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Polen steht am Scheideweg

Greifswald Polen steht am Scheideweg

Internationale Sommerakademie diskutiert und analysiert das Verhältnis zur EU

Greifswald. Manchen erscheint die gegenwärtige slawische Welt als ein „Hort des Bösen“. Die russische und polnische Politik stehen häufig in der Kritik.

Wie es um unser östliches Nachbarland, sein Verhältnis zu Deutschland und der Europäischen Union steht, das wird ab Montag beim sechsten Greifswalder Polonicum diskutiert. Etwa 20 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Ungarn kommen nach Greifswald. Die einwöchige internationale Sommerakademie läuft unter der Überschrift „Poland at the Crossroads: Between Eu(ro)phoria an Europhobia“. Die vierte deutsch-polnische Rede am 12. September um 18 Uhr heißt passend dazu „25 Jahre deutsch-polnische Partnerschaft. Nach der Erfolgsbilanz die Bewährungsprobe“.

Dafür kommt Prof. Dieter Bingen, der Direktor des Deutschen Polen-Instituts Darmstadt, ins Kolleg. Das Jubiläum bezieht sich auf die Unterzeichnung des bilateralen Partnerschaftsvertrags. Er ist der erste Deutsche, der in dieser Reihe zu Wort kommt.

„In der Sommerschule geht es um Europa, um das politische Bild von Europa“, sagt der Slawistikprofessor Bernhard Brehmer, der mit Marek Fialek das Polonicum leitet. Die Regierungen beider Länder vertreten völlig unterschiedliche Konzeptionen. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf Konsens und stärkere Integration in der EU setze, wolle die nationalkonservative Ministerpräsidentin Beata Szydlo (PiS) mehr Souveränität der einzelnen Staaten.

Die Sichten in Deutschland und Polen würden in drei Perspektiven beleuchtet, so Brehmer. Historiker und Politikwissenschaftler kommen zu Wort. Linguisten analysieren die verwendete Sprache. Dass Polen, die in Deutschland leben und Deutsche die Polen leben, zu Wort kommen, ist ganz sicher reizvoll. „Die Politikwissenschaftler, die wir eingeladen haben, könnten unterschiedlicher nicht sein“, macht Brehmer neugierig.

Der Slawist lädt seine Kollegen aus der Philosophischen Fakultät ein, eine institutionalisierte Partnerschaft für die künftige Zusammenarbeit beim Polonicum zu verabreden. Das biete sich geradezu an, meint er. „Wir sitzen in einem Boot, das nicht das größte ist und fahren in stürmischer See“, sagt Brehmer. „Wir müssen an einem Strang ziehen.“ Dass für das Polonicum 15500 Euro eingeworben wurden, belege den guten Ruf, den das Polonicum jetzt schon habe, ergänzt der Wissenschaftliche Geschäftsführer des Kollegs, Christian Suhm. Ohne diese Mittel würde es trotz Mittel- und Osteuropa Schwerpunkt in diesem Jahr kein Polonicum geben. Denn das Krupp-Kolleg habe in der laufenden Förderperiode bis 2018 sparen müssen. Das habe Ost- und Mitteleuropa besonders betroffen.

eob

• www.wiko-greifswald.de

OZ

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