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Hubertushütte: vertrackte Situation

Bremerhagen Hubertushütte: vertrackte Situation

Das traditionsreiche Ensemble mitten im Wald scheint keine Zukunft zu haben

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Peter Latendorf, Jäger und ehemaliger Revierförster, sieht kaum noch Hoffnung für das traditionsreiche Ensemble der Hubertushütte im Bremerhäger Forst.

Quelle: Almut Jaekel

Bremerhagen. Die Hubertushütte in Bremerhagen kennt im Umland von Grimmen fast jeder. Liegt sie doch mitten im Bremerhäger Forst, in dem ein Naturlehrpfad schon zu DDR-Zeiten und auch heute noch Alt und Jung zu ausgiebigen Spaziergängen lockt. Die Forstverwaltung, die Gemeinde Sundhagen und die Jäger – sie alle haben ihren Anteil an der Jagdhütte. Doch scheint es jetzt, als wolle sie niemand mehr haben, weil schlichtweg das Geld fehlt.

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Das traditionsreiche Ensemble mitten im Wald scheint keine Zukunft zu haben

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Seit wann es genau eine Hütte an der Stelle der heutigen Hubertushütte gibt, weiß wohl niemand mehr genau. Auf jeden Fall handelte es sich damals noch um den sogenannten Preußenwald. „1958 wurde der erste Teil der jetzigen Hubertushütte durch den staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb gebaut“, erzählt Peter Latendorf, einst Revierförster in Bremerhagen. Er selbst sei damals nicht dabei gewesen, aber sein Vorgänger, Manfred Wolff. Zwei Drittel der Hütte seien damals entstanden, auch schon der Kamin, an dem in den vergangenen Jahrzehnten Naturkundler, Jäger, Waldarbeiter, aber auch viele Schüler gemütliche Stunden zum Aufwärmen verbrachten.

Der hintere Teil der Hütte mit der Veranda wurde 1967 angebaut. „Und bis vor drei Jahren war auch noch ein Rohrdach auf der Jagdhütte“, erzählt Peter Latendorf weiter. Dann haben Jäger das Dach mit Pappe erneuert. Geld dafür gab es von der Forstverwaltung, der Gemeinde und auch von den Jägern. Fachleute unterstützten das Vorhaben. „Die gesamte Hütte steht auf festen Fundamenten, ist aber ansonsten aus Holz gebaut“, weiß Latendorf. Er selbst kam 1968 nach Bremerhagen.

Das Problemhaus sei aber nicht die Hütte, sondern das separate Nebengebäude. Obwohl auch da Peter Latendorf keine wirklichen Probleme sieht. Der Poggendorfer Forstamtsleiter habe das Häuschen aber als absolut marode bezeichnet, ärgert er sich. Die Gemeinde soll es jetzt auf ihre Kosten abreißen. Dabei habe es solide Fundamente, von außen sieht es aus, als sei es ebenfalls lediglich aus Holz errichtet, innen ist aber eine Steinwand gemauert. Der Sanitärtrakt sei am Boden und an den Wänden halbhoch gefliest – nicht sonderlich modern, aber immerhin. Die Küche sei etwa fünf Jahre alt. Nur das Dach, das müsse in den nächsten fünf Jahren mal gemacht werden. „Es regnet nicht rein, aber an der Kehle ist es reparaturbedürftig“, meint der Bremerhäger. Das wollten die Jäger – wie schon an der Hubertushütte – ebenfalls wieder erledigen. „Aber jetzt ist das wohl alles nicht mehr zu retten“, sagt Peter Latendorf resigniert. Dieses Nebengebäude stammt übrigens aus dem Jahr 1978, damals ebenfalls vom Forstwirtschaftsbetrieb und in seinem Eigentum errichtet. Vorher gab es ein kleines Gebäude, dass aber abgebrannt ist.

Verträge über Eigentum und Nutzung der Hubertushütte gab es in den zurückliegenden Jahren viele. Einer beispielsweise stammt aus dem Jahr 1982. Abgeschlossen zwischen der Gemeinde Wilmshagen (die später mit anderen Kommunen zur Großgemeinde Sundhagen fusionierte) und dem damaligen staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb Stralsund. In diesem Vertrag geht es um eine Überlassung der Jagdhütte an die Gemeinde. Am 1. Januar 1982 wurde die Hütte übergeben. Es wurden Anfahrtmöglichkeiten durch den Wald ebenso geregelt wie kostenlose Nutzungsrechte der Hütte durch die Forst und die Jäger.

„1990/91 hatte die Gemeinde Wilmshagen, die ja ab 1982 Nutzer und Eigentümer der Hütte war, aufgrund der neuen Gesetzeslage einen Antrag auf Übertragung in kommunales Eigentum gestellt. Dieser Antrag wurde jedoch durch den Bund abgelehnt“, erklärt Christiane Latendorf, die wenig später Bürgermeisterin wurde. 1992 unterzeichnete sie deshalb eine Nutzungsvereinbarung mit dem Forstamt. „Darin gab es keine Vereinbarung zu einem Abriss“, sagt sie.

Ein weiterer Vertrag, unterzeichnet durch den damaligen Forstamtsleiter Sven Blomeyer und Wilmshagens Bürgermeister, Hans-Jürgen Wellnitz, stammt aus dem Jahr 2001. Darin wird die Gemeinde als Eigentümer der Jagdhütte und als Grundstückseigentümer das Forstamt genannt. Es geht um die „Gestattung der Nutzung der Liegenschaft durch die Gemeinde zum Unterhalt der Jagdhütte“ bis zum 3. Oktober 2015. Von Nebengebäuden ist keine Rede. „Der Eigentümer der Jagdhütte hat die Jagdhütte auf seine Kosten ... zu beseitigen“, heißt es.

Die Sache ist vertrackt: Dieser Vertrag, der auf der Grundlage der im Einigungsvertrag festgelegten Zusammenführung von Eigentum an Grund und Boden mit daraufstehenden Gebäuden beruht, ist wegen dieser gesetzlichen Vorgaben beendet und der Streit begann. Die Zusammenführung ist nicht erfolgt und der Besitzer des Grundstücks – das Forstamt – kann den Abriss verlangen. Die Gemeinde Sundhagen will das Ensemble aber als Traditionsort erhalten, sieht keine Notwendigkeit des Abbruchs und hat auch kein Geld dafür. Die Forst geht in Bezug auf die Hubertushütte mit, will aber, dass das Nebengebäude beseitigt wird. Aber was soll die Hütte ohne sanitäre Anlagen? Die Jäger wollen sich engagieren, möchten aber nicht, dass sie dann irgendwann für einen Abriss verantwortlich gemacht werden.

Flyer zum Lehrpfad

Die Hubertus-Jagdhütte ist in einem Flyer des Bundes für Natur und Umwelt beim Kulturbund Grimmen als 23. Element erfasst und beschrieben.

Der Naturlehrpfad Bremerhagen wird in diesem Flyer genau vorgestellt.

„Die Errichtung der Hütte erfolgte 1958 von Jägern und Forstarbeitern. Die Hütte diente zum Schutz der Waldarbeiter und Jäger vor Witterungsunbilden, insbesondere aber zu jagdlichen Zwecken und geselligen Zusammenkünften zur Pflege des jagdlichen Brauchtums. Auch fachspezifische Vorträge finden hier statt“, heißt es.

Almut Jaekel

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