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Anerkannte Flüchtlinge blockieren Heimplätze

Anerkannte Flüchtlinge blockieren Heimplätze

Stralsund In der Flüchtlingskrise stehen die Behörden im Landkreis Vorpommern-Rügen vor der nächsten Herausforderung.

Stralsund In der Flüchtlingskrise stehen die Behörden im Landkreis Vorpommern-Rügen vor der nächsten Herausforderung. Derzeit leben in den Asylunterkünften der Region mehr als 1200 Menschen, die eine Aufenthaltsgenehmigung haben und eigentlich ihren Platz für Neuankömmlinge räumen müssten. Doch weil die Suche nach einer eigenen Wohnung oft an vielerlei Gründen scheitert, entsteht ein gewaltiger Rückstau. Die Behörden müssen daher immer neue Asylunterkünfte finden, um genügend Platz zu schaffen. Dabei werden die Ressourcen eigentlich an anderer Stelle gebraucht: Geflüchtete mit Aufenthaltstitel müssen integriert werden. Die Menschen brauchen Wohnungen, Sprachkurse, Arbeit. „Da rollen gewaltige Aufgaben auf uns zu“, sagt Peter Hüfken, Leiter des Jobcenters im Kreis Vorpommern-Rügen.

 

OZ-Bild

25 Flüchtlinge mit Aufenthaltsgenehmigung mussten Ende Februar in eine Notunterkunft in Tribsees, da sie sich nicht um eine eigene Wohnung gekümmert hatten. Der Fall hatte für Schlagzeilen gesorgt, weil die Männer sich zunächst geweigert hatten, die Industriehalle zu beziehen.

Quelle: Gerald Kleine Wördemann

Warum leben viele Flüchtlinge noch in Asylheimen, obwohl ihr Asylantrag genehmigt wurde?

Die Bearbeitung von Asylanträgen hat an Fahrt aufgenommen, sagt Kreissprecher Olaf Manzke. Das führe dazu, dass sich mehr Menschen um eine eigene Wohnung kümmern müssen. Die Motivation dazu ist jedoch oftmals gering. Zahlen des kommunalen Jobcenters zeigen, dass die Mehrheit der dort gemeldeten Flüchtlinge alleine in Deutschland ist.

Wer seine Familie nachholen will, hat jedoch kein Interesse an einer Ein-Zimmer-Wohnung. „Vielen ist nicht klar, dass der Familiennachzug kompliziert ist und sich das Verfahren Jahre hinziehen kann“, sagt Peter Hüfken. Hinzu komme die Angst, in Deutschland einen Mietvertrag zu unterschreiben. Andere wollen gar nicht in MV bleiben, sondern zu Verwandten in andere Bundesländer ziehen. Und auch das gehört zur Wahrheit: Einige sind mit den angebotenen Wohnungen nicht zufrieden.

Wird Flüchtlingen bei der Wohnungssuche geholfen?

Zwar sind Flüchtlinge mit Aufenthaltstitel für sich selbst verantwortlich, sie werden jedoch von den Behörden unterstützt. Mitarbeiter des Jobcenters gehen in die Unterkünfte, um über Sozialleistungen wie Hartz IV und Übernahme der Wohnkosten zu informieren. Die Antragsformulare dafür wurden vereinfacht und in verschiedene Sprachen übersetzt. Es gibt zudem die Möglichkeit, den Leuten einen Begleiter an die Seite zu stellen, der bei Behördengängen, Wohnungssuche und im Alltag hilft. Den Flüchtlingen werden auch konkrete Wohnungsangebote gemacht. „Es gibt in unserer Region genug freien Wohnraum, gerade auf dem Land“, sagt Peter Hüfken.

Können Flüchtlinge aus Asylheimen rausgeschmissen werden?

Grundsätzlich gilt in den Asylunterkünften zwar das Hausrecht, der Landkreis will die Menschen jedoch nicht in die Obdachlosigkeit schicken. „Die Leute wissen doch gar nicht, wo sie hinsollen“ sagt Kati Bischoff, Migrationsbeauftragte des Landkreises. Stattdessen verfolge man die Strategie, zu beraten und den Druck schrittweise zu erhöhen. Wer sich nicht langfristig an einen Mietvertrag binden will, kann als Übergangslösung in eine Wohngemeinschaft mit anderen Flüchtlingen ziehen. Modellprojekte gibt es bereits in Barth und Stralsund.

Welche Ansprüche auf Sozialleistungen haben Flüchtlinge mit Aufenthaltstitel?

Genau die gleichen wie Bundesbürger, die in Deutschland geboren wurden. „Kein Cent mehr und kein Cent weniger“, sagt Peter Hüfken vom Jobcenter. Sie bekommen den Regelsatz Hartz IV, Kostenübernahme von Miete und Heizung sowie Unterstützung bei der Erstausstattung. Miete und Heizung für 1000 Flüchtlinge kosten laut Jobcenter rund zwei Millionen Euro pro Jahr.

Kommt es nun zu verschärfter Konkurrenz, wenn Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt drängen?

Jobcenter-Chef Peter Hüfken sieht diese Gefahr nicht. „Wir haben seit Jahren Probleme, offene Stellen in Gastronomie und Handwerk zu besetzen“, sagt er. Das sind auch die Branchen, die Interesse an den Neuankömmlingen als Arbeitskräfte bekundet haben. Hier seien die Flüchtlinge eine große Chance, meint Hüfken. Er will die Geflüchteten jedoch nicht zu Billig-Arbeitern machen.

Stattdessen sollen sie in duale Ausbildungen gebracht werden. So könnten sie qualifiziert werden und gleichzeitig Geld verdienen, um ihre Familie zu versorgen.

Mehr Sozialhilfeempfänger

434 Flüchtlinge haben im Januar 2016 Sozialleistungen beantragt. Diese Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr förmlich explodiert. Im Januar 2015 hatten sich lediglich 34 Geflüchtete im kommunalen Jobcenter angemeldet. Dessen Chef Peter Hüfken geht davon aus, dass es zudem eine beträchtliche Zahl an Menschen gibt, die sich gar nicht im Jobcenter melden. Das ist problematisch, weil diesen Leuten keine Integrationsangebote gemacht werden können.

45 Prozent der Flüchtlinge haben laut Jobcenter Abitur. 39 Prozent haben keinen Schulabschluss.

Von Alexander Müller

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