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Grimmen Pika: Lehrer auf vier Pfoten
Vorpommern Grimmen Pika: Lehrer auf vier Pfoten
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09:17 27.09.2018
Schulhund Pika ist dabei, wenn sein Frauchen Katja Küntzel (32) Englischunterricht an der Grimmener Grundschule „Dr. Theodor Neubauer“ gibt. Quelle: Anja Krüger
Grimmen

Er ist wohl die beliebteste Lehrkraft derzeit an der Grundschule „Dr. Theodor Neubauer“ in Grimmen (Landkreis Vorpommern-Rügen) – Pika, der Kooikerhondje-Rüde. Jeden Dienstag begleitet er sein Frauchen Katja Küntzel (32) in die Bildungseinrichtung, ist dabei, wenn die Lehrerin in einer zweiten und einer dritten Klasse Englischunterricht gibt und lehrt mit ihr den Umgang mit Hunden in einer Arbeitsgemeinschaft.

Nicht Deutsch, Mathe oder Englisch – der Rüde lehrt Ruhe, Disziplin und ist zugleich Motivator an der Grundschule „Dr. Theodor Neubauer“ in Grimmen (Landkreis Vorpommern-Rügen)

In der Pause und im Unterricht ein Star

Seit rund vier Wochen ist das Lehrerduo gemeinsam an der Grimmener Grundschule unterwegs. Während Kolleginnen von Katja Küntzel schnurstracks von Raum zu Raum gelangen, wird für die junge Lehrerin und ihren Begleiter der Weg durch das Schulgebäude zum Stop-and-go. Immer wieder steht ein Schüler oder eine Schülerin vor dem Gespann. Die meistgestellte Frage: „Darf ich Pika streicheln?“. Da geht dann schon mal die ganze Pause für das Wechseln des Unterrichtsraumes drauf. Dort angekommen, wissen die Kinder mittlerweile ganz genau, was zu tun ist. Leonie füllt ein Schälchen mit Wasser, stellt es an Pikas Rückzugsort unter den Lehrertisch, wo Katja Küntzel bereits eine Decke ausgebreitet hat. Kurz gibt die Lehrerin aus Greifswald einen Einblick in Pikas Gemütszustand an diesem Tag. Denn: „Wie bei Menschen auch, ist nicht jeder Tag gleich. Manchmal ist Pika geradezu spielsüchtig, manchmal eher müde“, sagt die 32-Jährige. Das ist wichtig, denn die Kinder müssen sich darauf einstellen. An diesem Tag haben die Drittklässler Glück, Pika „klebt“ zwar an der Seite von Frauchen, ist aber auch zum Spielen aufgelegt.

Pika motiviert

Und damit kann dann der Englischunterricht starten. Farben und Zahlen sowie Gegenstände pauken die Mädchen und Jungen momentan. Die Unterrichtsstunde beginnt mit einem Spielchen. Katja Küntzel holt ein so genanntes Dummy, ein längliches Säckchen, das beim Apportiertraining als Beuteattrappe für den Hund dient, heraus. Neben Leckerlis für Pika enthält es Aufgaben für die Drittklässler. Wer die Aufgabe löst, darf dem 20 Monate alten Rüden ein Leckerli geben. Und da zeigt sich, wie Pika zum Unterrichtsgelingen beiträgt. Denn bei nahezu 100 Prozent liegt die Mitarbeitsbereitschaft. Zu verlockend scheint es für die Mädchen und Jungen, dem jungen Rüden ein Leckerli geben zu dürfen. Als dann die fünf Aufgaben gelöst sind – schließlich kann der Kooiker, wie die Rasse auch genannt wird, nicht permanent mit Hundenaschereien gefüttert werden – gibt es sogar Tränen bei einem Mädchen. Dafür darf sie später, bei der nächsten Aufgabe, sogar ein Kunststückchen mit Pika vorführen.

Zurückhaltende Kinder leben auf

Doch nicht nur zur Mitarbeit animiert Pika. Die gesamte Unterrichtsstunde zeigt die Vorzüge von Pikas Anwesenheit. „Die Regeln haben wir mit den Kindern zuvor besprochen“, erzählt Katja Küntzel. Leise sein gehört unter anderem dazu, genauso wie das Verbot zu rennen. Gestreichelt werden darf er nur nach vorherigem Fragen.Schulleiterin Birgit Mietzner freut sich riesig, dieses Team an ihrer Schule zu haben. „Vor allem auf sonst zurückhaltende Kinder wirkt sich Pika hervorragend aus. Er motiviert sie zum Mitmachen und Reden“, erzählt sie. Das gesamte Kollegium sei ebenso begeistert, wie die Kinder.

Von klein auf dabei

Pika, der sich in der Ausbildung zum Begleithund beim Hundeverein in Loitz befindet, begleitet sein Frauchen zur Arbeit, seit er fünf Monate alt ist. „Ein Hund in der Schule wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden, die Stimmungslage und die Motivation der Schüler aber auch der Lehrkräfte aus“, weiß Katja Küntzel. Auf die Lernatmosphäre und Leistungsfähigkeit jedes einzelnen Kindes würde sich Pikas Anwesenheit auswirken. Für den Hund selbst sei der Tag in der Schule kein Problem. „Klar merkt man ihm den Tag am Abend an, dann ist er sehr müde“, erzählt Katja Küntzel. Generell sei Pika ein ruhiger, zurückhaltender, ausgelassener und freundlicher Hund, der sich stark an Menschen orientiert und gehorsam ist. Und eben sehr geduldig, wenn in der Pause erneut zahlreiche Kinder vor ihm hocken und ihn streicheln möchten.

Krüger Anja

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