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Als Kämpferin für Grundeinkommen bekannt

Greifswald Als Kämpferin für Grundeinkommen bekannt

Susanne Wiest engagiert sich für nicht weniger als ein neues Gesellschaftmodell. Dafür wollte die Greifswalderin sogar in alle Parteien gleichzeitig eintreten. Jetzt ist sie Piratin.

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Greifswalderin: Nach Jahren im Bauwagen genießt Susanne Wiest nun das Leben in Wieck, wo sie eine große Wohnung hat.

Quelle: Kai Lachmann

Greifswald. Susanne Wiest (46) hat von allen Direktkandidaten im Wahlkreis 15 die meiste Präsenz in überregionalen Medien. Der Grund dafür, dass sie im Spiegel stand, die taz sie porträtierte und ihr Sandra Maischberger im ZDF Fragen stellte: Die Greifswalderin ist in Deutschland eine der bekanntesten Verfechterinnen des bedingungslosen Grundeinkommens. Und so dauert es auch nicht lange, bis ein Gespräch mit ihr über Politik bei diesem Thema landet.

Über den Betrag, den jeder in Deutschland unabhängig von Herkunft, Arbeitsplatz, Qualifikation oder sonstigen Faktoren bekommen soll, könne noch diskutiert werden. Wiest schweben pro Monat 1000 Euro pro Kind und 1500 Euro für einen Erwachsenen vor. Die Frage, die sie am häufigsten hört: Wer würde dann überhaupt noch arbeiten? „Wenn ich Menschen frage, ob sie auch mit einem Grundeinkommen weiter arbeiten würden, sagen sie ,Ja, ich schon. Aber vielleicht die anderen nicht.‘“ Sie ist zutiefst überzeugt, dass sich ein Grundeinkommen finanzieren lasse. Und es wäre eine würdigere Arbeit. „Das System zwingt Menschen in Existenznot zu Tätigkeiten, die sie nicht machen wollen und schlecht bezahlt werden. Hätten wir ein Grundeinkommen, müssten diese Jobs angemessen bezahlt werden.“ Den aktuellen Arbeitsmarkt vergleicht sie mit einem Wochenmarkt, auf dem Menschen gezwungen werden, faules Obst kaufen zu müssen.

Hinter dem Grundeinkommen stehe die Frage: „Wie wollen wir zusammenleben? Wollen wir weiterhin strukturelle Probleme in der Wirtschaft zu individuellen Missgeschicken machen, von wegen: Wer keinen Job hat, ist selbst schuld?“ Das Grundeinkommen würde laut Wiest hingegen dafür sorgen, dass sich jeder entsprechend seiner Vorlieben ohne Zeitdruck orientieren und kreativ werden kann. „Es ermöglicht ein würdevolles Leben“, erklärt sie.

Dafür hatte sie schon eine Petition beim Bundestag eingereicht und mehr als 50 000 Unterschriften gesammelt, kam damit allerdings nicht durch. Hat sie denn kein Problem damit, auf ein einziges Thema reduziert zu werden? „Nein. Ich engagiere mich auch für direkte Demokratie. Und als Bürger, der Politik macht, kann man sich nicht überall auskennen.“ Das Bild vom allwissenden Politiker sei nicht mehr zeitgemäß. „Wenn ich in anderen Bereichen nicht Bescheid weiß, verweise ich gerne an Kollegen, die sich mehr mit den entsprechenden Fragen auseinander gesetzt haben. Mir geht es nicht um Macht oder Profilierung, sondern um die Sache“, sagt die Direktkandidatin der Piraten. Dass sie bei dieser jungen Partei angedockt ist, liegt daran, dass die anderen sie nicht eintreten ließen. Wiest wollte politische Prozesse und Entscheidungen mitgestalten, indem sie in alle demokratischen Parteien gleichzeitig eintreten wollte. „Nur die Piraten haben mit Doppelmitgliedschaften kein Problem“, erzählt sie. Außerdem könne sie sich mit der Arbeitsweise der Piraten identifizieren: nicht personen-, sondern inhaltsorientiert. Susanne Wiest ist Tagesmutter und lebt seit einigen Jahren in Greifswald Wieck mit ihren beiden Söhnen in einer großen, hellen Wohnung. Aus dem Fenster kann man auf den Ryck schauen. „Es war an der Zeit dafür“, sagt sie. Denn früher habe die gebürtige Bayerin mit ihrer Familie mehr als eineinhalb Jahrzehnte in einem Bauwagen gelebt. „Mir war Freiheit schon immer wichtiger als Miete zahlen“, begründet sie. Natürlich war das auch mit einem gehörigen Aufwand verbunden, etwa wenn im Winter draußen die Kinder in einer warmen Wanne gebadet wurden. „Alles eine Frage der Organisation.“ Mitte der 90er Jahre kam sie nach Vorpommern. Sie mag die Gegend. „Das Land ist für Überraschungen gut“, findet sie. „Hier liegt das Wort nicht gleich auf der Zunge, hier wird nachgedacht.“

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2013

Zum Wahlkreis 15 gehören seit dem Neuzuschnitt der Wahlkreise der Landkreis Vorpommern-Rügen, die Stadt Greifswald und das Amt Landhagen im Landkreis Vorpommern-Greifswald.

Als Direktkandidaten im Wahlkreis 15 treten neben Susanne Wiest (Piraten) noch Gino Leonhard (FDP), Kerstin Kassner (Die Linke), Claudia Müller (Bündnis 90/Die Grünen), Sonja Steffen (SPD), Angela Merkel (CDU), Michael Adomeit (parteilos), Jürgen Dettmann (Freie Wähler) und Michael Andrejewski (NPD) an.

 

Kai Lachmann

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