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So sieht die abflauende Flüchtlingskrise aus

So sieht die abflauende Flüchtlingskrise aus

In einer verlassenen Berufsschule in Grimmen lagern hunderte Möbel, die für Asylbewerber angeschafft wurden, die am Ende aber nie kamen.

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Landkreismitarbeiter Sebastian Kopp verschafft sich einen Überblick über die 200 Schränke, die eigentlich für Flüchtlingswohnungen angeschafft worden sind und nun in einem Flur der früheren Berufsschule in Grimmen stehen.

Quelle: Fotos: Alexander Müller

Grimmen. Die Flüchtlingskrise, die mehr als ein Jahr ganz Deutschland in Atem hielt, wird jetzt in der verlassenen Berufsschule in Grimmen eingelagert. Auf zwei Etagen stapeln sich in den leeren Klassenzimmern hunderte Möbel, die einst von der Kreisverwaltung für Asylbewerber angeschafft wurden, die am Ende aber gar nicht kamen.

OZ-Bild

In einer verlassenen Berufsschule in Grimmen lagern hunderte Möbel, die für Asylbewerber angeschafft wurden, die am Ende aber nie kamen.

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Im Treppenhaus sind 250 Betten aufgereiht. Im Flur ist zwischen 200 Schränken nur noch ein schmaler Gang geblieben. In einem Klassenraum stehen 250 Stühle, in einem weiteren 50 Waschmaschinen.

Sogar 30 komplette Küchen inklusive Geschirr für 250 Menschen wurden hier abgestellt. Zwei Tage waren nötig, um alles zu zählen. „60 Prozent der Sachen hier wurden nie benutzt“, schätzt Sebastian Kopp vom Wohnungsmanagement des Landkreises Vorpommern-Rügen.

Als im Herbst 2015 die Flüchtlingszahlen in die Höhe schossen, war es die Aufgabe des 39-Jährigen und seiner Kollegen, so schnell es ging neuen Wohnraum zu finden. „Wir kamen kaum noch hinterher“, erinnert sich Kopp. Weil die Gemeinschaftsunterkünfte nicht mehr ausreichten, wurden Wohnungen im gesamten Kreis angemietet, insgesamt fast 500 Stück. Doch im Frühjahr 2016 – als die Balkanroute an der EU-Außengrenze dicht gemacht wurde – nahm die Zuwanderung von Menschen entgegen der Prognosen rasant ab. 40 Wohnungen für 200 Leute, die bereits angemietet und komplett eingerichtet waren, wurden nicht mehr gebraucht. Die unbenutzten Möbel stehen jetzt in der früheren Grimmener Berufsschule herum. Zusätzlich wurden auch die Wohnungen gekündigt, in denen bereits Flüchtlinge lebten. Sie sollen künftig in den nun freien Gemeinschaftsunterkünften leben. 130 Wohnungen sind derzeit noch belegt, auch die sollen in den nächsten Monaten leer gezogen werden. Noch brauchbare Möbel werden ebenfalls nach Grimmen gebracht.

Die Kreisverwaltung sucht nun nach Möglichkeiten, die Stühle, Schränke, Betten und Geräte bedürftigen Menschen in der Region für einen geringen Preis zu überlassen. Momentan sind laut Sebastian Kopp noch einige rechtliche Fragen zu klären, da die Stücke zwar dem Kreis gehören, sie aber von Landesmitteln gekauft wurden. Denkbar sei es, die Möbel in Sozialkaufhäusern anzubieten oder sie über Erstausstattungen durch das Jobcenter an Sozialhilfeempfänger weiterzugeben. Auch ein Basar in der Berufsschule sei eine Möglichkeit. „Wir gehen davon aus, dass wir bis zum Frühjahr eine Lösung haben“, sagt Kopp.

So wie die Möbel wegen der Flüchtlingskrise angeschafft wurden, so wurde Sebastian Kopp wegen ihr eingestellt. Er wechselte im Jahr 2015 aus der Immobilienbranche in die Kreisverwaltung, als dort händeringend Leute gesucht wurden. Ob er jetzt Angst hat, so zu enden wie die eingelagerten Schränke?„Ich bin da entspannt. Es gibt immer noch genug zu tun.“

Sieben Wohnheime

1256 Asylbewerber leben derzeit im Landkreis. Das sind deutlich weniger als im Herbst 2015, als rund 3800 von ihnen hier untergebracht werden mussten.

Die verbleibenden Menschen im Asylverfahren sollen künftig nur noch in Gemeinschaftsunterkünften leben. Davon gibt es noch insgesamt sieben. Sie stehen in Barth, in Stralsund auf dem Dänholm und in der Lindenallee, in Bergen, Sassnitz, Körkwitz und in Tribsees.

Derzeit gibt es zudem noch 130 dezentrale Wohnungen, die aber alle leer gezogen werden sollen.

Alexander Müller

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