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Einer, der sich einmischt

Greifswald/Gladrow Einer, der sich einmischt

Ex-Landrat Herbert Kautz leitet den Kreisseniorenbeirat und träumt von mehr Geld in den Kommunen

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Herbert Kautz engagiert sich ehrenamtlich auf vielen Gebieten — auch im Verein, der die Papiermanufaktur Wrangelsburg betreibt.

Quelle: Sybille Marx

Greifswald/Gladrow. Wenn Herbert Kautz mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Sonntagsgottesdienst nach Greifswald fahren will, hat er ein Problem. Kautz wohnt im Dörfchen Gladrow bei Wrangelsburg, „bis ich von da mit dem Bus in der Kirche bin, sind schon alle Messen gesungen“, sagt er. Ein Beispiel dafür, wie abgeschnitten viele Dorfbewohner im Kreis seien, wenn sie nicht Auto fahren könnten. Oder nicht mehr, aus Altersgründen.

Probleme, die Ältere im Landkreis Vorpommern-Greifswald betreffen, sind Kautz‘ Spezialgebiet. Der Ex-Landrat ist seit 2009 Vorsitzender des Kreisseniorenbeirats Vorpommern-Greifswald. 15 Mitglieder hat dieses Gremium, sie alle haben vor allem die Rechte, Sorgen und Interessen von Älteren im Blick.

Sind die Haltestellen der Busse barrierefrei? Gibt es genug Hilfs- und Freizeitangebote, die für Senioren erreichbar sind? Wie schafft man bezahlbaren Wohnraum für Menschen mit kleiner Rente?

Solche Fragen wälzen die Mitglieder im Beirat, sprechen sie im Sozialausschuss des Kreises oder im Präventionsrat an oder suchen andere Verantwortliche auf.

Langfristig arbeiten er und seine Mitstreiter auch darauf hin, dass jede Kommune einen eigenen Seniorenbeirat oder zumindest einen Seniorenbeauftragten hat. Wie die Gemeinde Heringsdorf, die Städte Greifswald und Ueckermünde zum Beispiel, während sich Wolgast bisher dagegen sperre.

Ein flächendeckendes Netzwerk sei wichtig, „nicht, um die Generationen gegeneinander auszuspielen“, wie er betont. Sondern, um alle Probleme an der Basis mitzubekommen. Vieles, was Senioren gut tue, tue auch anderen Gruppen gut: bessere Busverbindungen, abgesenkte Bordsteine, Mehrgenerationenhäuser, barrierefreie bezahlbare Wohnungen . . .

Ein Problem für alle sei allerdings die klamme Kassenlage der Kommunen, kritisiert Kautz. „Die Landesregierung hat das meiste Geld, die Kommunen haben das wenigste und sind darum fast entmündigt.“

Genau umgekehrt müsse es verteilt sein, findet er — und kämpft darum als Mitglied im Landesseniorenbeirat auch für ein neues Finanzausgleichsgesetz in MV. „Wann immer ich mit den Fraktionen zu tun habe, frage ich, wann dieses Gesetz kommt und mache mich unbeliebt“, erzählt er lachend. „Steter Tropfen höhlt doch den Stein . . .“ Kautz weiß ganz gut, wie man Einfluss nehmen kann in der Demokratie: Elf Jahre lang war er Landrat im Kreis Greifswald-Land, der später zum Kreis Ostvorpommern wurde. Bürgermeister von Züssow war er auch, heute arbeitet er unter anderem ehrenamtlich als stellvertretender Bürgermeister in Wrangelsburg.

Dass er und andere es geschafft haben, im Zuge der jüngsten Kreisgebietsreform einen Seniorenbeirat in der Hauptsatzung des neuen Großkreises zu verankern, darauf ist Kautz stolz. Und auch darauf, dass MV zu den ersten Bundesländern gehört, die ein Seniorenmitwirkungsgesetz einführten. Alle geplanten Gesetze und Verordnungen, die Konsequenzen für Ältere haben, müssen seitdem über den Tisch des Landesseniorenbeirats gehen, erklärt er. Und auch eigene Gesetzesentwürfe dürfe der Seniorenbeirat einbringen, „wir nutzen das bisher nur viel zu wenig!“

Welches Gesetz Herbert Kautz da als erstes im Blick hat, ist klar: das neue Finanzausgleichsgesetz. „Vielleicht finden wir ja einen emeritierten Professor, der uns einen Entwurf erarbeitet“, hofft er. Wenn dann in den Kommunen mehr Geld ankomme, könnten alle zusammen die Probleme vor Ort selbst anpacken. Zum Wohl aller Generationen.

Senioren im Kreis

24 325 Menschen im Alter von 65 Jahren oder älter lebten im Jahr 2009

im Landkreis Ostvorpommern.

Das waren 23 Prozent der

Bevölkerung.

36 150 Ältere sollen es nach Schätzungen des Statistischen Landesamtes im Jahr 2030 sein (40 Prozent).

In Greifswald lebten im Jahr 2009 rund 10500 über 65-Jährige (19,3 Prozent), im Jahr 2030 sollen 13871 sein, rund 23,3 Prozent der Bevölkerung.

Von Sybille Marx

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