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Abschied nach 46 Jahren

Abtshagen Abschied nach 46 Jahren

Klaus Weißbrodt bestimmte jahrzehntelang die Kommunalpolitik rund um Abtshagen mit

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Klaus Weißbrodt – ehemaliger Bürgermeister von Wittenhagen – vor der Grundschule in Abtshagen.

Quelle: Almut Jaekel

Abtshagen. Vor 46 Jahren hatte Klaus Weißbrodt seinen ersten Arbeitstag in Wittenhagen. Seitdem lebte und arbeitete der gebürtige Hugoldsdorfer in der Gemeinde, bestimmte jahrzehntelang die Kommunal- und Kreispolitik mit und war drei Wahlperioden lang sogar Bürgermeister. Jetzt sagt er Abtshagen „Auf Wiedersehen“, gibt sein Mandat als Gemeindevertreter ab und lebt fortan in Stralsund.

Ich bin sehr froh, dass ich so eine gut funktionierende Gemeinde vorgefunden habe.“Bürgermeister Frederic Beeskow

„Das geschieht aus gesundheitlichen Gründen“, sagt der heute 73-Jährige. Das Eigenheim, das er gemeinsam mit seiner Frau in Abtshagen bewohnte, erstreckte sich über drei Etagen. „Jetzt haben sie wir eine Parterre-Wohnung und einen kleinen Garten.“

Am 14. Oktober 1970 begann Klaus Weißbrodt in der Wittenhäger LPG. Zuvor war er in Hugoldsdorf und Tribsees zur Schule gegangen, hatte in Richtenberg sein Abitur abgelegt und an der Uni Rostock bis 1967 Landwirtschaft studiert.

„Danach arbeitete ich beim Rat des Kreises und war dort für Pflanzenschutz zuständig“, erinnert sich der bodenständige Mann. Doch Klaus Weißbrodt wollte näher an die Praxis. Und so war er dabei, als in Grimmen das Agrochemische Zentrum (ACZ) aufgebaut wurde und er wurde schließlich von der Wittenhagener LPG aufs Land abgeworben. „Die Entscheidung fiel damals ganz schnell. Innerhalb von drei Tagen“, sagt er. Dafür blieb er länger – nämlich bis 1975. Weißbrodt: „Das hat mir viel Spaß gemacht. Ich kam aus der Landwirtschaft, das war damals alles nichts Neues für mich.“ Als sich die Wittenhäger mit anderen Agrarunternehmen schließlich zur Kooperative (KAP) zusammenschlossen, wurde Klaus Weißbrodt stellvertretender Leiter. Mitte der 1980er-Jahre änderte er sich beruflich aber erneut: Er war inzwischen alleinerziehend. Deshalb, und aus politischen Gründen, wie er sagt, wechselte er hauptamtlich zur Bauernpartei. Schon unmittelbar nach dem Studium war der junge Mann der Bauernpartei beigetreten. Der Weg aus der Praxis sei kein leichter für ihn gewesen. „Wir hatten inzwischen alle Tierbestände saniert, es ist mir sehr schwer gefallen, zu gehen“, sagt er heute.

Auch damals arbeitete Klaus Weißbrodt schon kommunalpolitisch: Beispielsweise war er ab 1974 im Kreistag vertreten und auch schon Gemeindevertreter.

Die Ernüchterung unmittelbar nach der Wende – bei der Wahl hatte die Bauernpartei auf Landesebene plötzlich nichts mehr zu sagen. „Weißbrodt: „In Abtshagen hatten wir aber haushoch gewonnen.“ Und obwohl es nicht geplant war, ließ sich Weißbrodt aufgrund der vielen Stimmen überzeugen und wurde Bürgermeister. „Vorher war das dort immer ein Genosse“, sagt er heute schmunzelnd.

Als 1992 das Amt Kronskamp gegründet wurde, war absehbar, dass die Zeit als Bürgermeister enden würde. „Bis 2003 war ich dann Leiter der Amtsverwaltung, dann konnte ich mit der Amtsauflösung in Rente gehen“, sagt Weißbrodt. Eigentlich hatte die Gemeinde zunächst mit dem Amt Franzburg gearbeitet, schließlich wurde es aber das Amt Miltzow. „Damit und mit der Änderung der Schuleinzugsbereiche stand fest, dass wir unsere Realschule verlieren würden“, erklärt Klaus Weißbrodt, und auch heute noch ist ihm anzusehen, wie sehr dieser Verlust ihn schmerzt.

2004 bei der Kommunalwahl war Klaus Weißbrodt noch Mitglied der CDU, in die er als Bauernparteimitglied integriert worden war.

Und für die CDU gab es in Abtshagen einen anderen Kandidaten für die Wahl zum Bürgermeister. Und so gründeten zwölf Einwohner der Gemeinde eine Wählergemeinschaft, räumten ordentlich ab und Klaus Weißbrodt war wieder Bürgermeister und Kreistagsmitglied. Im Kreis arbeitete er zehn Jahre als Vorsitzender im Kultur- und Bildungsausschuss.

Erst vor zwei Jahren löste ihn der jetzige Bürgermeister Frederic Beeskow, ebenfalls Wählergemeinschaft, ab. „Und ich bin sehr froh, dass ich so eine gut funktionierende Gemeinde vorgefunden habe“, sagt Beeskow. Eine Gemeinde, in der Klaus Weißbrodt 40 Jahre lang Kommunalpolitik im Interesse der Einwohner betrieben habe.

Erreicht hat der Wahl-Abtshagener dabei allerhand: fünf Millionen Euro seien während seiner Zeit allein in die Schule investiert worden. Die ehemalige ZBE wurde zur Grundschule umgebaut, der Saal zum Turnraum. Gleich nach der Wende war die Gemeinde sogar der größte Arbeitgeber vor Ort, denn sie beschäftigte 205 ABM-Kräfte. „Ein positiver Nebeneffekt war, dass es deshalb auch enorme Sachleistungen gab, mit denen wir viel erreichen konnten. Damals stand die Gemeinde finanziell sehr gut da“, sagt Weißbrodt. Zeitweilig habe es in Abtshagen mehr als 500 Schüler gegeben, die Räume waren knapp, unterrichtet wurde beispielsweise auch im Feuerwehr-Gebäude.

Dann kam das Realschul-Aus. „Das war bitter!“ Aber Abtshagen behielt die Grundschule. „Und die ist inzwischen seit vier Jahren immerhin doppelzügig“, sieht der ehemalige Bürgermeister das Positive.

Viel geschafft wurde während der Weißbrodt-Ära auch im Wegebau. „Wir hatten Eigenmittel und konnten so immer etwas über den ländlichen Wegebau tun“, erklärt er, warum es vorwärts ging.

9,8 Kilometer Wege und Straßen für 3,5 Millionen Euro wurden während seiner Zeit neu gebaut oder vollständig rekonstruiert und alle Bürgersteige komplett erneuert.

Eines der letzten Projekte von Klaus Weißbrodt als Bürgermeister war der Bau des Mehrzweckgebäudes auf dem Sportplatz. Und auch das hat seine eigene Geschichte: Ursprünglich sollte es ganz woanders entstehen.

Doch da gab es Widerspruch. Dann gab es eine Fördermittelzusage für den Bau auf dem Sportplatz. Es wurde geplant, gebaut und 2014 eingeweiht. Und in diesem Jahr, kurz vor der Wahl, gab es nun auch endlich das dafür versprochene Geld aus Schwerin.

Ende gut, alles gut. Und die OZ wünscht alles Gute für den neuen Lebensabschnitt in Stralsund!

Almut Jaekel

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