Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Schulsozialarbeit: Fast die Hälfte der Stellen im Landkreis bedroht

Stralsund Schulsozialarbeit: Fast die Hälfte der Stellen im Landkreis bedroht

2017 läuft die Finanzierung von 21 Stellen in Vorpommern-Rügen aus / Sechs wurden erst in diesem Jahr geschaffen / Politiker sehen das Land in der Pflicht

Stralsund. Fast die Hälfte der Schulsozialarbeiter-Stellen im Landkreis Vorpommern-Rügen steht offenbar vor dem Aus. Der Grund: Die Finanzierung der Stellen läuft zum Schuljahr 2017/18 aus. Bezahlt werden die Stellen zum Großteil aus Restmitteln des sogenannten Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) des Bundes. Diese Finanzierung läuft im kommenden Jahr aus.

 

OZ-Bild

Das Land ist gefordert, Verbindlichkeit zu schaffen, die Schul- sozialarbeit zu verstetigen.“Tino Borchert, Vorsitzender des Vereins Lebensräume Zarrendorf

Quelle:

Das Geld war seinerzeit dafür gedacht, Sozialschwachen die Teilnahme am kulturellen Leben zu ermöglichen. Da die Mittel dafür nicht vollständig verbraucht worden waren, wurden sie in Vorpommern-Rügen für die Schaffung neuer Schulsozialarbeiter-Stellen genutzt. Erst in diesem Jahr wurden sechs neue Schulsozialarbeiter eingestellt.

53 Schulsozialarbeiter gibt es im Landkreis. 21 davon werden aus Restmitteln des Bildungs- und Teilhabepakets finanziert. Kostenpunkt: 900000 Euro jährlich. Die Kreistagsfraktionen von CDU, SPD und Die Linke sehen das Land in der Pflicht, die Stellen zu sichern. Zur Sitzung das Kreistages heute Abend haben die Fraktionen einen entsprechenden Antrag gestellt. „Wir wollen eine Botschaft nach Schwerin schicken, um diesem Thema bei den Koalitionsverhandlungen Druck aus den Kommunen zu geben“, sagt Andreas Kuhn, Vorsitzender der CDU-Fraktion.

Weder Trägerverein noch Schule, Schüler und Eltern und auch die Schulsozialarbeiter selbst haben Planungssicherheit. „Das Land ist gefordert, Verbindlichkeit zu schaffen, die Schulsozialarbeit zu verstetigen“, sagt Tino Borchert, Vorsitzender des Vereins Lebensräume aus Stralsund, Träger von zehn Schulsozialarbeiterstellen. Zwei davon, nämlich an der Juri Gagarin-Grundschule und an der Hermann Burmeister-Grundschule, sind von der Streichung betroffen.

Eine von ihnen ist Carina Kowalski. Erst seit April dieses Jahres arbeitet die 28-Jährige an der Juri-Gagarin-Grundschule in Stralsund. Am 4. September 2017, bis dahin läuft ihr Vertrag, könnte schon wieder Schluss sein. „Das ist mein Traumjob geworden, gerade hier an dieser Schule. Ich könnte mir nicht vorstellen, woanders neu anzufangen,“ sagt die Hannoveranerin.

„Die Schüler finden mittlerweile sehr sicher den Weg zu Frau Kowalski. Es ist vieles aufgebaut worden.“, sagt Schulleiterin Mary Wittenburg. Konfliktlösung, Streitschlichtung, Problembewältigung, Vermittlung als neutrale Person zwischen Eltern, Lehrern und Kindern: „ Man müsste vieles über den Haufen werfen“, so Wittenburg.

„ Und durch neue Aufgaben aus Inklusion und Integration wachsen die Anforderungen“, so Andreas Kuhn. „Die Schulsozialarbeit ist dringend notwendig. Schulsozialarbeiter sind wichtig für die Freizeitgestaltung der Schüler, aber vor allem für die Konfliktbewältigung an den Schulen“, ergänzt Christiane Latendorf, Vorsitzende der Linksfraktion im Kreistag. Das Land könne die Finanzierung dieser Stellen nicht auf die klammen Kreise und Kommunen abschieben. Gefordert wird ein „Landesprogramm Schulsozialarbeit“. Heißt: Die Stellen sollen nicht aus Fördertöpfen von Bund und EU finanziert werden, sondern aus dem Landeshaushalt selbst.

Konkret bedeutet das, dass Schulsozialarbeiter als pädagogische Fachkräfte anerkannt werden sollen. „Die Schulsozialarbeiterstellen sollten ähnlich wie Lehrerstellen beim Land eingeplant werden“, sagt Nordbert Benedict, Bildungsfachmann der SPD-Fraktion im Kreistag und selbst Lehrer am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Bergen auf Rügen. Das bedeutet auch, dass jede Schule einen Schulsozialarbeiter bekommen sollte. Das ist derzeit nicht der Fall. „Ungerecht“, findet das Norbert Benedict.

Das Sozialministerium in Schwerin hält sich zu dem Thema allerdings zurück. „Allen Landkreisen und kreisfreien Städten ist seit mehreren Jahren bekannt, dass die Finanzierung aus Restmitteln des Bildungs- und Teilhabepaketes zeitlich begrenzt ist“, sagt Ministeriumssprecher Christian Möller. Derzeit würden Gespräche mit den Kommunen laufen, um eine Lösung zu finden. Wie die aussieht, „darüber kann zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage getroffen werden“

314 Schulsozialarbeiter gibt es in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt. 117 werden aus den auslaufenden BuT-Mitteln finanziert, sind also bedroht. 197 werden aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert.

Haushaltsplan 2017 wird erstmals vorgestellt

Der Kreistag Vorpommern-Rügens beschäftigt sich heute Abend nicht nur mit dem Thema Schulsozialarbeit. Auf der Tagesordnung steht neben diversen Um- und Nachbesetzungen von Posten in verschiedenen Gremien auch die Vorstellung des Haushaltsentwurfs für das kommende Jahr. Der Landkreis geht mit einem Defizit von knapp 2,4 Millionen Euro in die erste Lesung. In den kommenden Wochen soll in den verschiedenen Ausschüssen das Zahlenwerk beraten werden.

Auch eine überarbeitete Prioritätenliste für den Radewegebau im Landkreis soll beschlossen werden. Der Kreis hofft auf die Förderung mehrerer Radwegprojekte. Der Kreistag soll außerdem diverse überplanmäßige Ausgaben genehmigen, unter anderem im Verwaltungsbereich Jugend und für das Projekt Breitbandausbau im Landkreis (Die OZ berichtete).

Kreistag: heute, 17 Uhr, Fachhochschule Stralsund, Audimax (Haus 3)

Robert Niemeyer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel

Nirgends in Deutschland müssen sich Erzieher um so viele Kinder auf einmal kümmern wie in MV / Kreisverwaltung und Sozialverbände kämpfen für mehr Personal

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Politik
Verlagshaus Grimmen

Bahnhofstraße 11
18507 Grimmen
Telefon: 03 83 26 / 46 07 84

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag
9.30 bis 16.30 Uhr

Leiterin Lokalredaktion: Almut Jaekel
E-Mail: lokalredaktion.grimmen@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.