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Graßhoff gibt Bürgermeisterposten auf

Wendisch Baggendorf Graßhoff gibt Bürgermeisterposten auf

63-Jähriger verlässt die Gemeinde Wendisch Baggendorf / Familie zieht um nach Stahlbrode

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Eberhard Graßhoff (l.) setzte sich stets für seine Gemeinde ein, hier bei der Bürgersprechstunde mit Ministerprästent Erwin Selling in Grimmen.

Quelle: Peter Franke

Wendisch Baggendorf. Für Eberhard Graßhoff und seine Frau sind die Tage in der Gemeinde Wendisch Baggendorf gezählt. Das Gemeindeoberhaupt (Wählergemeinschaft) gibt zum 1.

Wir haben zu jeder Zeit gespürt, dass sein Herz für die Gemeinde schlägt.“Gudrund Vogt, Leiterin der Kämmerei im Amt Franzburg-Richtenberg

November seinen Posten als Bürgermeister auf. „Aus gesundheitlichen Gründen“, begründet er kurz und knapp. Weiter ausführen will er das nicht. Ihr Haus in Leyerhof haben Graßhoffs verkauft. Sie ziehen nach Stahlbrode. Der Ort in der Gemeinde Sundhagen war schon immer Graßhoffs zweites Zuhause. Der 63-jährige liebt das Angeln.

Sieben Jahre leitete Eberhard Graßhoff, der in Hoikenhagen geboren wurde und seit 1981 in Leyerhof mit seiner Familie lebte, als Bürgermeister die Geschicke der kleinen Gemeinde. Seit 1984 setzte er sich in der Gemeindevertretung für die Bürger ein. Leicht war dies nicht immer. „Und trotzdem hat er verdienstvolle Arbeit geleistet“, sagt Gemeindevertreterin Christiane Opitz (Wählergemeinschaft).

„Er war immer vor Ort, hat sich immer gekümmert. Er ist auf die Bürger zugegangen. Genauso konnte auch jeder mit seinen Anliegen jederzeit zu ihm kommen“, weiß sie.

Aber nicht nur dafür war Bürgermeister Eberhard Graßhoff bekannt. Mit seiner Meinung – egal zu welchem Thema – hielt er nie hinter’m Berg. Dass diese nicht jedem gefiel, war ihm egal – ist es immer noch. Ebenso war er ein Mann der Taten. Ein Beispiel war das Buswartehäuschen in Borgstedt. Immer wieder wurde dieses mutwillig demoliert und verschmutzt. Bis es Graßhoff über war, es auf Kosten der Gemeinde reparieren und reinigen zu lassen. Kurzerhand riss er es ab. Selbst. Graßhoff packte immer mit an. Ein Jahr lang ließ er die Borgstedter im Regen stehen.

„Als Politiker macht man sich eben nicht nur Freunde“, weiß auch Christiane Opitz, die vor Graßhoffs Bürgermeisterzeit das Amt bekleidete. „Wir waren selbst beide nicht immer einer Meinung“, erzählt sie. Diskussionen zwischen den beiden waren keine Seltenheit. Aber sowohl sie als auch er empfanden diese eher als konstruktiv. Und so sei sehr viel Positives in den vier Orten der Gemeinde in den vergangenen Jahren geschafft worden, lautet auch das Resümee von Eberhard Graßhoff. Das sei aber nicht sein Verdienst, sagt der 63-Jährige. „Sondern der der Gemeindevertretung“, ist er überzeugt. Die immer in die Gemeindevertretung gewählte kleine Wählergemeinschaft habe nach der Wende beispielsweise die gesamte Gemeinde umgestaltet. Wobei die Zugehörigkeit der Mitglieder zu einer Partei nie eine Rolle gespielt habe, denn mit Doris Dillner ist auch eine CDU-Frau in dem Gremium vertreten. „Von einst 460 Einwohnern ist die Gemeinde auf über 530 gewachsen, darunter viele Familien, was Leben in die Dörfer gebracht hat“, erzählt Graßhoff. Zu den positiven Entwicklungen zählt der nun scheidene Bürgermeister auch den Straßenbau. „Alle Wege und Straßen sind fertig, konnten über die Flurneuordnung saniert werden“, berichtet er. Stolz mache ihn, dass dabei kein Bürger zur Kasse gebeten werden musste. „Den Eigenanteil haben wir stets als Gemeinde übernommen, beziehungsweise haben für den letzten Weg Sponsoren finden können“, erzählt er.

Aber steigende Kreis- und Amtsumlagen, die Doppik – „das verdammte Finananzausgleichsgesetz“, wie er sagt – damit habe für die kleinen Gemeinden der Kampf um’s Überleben begonnen. Ein Kampf, den er angenommen hat. Er ließ keine Gelegenheit aus, um dies anzusprechen, nutzte auch eine Bürgersprechstunde des Ministerpräsidenten Erwin Sellering (SPD) in Grimmen im Jahr 2014. „Damals hat er mir versprochen, dass daran gearbeitet wird. Geändert hat sich nichts“, bedauert er.

Überaus lobenswert sei, auch wenn’s jährlich ein hübsches Sümmchen aus dem Gemeindesäckel gekostet hat, die Zusammenarbeit mit dem Amt Franzburg-Richtenberg gewesen, von dem die Gemeinde verwaltet wird. Eine Institution, der Graßhoff dafür danken möchte. „Und auch vielen Bürgern, auf die ich mich stets verlassen konnte“, fügt er hinzu. Namentlich erwähnt er niemanden, möchte keinen vergessen.

Seitens des Amtes bedauere man, dass Graßhoff geht. „Es war immer eine gute und unkomplizierte Zusammenarbeit. Wir haben zu jeder Zeit gespürt, dass sein Herz für die Gemeinde schlägt“, sagt die Leiterin der Kämmerei des Amtes, Gudrun Vogt, die sich im Namen aller Mitarbeiter dafür bedanken möchte.

Übernommen werden jetzt die Bürgermeister-Angelegenheiten vom Parteikollegen Igor Hein – Graßhoffs Wunschkandidat für den Posten des ehrenamtlichen Gemeindeoberhaupftes. Er sitzt seit 2014 in der Gemeindevertretung Wendisch Baggendorfs und fungierte seitdem auch als Graßhoffs Stellvertreter. „Für mich persönlich ist es ein großer Verlust, dass Eberhard aufhört“, sagt der Borgstedter. „Er war für mich ein großer Mentor.“ Der selbstständige IT-Fachmann wünscht Graßhoff, „dass er immer weiß, etwas mit seiner Zeit anzufangen.“ Wobei Graßhoff selbst da überhaupt keine Bedenken hat. „Meine Frau und ich werden sehr viel unterwegs sein, das haben wir uns vorgenommen“, erzählt er. Feste Pläne allerdings hätten sie nicht geschmiedet. Eins aber steht für Eberhard Graßhoff fest: „Zur Ruhe zu kommen, das wäre das Falsche für mich. Aber egal was ich machen werde, Gemeindearbeit wird nicht dazu gehören.“

Dass in der Volksvertretung Wendisch Baggendorf weiterhin gute Arbeit geleistet wird, dessen ist er sich sicher. „Wenn nicht sogar bessere“, meint Graßhoff. Nur zwei Wünsche hat er für die Gemeinde:

„Dass junge Leute sich einbringen und dass nicht noch mehr Windräder aufgestellt werden“, sagt er.

Anja Krüger

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