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Billigbau an der A 20? Krause rügt Pegel

Tribsees Billigbau an der A 20? Krause rügt Pegel

Während die Ursachenforschung des A-20-Desasters weiter ergebnislos verläuft, hat Ex-Bundesverkehrsminister Günther Krause eine Erklärung dafür parat. Äußerungen von Landesverkehrsminister Christian Pegel bezeichnet er indes als „sehr unanständig“.

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Ex-Minister Günther Krause sieht die Ursache für den Bruch der A 20 darin, dass die Landesregierung die Renaturierung des Moores unter der Autobahn bei Tribsees vorangetrieben habe.

Quelle: Paul Zinken/dpa

Tribsees. Die Hoffnung stirbt zuletzt – zumindest bei Verkehrsminister Christian Pegel (SPD). Im Januar, so wünscht es sich der oberste A-20-Krisenmanager im Land, sollen die Ergebnisse eines weiteren, sehr detaillierten Gutachtens vorliegen. Daraus soll dann endlich hervorgehen, ob der „Grundbruch“ der Autobahn, wie Experten den Abrutsch der Straße ins Moor nennen, zumindest provisorisch mit einer Behelfsbrücke repariert werden kann oder nicht. „Ich muss wissen, hält der Rest der Fahrbahn an dieser Stelle noch mindestens zwei bis drei Jahre“, betont Pegel auf Nachfrage der OZ. Dies sei zunächst die vorrangige Frage.

Denn insgesamt sind fast 1000 Meter Strecke mit Hilfe von dünnen Säulen im Moor an der Trebel verankert worden. Ein einmaliges und Anfang der Nullerjahre noch recht neues Verfahren. Bislang gibt es allerdings keine belastbaren Hinweise darauf, ob die Fahrbahn dort nicht auch an einer anderen Stelle absackt oder gar bricht, wenn der Verkehr auf der A 20 wieder rollt – und sei es nur mit reduzierter Geschwindigkeit über eine Behelfsbrücke.

Die Last der erwünschten Gewissheit ruht nun auf den Gutachtern. Pegel will, sofern es dem beauftragten Bohrunternehmen aus Stralsund gelingt, eine der angeblich 60000 bis 80000 Säulen zu bergen, gleich zwei wissenschaftliche Einrichtungen mit der Ergebnisinterpretation beauftragen. Aber: „Bisher wissen wir noch nicht einmal, ob sich das, was auf den Bauplänen verzeichnet ist, auch wirklich unter der A 20 befindet“, sagt der Minister in einem recht deutlichen Tonfall. Er strahlt aus, dass ihm Nachfragen à la „Wer hat Schuld an der Misere?“ inzwischen auf die Nerven gehen. Wie können wir das Problem lösen. Dies sei zurzeit von Interesse. Die Schuldfrage stehe nicht jetzt im Mittelpunkt.

Vielleicht wird sie sich ohnehin nie klären lassen. Denn nach dreieinhalb Wochen, die bereits im Matsch in der Nähe der Auffahrt Tribsees nach der Ursache gebohrt wird, hat die Stralsunder Spezialfirma bislang nichts Nennenswertes zutage gefördert, was den Bruch der Autobahn erklären könnte. Die Hoffnung, auf die Pegel in seinem Schweriner Ministerium setzt, macht sich dort draußen so langsam vom Acker.

Vielleicht wurde die Autobahn doch unter zu großem Zeitdruck gebaut? „Nein“, sagt der frühere Bundesverkehrsminister Günther Krause und unterstreicht im Gespräch, dass er Bauingenieur sei und insbesondere im Bereich Verkehrsbau seine Kompetenzen habe. Nach der Wende hatte er auf ein beschleunigtes Planungsverfahren beim Ausbau der Infrastruktur der Ex-DDR hingewirkt, damit die Fertigstellung der A 20 flotter vonstatten geht. Diese Gesetzesänderung habe sich lediglich auf Fragen der Raumordnung sowie die planerische Linienführung der A 20 ausgewirkt, sagt Krause. „Die Bauausführung und die Konstruktionsplanung blieben davon unberührt.“

Der Ex-Minister hat eine andere Version, mit der er die Verantwortung kurzerhand an die Landesregierung zurückspielt. Die habe damals zeitgleich mit dem Bau der Autobahn eine Renaturierung des Moores vorangetrieben. Krause: „Die Wiedervernässung hat die Tragfähigkeit des Bodens deutlich verringert. Das ist so, als wenn man einen Ziegelstein in den Schlamm wirft. Der trägt dann auch nicht.“ Die durch die Renaturierung zu erwartenden Bodenveränderungen habe das Land den Planern damals nicht mitgeteilt. „Die sind deshalb von anderen Voraussetzungen ausgegangen.“ Hinzu kämen, sagt Krause, die starken Regenfälle im Verlauf dieses und des vergangenen Jahres, die ihr übriges beigetragen hätten.

Die Ursachenforschung werde diese These bestätigen, prophezeit der 64-Jährige. Bau- oder Konstruktionsfehler seien dagegen nicht zu befürchten. Insofern sei der inzwischen oft zitierte Satz von Landesverkehrsminister Pegel, „Wer billigt kauft, kauft doppelt“, laut Krause „sehr unanständig“.

Benjamin Fischer

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