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Prachtbau verschlang 500 000 Goldmark

Bartmannshagen Prachtbau verschlang 500 000 Goldmark

Arthur Becker ließ im Jahre 1903 das Schloss nach den Planungen des Berliner Baurats Spalding errichten

Bartmannshagen. Eines der mit Sicherheit bekanntesten Gutshäuser der Region steht direkt vor den Toren der Stadt Grimmen, in Bartmannshagen.

In unserer Serie „Prunk, Zerfall und Wiederaufbau“ geht es heute um die ereignisreiche Geschichte, die sich innerhalb der Mauern, aber auch im gesamten Rittergut seit dem 12. Jahrhundert abspielte.

Genau in diesem 12. Jahrhundert wurde die Siedlung vermutlich von Neuenkamper Mönchen angelegt. Diese, so übermitteln die Quellen, rodeten seinerzeit vorhandenen Wald ab und urbanisierten das Land.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes geht auf das Jahr 1321 zurück. In diesem Jahr wurde das Land nämlich dem Ritter von Dechow überschrieben. Rund 50 Jahre später wird in Zusammenhang mit dem Ort die Familie von Schalensee als Besitzer von Bartmannshagen genannt. Damals war das Gut noch unter dem Namen „Bertrammeshaghen“ bekannt.

Am Ende des Dreißigjährigen Krieges erfolgte die Verpfändung des Besitzes an die Erben von Lucas Buschin. Nach der Besetzung Vorpommerns durch die Schweden erließ der schwedische Generalgouverneur eine Verfügung, in der er ankündigte, einen Kanal bauen zu lassen, auf dem Personen und Güter mit dem Schiff transportiert werden sollten. Hierfür war vorgesehen, einen schiffbaren Kanal von Tribsees bis Greifswald zu bauen und auch einen Haltepunkt in Bartmannshagen einzurichten. Die Boote sollten durch Pferde gezogen werden. Nur ein kleines Teilstück konnte damals aber fertig gestellt werden.

Die Arbeiten wurden 1807 eingestellt. Das Teilstück wurde von den Bewohnern als „Schwedengraben“ bezeichnet.

Wie der Leyerhofer Heimatforscher Wolfgang Marder in seinem Buch „Güter und Dörfer im Kreis Grimmen“ weiter beschreibt, erwarb die Familie Hecht das Rittergut Bartmannshagen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und ließ einige Wirtschaftsgebäude errichten. Da die Familie noch weiteren Grundbesitz im Kreis Grimmen besaß, verkaufte sie das Rittergut 1897 an Arthur Becker. Becker wurde 1862 geboren. Er stammte aus einer reichen jüdischen Familie aus dem Memelgebiet. Sein Vater war Pächter des Bernsteinbergwerkes Palmnicken in Ostpreußen, wodurch er sehr vermögend wurde. Mit dem Geld, welches Arthur Becker aus dem Erbe bekam, erwarb er das Rittergut Bartmannshagen, welches damals auf 432 Hektar bemessen wurde.

Auch der Bau des Gutshauses fällt in diese Zeit. Die Arbeiten begannen im Jahre 1903. Die Pläne für das Schloss entwarf der Berliner Baurat Spalding. Nach Fertigstellung des Haupthauses wurden der Marstall und die Reithalle gebaut. Das repräsentative Schloss sollte nach Beckers Vorstellungen ein sichtbares Zeichen des Liberalismus auf dem Lande sein. Die Gesamtbaukosten des Prachtbaus beliefen sich damals auf etwas mehr als 500000 Goldmark. In Bartmannshagen wollte sich Becker auf den Obst- und Gemüseanbau spezialisieren. Trotzdem standen im Jahre 1904 in den Stallungen 199 Rinder, 160 Schweine und 55 Pferde.

Von 1911 bis 1913 wurde ein Teil des Gutes durch die Landbank Pommern aufgesiedelt. Der Gutsbesitzer behielt in diesem Zuge lediglich 20 Hektar. Die meisten Siedler kamen aus Westfalen.

Bekannt wurde Arthur Becker in Pommern, als er 1910 gegen den Grimmener Landrat von Maltzahn klagte und daraufhin zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde. Als Mitglied der SPD war Becker 1919 Vorsitzender des Kreis-Bauern- und Landarbeiterrates. Bis 1928 saß er im Kreistag von Grimmen und war Mitglied des Kreisausschusses. Anfang der 1930er-Jahre wurden seine wirtschaftlichen Probleme immer größer. Die Unterhaltung der Schlossanlage konnte nicht mehr gedeckt werden. 1933 verstarb Arthur Becker im Alter von 71 Jahren. Seine Frau Anthe versuchte den Besitz zu halten, was aufgrund der Schuldenlast jedoch nicht gelang.

Zu Beginn des Jahres 1937 wurde das Gut zwangsversteigert. Zunächst nutzte der Staat das Gebäude als Landjahrheim. Im gleichen Jahr erwarb der Reichsarbeiterdienst jedoch noch die Anlage für 17

000 Reichsmark und richtete dort den Sitz der Gruppe 53 ein.

Am nächsten Sonnabend lesen Sie, liebe Leser, in einem zweiten Teil, wie nach dem Zweiten Weltkrieg im Schloss das Krankenhaus aufgebaut wurde.

Raik Mielke

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