor“, sagt Sabine Schwanz. Doch der Vergleich lässt sie auch etwas zwiegespalten zurück.

„Zwar freue ich mich insgesamt über das Abschneiden der Wohlfahrtseinrichtungen. Doch die Art der Erhebung ist zu hinterfragen“, betont sie. So sei etwa die Prüfung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen sehr bürokratielastig.

Vor allem an der Stelle, wo es um die Dokumentation geht. „Einmal vergessen eine Flüssigkeitsgabe aufzuschreiben, bringt bereits Minuspunkte. Das heißt aber nicht, dass der Heimbewohner nichts zu trinken bekommen hat“, erklärt Sabine Schwanz. Wenn man dann hingehe, und das Material des MDK nach Stichpunkten untersuche, könne sich auch jeder seine eigene Studie machen.

Die WFE-Geschäftsführerin baut auf die Zukunft. Etwa auf die Neuregelung der Pflegebedürftigkeit und der Pflegegrade, wie sie im Pflegestärkungsgesetz II ab 2017 gelten sollen. „Zudem haben wir an einem Modellprojekt zu Eindämmung der Bürokratie in der Dokumentation teilgenommen und setzen das jetzt in unseren Häusern um.“ Erste Erfahrungen zeigen: Das Pflegepersonal hat dadurch Zeit gewonnen für mehr Hinwendung zum Heimbewohner.

Jörg Mattern

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