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Kanzlerin nimmt sich viel Zeit

Grimmen Kanzlerin nimmt sich viel Zeit

Die Flüchtlingspolitik sorgte für Unmut im Ortsverband der CDU — jetzt gab es die große Aussprache

Grimmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel war am Freitag für mehrere Stunden zu Gast im „Treffpunkt Europas“.

Grund: Der Grimmener Ortsverband der CDU hatte Angela Merkel einen kritischen Brief zur Flüchtlingspolitik geschrieben. „Wichtig ist, dass nichts unter den Teppich gekehrt wird. Die Anliegen des Grimmener Ortsverbandes können heute gezielt angesprochen werden“, ging Grimmens Stadtpräsident und Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) positiv gestimmt in das Gespräch mit der Kanzlerin.

Derzeit leben rund 175 Flüchtlinge in Grimmen. Der CDU-Ortsverband befürchtet, dass weitere 135 hinzukommen könnten. „Wir konnten unsere Probleme ansprechen“, nannte Marco Jahns das wichtigste Argument und erklärte: „Dadurch, dass wir die Flüchtlinge dezentral untergebracht haben, ist uns eine Integration vom Lebensgefühl her gelungen. In unserer Region wird es aber unmöglich sein, alle oder auch nur einen Teil in Arbeit zu bringen. Und dies wird früher oder später für Probleme sorgen“, glaubt der Chef des Ortsverbandes.

Harry Glawe zeigte sich nach der Diskussionsrunde zufrieden: „Wir sind eine Volkspartei und dort diskutiert man eben. Ich denke, das Zeichen des Gespräches ist klar: Der Grimmener Ortsverband steht auch weiterhin hinter der Kanzlerin“, erklärte er.

Rund um das Treffen im Stadtkulturhaus gab es auch einige kritische Stimmen. So versuchten Anhänger der Alternative für Deutschland (AfD) Informationsmaterial an die Bürger der Stadt und Austrittserklärungen aus der CDU an die Mitglieder der Christdemokraten zu verteilen. Optisch wurde der Protest mit der Wirmer-Flagge, von der Polizei als rechtspopulistisches Symbol eingeschätzt, zum Ausdruck gebracht. Etwas lautstärker wurde der Protest dieser Gruppen dann, als Kanzlerin Merkel den „Treffpunkt Europas“ nach knapp drei Stunden wieder verließ. „Volksverräterin“, skandierten sie. Angela Merkel lächelte dies gelassen weg und nahm sich vor dem Stadtkulturhaus noch ein wenig Zeit für wartende Passanten. „Wir haben hier über eine Stunde gestanden, um ein schönes Erinnerungsfoto mit der Kanzlerin zu bekommen. Sie war sehr freundlich und hat sich die Zeit genommen“, sagte sich Ina Lorenz erfreut, die mit Sohn Philipp gekommen war.

In diesen Tagen war der Besuch in der Trebelstadt mit erhöhten Sicherheitsvorkehrungen verbunden. Bereits bei der Hubschrauberlandung wurde die Kanzlerin von ihren beiden Limousinen, drei Feuerwehr-Fahrzeugen, einer Polizeieskorte und dem Rettungsdienst empfangen. Das Grimmener Veranstaltungsgebäude sicherten zudem zahlreiche Polizisten. Immer wieder gab es längere Diskussionen mit Mitgliedern der AfD, die gerne Zutritt zu der parteiinternen Veranstaltung gehabt hätten.

Von Raik Mielke

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